Paracelsus-Prophylaxe oder konventionelle Grippeimpfung?

Elisa Weingartner
8. November 2012, 11:31
  • Das Interesse an der Grippeimpfung ist in der österreichischen Bevölkerung gering.
    foto: apa/ralf hirschberger

    Das Interesse an der Grippeimpfung ist in der österreichischen Bevölkerung gering.

Befürworter propagieren die immunstärkende Spritze als schonende Impf-Alternative - Wirkungsstudien gibt es keine

Jüngste Meldungen über Auslieferungsstopps für den Grippeimpfstoff von Novartis fördern die Skepsis der ohnehin impfmüden heimischen Bevölkerung. Dass die Österreicher nicht besonders an der saisonalen Grippeimpfung interessiert sind, liege daran, dass sich viele keinen Risikogruppen (Menschen mit Grunderkrankungen, Kleinkinder, ältere Menschen) zugehörig fühlen, erklärt Monika Redelberger-Fritz vom Klinischen Department für Virologie der Med Uni Wien. "Dabei sollte sich jeder impfen lassen, auch gesunde junge Menschen, vor allem jene, die vielen Kontakten ausgesetzt sind, da sie die Viren an schwächere Menschen weitergeben können", mahnt die Expertin.

Gerade vor der Grippeimpfung gesunder vitaler Personen raten Befürworter der Paracelsus-Grippe-Prophylaxe ab. "Die Impfung enthält Lebend-Virus-Partikel und schützt nur gezielt gegen eben einen Virus, von welchem man annimmt, dass er die Grippewelle des entsprechenden Jahres verursache", erklärt Thomas Rau von der Schweizer Paracelsus Klinik Lustmühle - Kompetenzzentrum für Biologisch-Integrative Medizin und Zahnheilkunde. Außerdem führe die Grippeimpfung oft zu Nebenwirkungen und es sei nicht abzuschätzen, welche Langzeitwirkungen die jedes Jahr neu kultivierten Viren besitzen.

Deshalb habe man an der Klinik Lustmühle die Paracelsus-Grippe-Prophylaxe entwickelt. Der Virologin Redelberger-Fritz sind keine evidenzbasierten Studienergebnisse zu der alternativen Spritze bekannt. Ursula Karnthaler, Leiterin des Fachbereichs Infektionsvorsorge im Gesundheitsdienst der Stadt Wien schließt eine immunstärkende Wirkung der biologischen Prophylaxe jedoch nicht aus, betont aber, dass es sich dabei um keinen Schutz vor Influenza-Viren handelt. Diesen könne nur die schulmedizinische Impfung gewährleisten.

Immunsystem stärken

Überzeugt von der immunstimulierenden Wirkung der Paracelsus-Spritze ist Helge Richter. Der Wiener Arzt bietet diese Prophylaxe-Möglichkeit als Alternative zur Grippeimpfung an. "Die Paracelsus-Grippe-Prophylaxe besteht aus Immunstimulantien, Grippe-Nosoden und Vitamin B, stärkt die Abwehrkräfte gegen Infektionen aller Art und hat keinerlei Nebenwirkungen". Damit die Spritze wirkt, müsse sie aber in der Grippesaison monatlich aufgefrischt werden und kostet pro Dosis 25 Euro. Der konventionelle Grippeimpfstoff kostet 16,50 Euro.

Die Allgemein- und Orthomolekularmedizinierin Vesna Budic-Spasic hält die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe der Paracelsus-Spritze für sinnvoll, auch wenn sie selbst bevorzugt Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, essentielle Fettsäuren und Aminosäuren als Nahrungsergänzungsmittel und/oder Infusion individuell für jeden Patienten zusammenstellt. Gesunden Menschen empfiehlt sie keine Grippeimpfung, sondern die Zufuhr oben erwähnter "Vitalstoffe".

Keine Alternative

In der orthomolekularen Medizin werden diese als risikoloser und heilsamer eingestuft als körperfremde Stoffe wie synthetische Medikamente. "Eine Kombination aus alternativen wie homöopathischen und orthomolekularen Mitteln wie sie zum Teil in der Paracelsus-Prophylaxe enthalten sind, ist sicher sinnvoll zur Vorbeugung gegen Grippe und Infekte", so Budic-Spasic.

