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14,4 Prozent aller Lehrlinge in Ausbildungsbetrieben haben 2010 die Lehre abgebrochen, bevor sie die Lehrzeit abgeschlossen haben.
Putzen statt Kundenbetreuung, Botengänge statt Kassadienst. Doris* ist 16 Jahre alt. Einzelhandelskauffrau war schon immer ihr Wunsch-Lehrberuf. Mit ihrer ersten Lehrstelle war sie aber alles andere als glücklich. Im Vergleich zu vielen anderen Jugendlichen hatte Doris relativ schnell eine Lehrstelle gefunden, doch dort wurden ihr nicht die Fähigkeiten vermittelt, die man als Einzelhandelskauffrau braucht.
Dabei hatte zunächst alles so gut begonnen. Bewerbungen in nur acht Betrieben waren nötig, sie wurde zu vier Bewerbungsgesprächen und teilweise auch zu Schnuppertagen eingeladen. Entschieden hat sie sich schließlich für eine Stelle in einem eher kleinen Wiener Familienbetrieb mit zwei Filialen und rund zehn MitarbeiterInnen. Welche Firma das war, möchte Doris nicht sagen. Denn damit, was sie in dem Betrieb erlebte, war sie nicht unbedingt glücklich. Sie musste in den ersten Monaten putzen und Botengänge erledigen, hin und wieder kamen auch Hilfeleistungen bei der Annahme von Lieferungen dazu. Die wenigen Kunden durfte Doris nicht bedienen.
Zu ihren KollegInnen hatte sie zwar ein freundschaftliches Verhältnis, ihre Chefs hätten sie aber eher "wie ein kleines Kind behandelt und mir keine verantwortungsvollen Tätigkeiten zugetraut", sagt Doris.
Oft wurde ihr auch der Dienstplan nicht im Voraus übermittelt. Doris musste am Vorabend anrufen, um zu erfahren, ob beziehungsweise wann sie am nächsten Tag Dienst hatte und in welcher Filiale sie den Dienst antreten sollte.
Doris fühlte sich nicht gefordert. Das änderte sich auch nach einem persönlichen Gespräch mit ihren Chefs nicht, bei dem auch ihre Eltern dabei waren. Weil sie mit der Situation mehr und mehr unzufrieden war, suchte sie Hilfe. Sie wandte sich an die Beratungsstelle Back-up. Seit Jahresbeginn bietet Back-up in Wien-Mariahilf Beratungen für Lehrlinge an.
"Wir kümmern uns um Lehrlinge, bieten den Lehrlingen an, mit ihnen zum Betrieb zu gehen und Probleme zu besprechen", sagt Berater Johannes Schlögl im Gespräch mit derStandard.at. Die Schwelle, bei persönlichen Problemen Beratung in Anspruch zu nehmen, ist jedoch oft hoch, bedauert er. Und obwohl das Angebot freiwillig und kostenlos ist, ist das Projekt noch nicht allen Lehrlingen bekannt.
Meistens haben die Lehrlinge Probleme mit Ausbildnern oder müssen Überstunden machen, was bis 18 Jahren gesetzlich verboten ist. Auch Mobbing unter Lehrlingen kommt vor. Manche werden eine Woche lang im Betrieb alleine gelassen, während die Ausbildner auf Urlaub sind. Andere wiederum haben zu Hause Probleme und erhalten wenig Unterstützung ihrer Eltern. Sie verdienen das Geld, müssen ihr Gehalt dann aber abgeben. Das Alter der Lehrlinge, die sich an Back-up wenden, liegt zwischen 15 bis 23 Jahren, der Durchschnitt sind 17,6 Jahre. Eine Altersbeschränkung gibt es nicht.
Schlögl ist mit den bisherigen Beratungsergebnissen zufrieden: "Bei den betreuten Lehrlingen konnte etwa die Hälfte der Lehrstellen gesichert werden. Im Falle einer Auflösung des Lehrverhältnisses konnte wiederum 50 Prozent der Lehrlinge ein neuer Betrieb vermittelt werden." Denn auch einen Lehrstellenwechsel begleitet die Beratungsstelle, wenn die Probleme im Betrieb unüberwindbar sind.
Mit Problemen in der Lehre ist Doris kein Einzelfall. Von den 43.734 Lehrlingen in Ausbildungsbetrieben, die laut Zahlen der Wirtschaftskammer 2010 die Lehre beendeten, haben 6.300 beziehungsweise 14,4 Prozent diese vorzeitig abgebrochen. Fast die Hälfte von ihnen (40 Prozent) hörte schon in der Probezeit auf, also in den ersten drei Lehrmonaten. Diese Lehrlinge sind auch zu keiner Lehrabschlussprüfung angetreten und haben nicht in ein anderes Lehrverhältnis gewechselt.
