Paracelsus-Prophylaxe oder konventionelle Grippeimpfung?

  • Das Interesse an der Grippeimpfung ist in der österreichischen Bevölkerung gering.
    foto: apa/ralf hirschberger

    Das Interesse an der Grippeimpfung ist in der österreichischen Bevölkerung gering.

Befürworter propagieren die immunstärkende Spritze als schonende Impf-Alternative - Wirkungsstudien gibt es keine

Jüngste Meldungen über Auslieferungsstopps für den Grippeimpfstoff von Novartis fördern die Skepsis der ohnehin impfmüden heimischen Bevölkerung. Dass die Österreicher nicht besonders an der saisonalen Grippeimpfung interessiert sind, liege daran, dass sich viele keinen Risikogruppen (Menschen mit Grunderkrankungen, Kleinkinder, ältere Menschen) zugehörig fühlen, erklärt Monika Redelberger-Fritz vom Klinischen Department für Virologie der Med Uni Wien. "Dabei sollte sich jeder impfen lassen, auch gesunde junge Menschen, vor allem jene, die vielen Kontakten ausgesetzt sind, da sie die Viren an schwächere Menschen weitergeben können", mahnt die Expertin.

Gerade vor der Grippeimpfung gesunder vitaler Personen raten Befürworter der Paracelsus-Grippe-Prophylaxe ab. "Die Impfung enthält Lebend-Virus-Partikel und schützt nur gezielt gegen eben einen Virus, von welchem man annimmt, dass er die Grippewelle des entsprechenden Jahres verursache", erklärt Thomas Rau von der Schweizer Paracelsus Klinik Lustmühle - Kompetenzzentrum für Biologisch-Integrative Medizin und Zahnheilkunde. Außerdem führe die Grippeimpfung oft zu Nebenwirkungen und es sei nicht abzuschätzen, welche Langzeitwirkungen die jedes Jahr neu kultivierten Viren besitzen.

Deshalb habe man an der Klinik Lustmühle die Paracelsus-Grippe-Prophylaxe entwickelt. Der Virologin Redelberger-Fritz sind keine evidenzbasierten Studienergebnisse zu der alternativen Spritze bekannt. Ursula Karnthaler, Leiterin des Fachbereichs Infektionsvorsorge im Gesundheitsdienst der Stadt Wien schließt eine immunstärkende Wirkung der biologischen Prophylaxe jedoch nicht aus, betont aber, dass es sich dabei um keinen Schutz vor Influenza-Viren handelt. Diesen könne nur die schulmedizinische Impfung gewährleisten.

Immunsystem stärken

Überzeugt von der immunstimulierenden Wirkung der Paracelsus-Spritze ist Helge Richter. Der Wiener Arzt bietet diese Prophylaxe-Möglichkeit als Alternative zur Grippeimpfung an. "Die Paracelsus-Grippe-Prophylaxe besteht aus Immunstimulantien, Grippe-Nosoden und Vitamin B, stärkt die Abwehrkräfte gegen Infektionen aller Art und hat keinerlei Nebenwirkungen". Damit die Spritze wirkt, müsse sie aber in der Grippesaison monatlich aufgefrischt werden und kostet pro Dosis 25 Euro. Der konventionelle Grippeimpfstoff kostet 16,50 Euro.

Die Allgemein- und Orthomolekularmedizinierin Vesna Budic-Spasic hält die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe der Paracelsus-Spritze für sinnvoll, auch wenn sie selbst bevorzugt Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, essentielle Fettsäuren und Aminosäuren als Nahrungsergänzungsmittel und/oder Infusion individuell für jeden Patienten zusammenstellt. Gesunden Menschen empfiehlt sie keine Grippeimpfung, sondern die Zufuhr oben erwähnter "Vitalstoffe".

Keine Alternative

In der orthomolekularen Medizin werden diese als risikoloser und heilsamer eingestuft als körperfremde Stoffe wie synthetische Medikamente. "Eine Kombination aus alternativen wie homöopathischen und orthomolekularen Mitteln wie sie zum Teil in der Paracelsus-Prophylaxe enthalten sind, ist sicher sinnvoll zur Vorbeugung gegen Grippe und Infekte", so Budic-Spasic.

Komplementärmediziner propagieren die immunstimulierende Wirkung der Paracelsus Grippe Prophylaxe, Schulmediziner schließen sie nicht gänzlich aus. Es scheint also mehr eine Frage der Sympathie, als der Wissenschaftlichkeit zu sein. Sicher ist: Die Paracelsus Grippe Prophylaxe kann keine Alternative zur Grippeimpfung sein, denn gezielt gegen Influenzaerreger wirkt sie nicht. (Elisa Weingartner, derStandard.at, 8.11.2012)

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