Komplementärmediziner propagieren die immunstimulierende Wirkung der Paracelsus Grippe Prophylaxe, Schulmediziner schließen sie nicht gänzlich aus. Es scheint also mehr eine Frage der Sympathie, als der Wissenschaftlichkeit zu sein. Sicher ist: Die Paracelsus Grippe Prophylaxe kann keine Alternative zur Grippeimpfung sein, denn gezielt gegen Influenzaerreger wirkt sie nicht. (Elisa Weingartner, derStandard.at, 8.11.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 712
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
händewaschen wirkt nachweislich nicht nur gegen die extrem seltene influenza (ca. 30 tote pro jahr in österreich), sondern auch gegen grippale infekte, welche tausende tote pro jahr verursachen.

die effekte der grippeimpfung bei risikogruppen sind leider vernachlässigbar.
http://summaries.cochrane.org/CD004876/... 5-or-older

weder die zahl der grippefälle, noch die komplikationen können durch die impfung verringert oder gar verhindert werden.

Das ist leider ein bissl viel gelogen.

Nicht nur bei schwangeren Frauen (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18... Abstract), auch bei Personen über 75 Jahren (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15... =Abstract) gibt es eindeutige Belege dafür, dass die Grippeimpfung wirkt.

du kannst mir gerne noch mehr pharmabezahlte studie posten. :-)

Dazu müsst ich erstmal eine finden.

Aber danke für den Versuch der gedanklichen Mitarbeit und viel Glück beim nächsten Mal!

An @ChristophB: Sie können nicht rechnen!

Ich geb's auf!

ad 1.
Was hat das mit Arithmetik zu tun, wenn die Grippe eine Woche dauert und nicht einen Monat?
http://derstandard.at/plink/135... 9/29003118

Wir haben in Österreich 8 Mio. Einwohner. Das /9 sind 889.000 pro Bundesland und nicht 94.000. Das ist ein kleiner Unterschied!
Ja, dann sind durchgehend 1.135 Personen krank, und das wären im Durchschnitt 113500/889000=0,13% und nicht 1,2%!

Können Sie nicht rechnen?

...die Schätzwerte für die im Labor nachgewiesenen Erkrankungen, darauf sind die Google Trends ausgerichtet.

Die tatsächliche Zahl der Erkrankungen liegt weit höher.

Wieso sollte man nachgewiesene Erkrankungen schätzen müssen? Werden die nicht gezählt?

Wie wird Ihr Schnupfen nachgewiesen wenn Sie nicht damit zum Arzt gehen?

Irrelevant hinsichtlich einer Impfung, und für die Grippe gilt dasselbe. Leute, die sich nicht krank genug fühlen, um zum Arzt zu gehen, brauchen auch keine Grippeimpfung.

?

Es geht nicht nur um sich selbst, sondern auch um die Übertragung und darum, dass das Virus einen Wirt als potentiellen Mutationsort findet.
Denken Sie wirklich immer so engstirnig und egoistisch?

Andere Frage: Denken Sie immer so Totalitär und wollen anderen Ihren Willen aufdrängen?

Wenn die Mutation im menschlichen Wirt das Problem wäre, dann würden wir immer wieder neu an einer mutierten Variante erkranken, die während der Erkrankung aus ihrer Vorgängerversion entsteht, und würden nie gesund werden. Tun wir das? Nein. Ein nicht geschwächter Organismus stirbt nicht an der Grippe, er wird dagegen immun. Die mutierte Variante der nächsten Saison muss folglich von wo anders herkommen.

ps: unsere Abwehrkräfte dezimieren den Virus ja.

Und dass sich eine vorteilhafte Mutation bildet ist unwahrscheinlich - deswegen wird in 99.9% der Fälle das Virus vom Körper besiegt ohne dass sich eine Mutation bildet und den Organismus zerstört. Wie gesagt - bilden Sie sich bitte hinsichtlich der Biologie.