Lehrlinge werden in den Betrieben auch häufig zu Überstunden herangezogen, wobei diese Mehrarbeit manchmal auch unfreiwillig und unbezahlt geleistet werden muss. Das war das Ergebnis einer von der Gewerkschaft GPA-djp durchgeführten Umfrage bei Lehrlingen im Handel, die im November 2011 veröffentlicht wurde.
Demnach gaben 68 Prozent der befragten Lehrlinge an, bereits Überstunden geleistet zu haben, 60 Prozent davon mussten diese unfreiwillig leisten, und knapp ein Viertel davon bekam dafür nichts bezahlt.
Auch Urlaub und Krankenstand sind heikle Themen: Demnach meinen 34,5 Prozent der Lehrlinge, ihr Chef vermittle ihnen, dass sie trotz Krankheit zur Arbeit kommen sollten. 34,1 Prozent müssten um die Einteilung ihres Urlaubs nach ihren Vorstellungen kämpfen. Die Angst um den Ausbildungsplatz ist groß: Jeder Vierte fürchtet, seine Lehrstelle zu verlieren. Jeder Zweite arbeite nicht in seinem Wunschberuf.
Doris nahm das Angebot nahm von Back-up in Anspruch. Mit Hilfe der Beratungsstelle hat sie ihren neuen Betrieb auch sehr rasch gefunden. Diesmal läuft alles nach Plan, sie erhält ihren Dienstplan zeitgerecht. Überstunden wurden bisher keine verlangt. Sie ist jetzt im zweiten Lehrjahr und sagt: "Ich würde diese Lehrstelle jederzeit wieder wählen."
Sie ist auch nach wie vor der Meinung, dass sie die richtige Berufswahl getroffen hat. Die Ausbildungsmöglichkeiten im Lehrberuf Einzelhandelskauffrau sind grundsätzlich attraktiv, glaubt sie. Aus ihrer eigenen Erfahrung weiß sie aber, dass es von Betrieb zu Betrieb große Unterschiede in der Ausbildungsqualität gibt. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 7.11.2012)
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Zum Glück ging es mir nie so. Aber ich durfte leider in etlichen Firmen genau diese Praxis erleben.
Lehringe werden sehr häufig für artfremde Tätigkeiten verwendet, eine Reinigungskraft oder ein Hilfsarbeiter wären schließlich zu teuer.
Und nein, hier geht es nicht um das normale sauberhalten des Arbeitsplatzes, für das jeder Arbeiter selber verantwortlich ist.
Es gibt Lehrlinge, die haben im ersten Lehrjahr im Betrieb nichtmal 1/3 von dem erlernt, was sie können sollten. Die kommen in die Berufsschule und können praktisch garnichts.
Mich wundert der sogenannte Facharbeitermangel angesichts solcher Zustände garnicht.
Wer nicht in Ausbildung investiert, darf nicht erwarten, dass aus den Leuten was wird.
... und die zustände waren katastrophal.
jugend wird generell behandelt wie ein $chi$$haufen.
aber als lehrling wirds erst recht stinkig.... drecksarbeit bis zum abwinken... sogar die hilfsarbeiter betrachten lehrlinge als abschaum.
die bildungshochburgen haben lehrmittel aus den 60er jahren und motivieren die jugendlichen gerade mal dazu , nicht sterben zu wollen , weil sie nicht ewig so jämmerlich behandelt werden,werden.
aber arbeit lohnt sich sowieso nicht mehr...
lieber 3-4 mio euro veruntreuen 3jahre gefängniss und fertig.
die einzige firma , die ich persönlich als eine echte ausbildungsstätte kennengelern habe war die firma kapsch... eigene labore und ausbildner mit pädagogischem,sozialem knowhow...
Naja, hier im Forum wird so getan, als ginge es darum, dass sich die Lehrlinge drüber aufregen, "ab und an den Besen schwingen zu müssen"!
Es ist unglaublich wie respektlos viele in diesem land sind! bei gewissen Themen, wird es einfach nicht akzeptiert, dass jemand Kritik übt. mehr noch, werden die kritiker verunglimpft!!!
Ich meine, es ist ja schön, wenn menschen eine "gute Lehre" gemacht haben oder in "guten lehrbetrieben" arbeiten oder gar deren Besitzer sind. Aber kann man deshalb davon ausgehen, dass alle betriebe so sind? Offenbar! Thema erledigt, alles ist gut...
"Nicht genug gefordert" und "für arbeitsfremde Tätigkeiten herangezogen" sind zwei verscheidene Paar Schuhe. Ich wurde gefordert in meiner Lehrzeit. Allerdings in der Werkstatt wo ich hin gehöhrte und nicht beim Hausputz beim Chef. Das ist nicht immer so, wie der Text anschaulich bestätigt.