"Und dass sich eine vorteilhafte Mutation bildet ist unwahrscheinlich - deswegen wird in 99.9% der Fälle das Virus vom Körper besiegt ohne dass sich eine Mutation bildet und den Organismus zerstört."

und die restlichen 0,1% der Fälle, in denen das Virus nicht vom Körper besiegt wird und sich eine Mutation bildet, genügt für das Virus, um die Grippe immer wiederkehren zu lassen? Das glaube ich kaum! Das sind ja schon zwei Bedingungen, nein drei:
1. Bedingung: Wenige Infizierte werden nicht mehr gesund und sterben.
2. Bedingung: Das Virus, an dem sie sterben, ist mutiert.
3. Bedingung ist eine Folge davon: Es gibt das ganze Jahr über irgendwo auf der Erde eine Grippewelle, denn wenige müssen viele anstecken, sonst geht Ihre Theorie nicht auf.

Alle drei Bedingungen müssen jedes Jahr gleichzeitig in Erfüllung gehen, denn die saisonale Grippe gibt es jedes Jahr bei uns.

Jo, rechnen Sie sich mal aus wie viele Menschen weltwelt infiziert werden und dann sehen Sie, dass selbst 0,0001% ausreichen.

Und man muss nichtmal dran sterben, sondern es nur weitergeben. Und es muss auch nicht immer Grippewellen geben, sondern das Virus muss lediglich weiterhin existieren und mutieren können.
Mehr ist es nicht.

Hatten wir nicht festgestellt, dass man mit Hochrechnungen grob daneben liegen kann? Außerdem: wovon 0,1%? Ich weiß ja nicht, wieviele Grippekranke es zur gleichen Zeit weltweit gibt, und wie diese verstreut sind.
Es ist ein Virus, das also regelmäßig mutiert. Das tat das Virus der Tollwut nicht, und auch nicht das der Masern.
Man muss den/die Ursprungswirt/e impfen. Auch dann, wenn dieser ein Mensch wäre und kein Tier, nützt es nur kurzfristig (nämlich ca. eine Saison lang), die Leute bei uns zu impfen, wenn jedes Jahr eine neue Grippe von wo anders herkommt. Ausrotten wird man das Virus mit dieser Strategie nicht.

Sie glauben, dass weder Masern noch Tollwut regelmäßig mutieren?

Ja, allerdings. Einmal in meinem Leben bezeichne ich noch nicht als regelmäßig.

Wie bitte?
Was hat Ihr Leben damit zu tun?

Wie regelmäßig denken Sie, dass Masern oder Tollwutviren mutieren verglichen mit Grippe?

Wenn mein Leben nichts damit zu tun hat, dann betrifft es mich auch nicht.

Das sagte ich schon.

Ich habe Sie um eine konkrete Zahl gefragt, nicht persönliches Gewäsch.

Was soll das jetzt wieder?
Soll ich mich jetzt auch noch gegen die Masern impfen lassen?

Ich habe Sie um eine konkrete Zahl gefragt.

Wenn Sie sagen, dass weder Masern noch Tollwut regelmäßig mutieren, dann sollten Sie das auch belegen können - oder weigern Sie sich auch hierbei eine Quelle anzugeben?
Ist es wieder ein Fantasieprodukt?

Wollen Sie mich veräppeln?
Wissen Sie wirklich nicht mehr, was Sie selbst über die Masern und die Tollwut geschrieben haben?

Ich:

"Sie glauben, dass weder Masern noch Tollwut regelmäßig mutieren?"

Sie:

"Ja, allerdings. Einmal in meinem Leben bezeichne ich noch nicht als regelmäßig."

Ich:

"Wie regelmäßig denken Sie, dass Masern oder Tollwutviren mutieren verglichen mit Grippe?"

Sie:

"Das sagte ich schon."

Ich:

"Ich habe Sie um eine konkrete Zahl gefragt,(...)"

Sie:

"Soll ich mich jetzt auch noch gegen die Masern impfen lassen?"

=> Jeder intelligente Mensch wird erkennen, dass nicht ich die Person mit der Intelligenzschwäche bin. Gut, vielleicht weil ich mich weiterhin mit Ihnen unterhalte, aber das würd ich eher als geduldig bezeichnen... und leidensfähig.

Nein, ich meinte was Sie schon früher mal zu den Masern und der Tollwut gesagt hatten?

Eselsbrücke gefällig? Was fällt Ihnen spontan zu diesen beiden Krankheiten ein?

Posting 1 bis 25 von 712
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.