"Lehrjahre sind keine Herrenjahre".
von unseren Lehrlingen wird nicht mehr verlangt, als jeder von uns auch machen muß, einspringen wenn wer krank ist oder eine Schachtel, bevor man sie als Ganzer mitten im Zimmer stehen läßt, zerlegen und ins Altpapier tun. Das macht bei uns sogar der Chef. Den Lehrlingen muß man heute halt oft erst lernen, was einem der gesunde Hausverstand sagt.
Weiters ist es in vielen Branchen üblich, das Mitarbeiter mal den Besen schwingen oder Schachteln wegbringen. Ich kenne Betriebe, da machen das auch die Chefs oder Projektleiter - und?? Ein Lehrling soll von Beginn an auch mit diesen Arbeiten vertraut werden.
Jene die groß schreien, dass sie mehr Verantwortung tragen wollen, tun das meinst nur als Vorwand, weil sie in Wirklichkeit nicht arbeiten wollen! Es gibt nur wenige, die wirklich Verantwortung "spüren" wollen.
Wenn überall nurmehr verhätschelt wird (Schule, Lehrbetriebe,...) kann nichts Gescheites dabei rauskommen - sollte eigentlich logisch sein.
Wie ich die Lehre gemacht habe war es selbstverständlich, auch Tätigkeiten zu verrichten, die nicht unbedingt zum Berufsbild gehören - niemand hat da so ein Theater daraus gemacht!
Jene, die Ahnung davon haben, wie es in einem Betrieb abläuft, wissen, dass es hin und wieder auftragsschwache Zeiten gibt (abhängig von der Branche), wo dann einfach "andere" Tätigkeiten zu verrichten sind. Oder meint ihr, man soll den Lehrling dann einfach in die Luft schauen lassen?
Ein Lehrbetrieb ist keine Schule! Natürlich ist es die Aufgabe des Betriebes, dem Lehrling die Fertigkeiten des jeweiligen Berufsbildes zu übermitteln - ganz theoretisch betrachtet. In der Praxis kann das halt nur im Rahmen des auszuführenden Projektes umgesetzt werden.
Naja - das Problem daran, wenn Lehrlinge zu viel Putzen und Hilfsarbeiten machen ist ja nicht, dass es per se schädlich wäre.
Sondern dass sie in der Zeit nicht höherwertige Tätigkeiten machen, und daran lernen.
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Sie haben jetzt ihren Ansatz vorgestellt - und jetzt war die Frage nach der Wirksamkeit interessant: Was hat's gebracht? Hat es ihnen dabei geholfen, sich besser als der Durchschnitt zu entwickeln, dass SIe fleissig dabei waren "auch Tätigkeiten zu verrichten, die nicht unbedingt zum Berufsbild gehören" - oder eher nicht?
Was mich hier noch stört, ist die Tatsache, dass sehr gerne auf kleine Unternehmen hingedroschen wird. In Wirklichkeit sind es aber oft die kleinen Unternehmen, die Lehrlingen wirklich was beibringen. In Großfirmen verbringen Lehrlinge nicht selten ihre gesamte Lehrzeit auf einer Großbaustelle - dort ist der Wissenserwerb nicht unbedingt rosig.
Fairerweise sei auch gesagt, dass es natürlich auch "Lehrherren" gibt, die absolut keinen Umgang mit Menschen kennen und wo gegenseitiger Respekt völlig fehlt - das kann es natürlich auch nicht sein.
Ich kenn auch einige Grosse mit sehr ausgezeichneten Lehrlingsausbildungsprogrammen.
Und genauso ein paar Kleine, die mit Ihren Lehrlingen viel gutes machen.
Ich würd's eher anders interpretieren: Es gibt einfach viel mehr kleine Unternehmen. Und deswegen auch mehr Gschichtln.
Ich könnte nicht behaupten, dass sich dadurch Nachteile ergeben hätten, im Gegenteil.
Ich habe nach meiner Lehre die Meisterprüfung und die Berufsreifeprüfung absolviert und bin seit rund 5 Jahren selbstständig. Die letzten 2 Jahre habe ich als Subunternehmer für ein großes Elektro- bzw. Anlagenbauunternehmen gearbeitet. Meine Haupttätigkeit war Bauleitung (Team mit 15 Mann). Kommendes Jahr arbeite ich in einem festen Dienstverhältnis als Techniker für das oben genannte Unternehmen.
Ich würde, wenn ich könnte, wieder den selben Weg einschlagen. Außerdem finde ich es falsch, zwischen "höheren und niederen" Tätigkeiten zu differenzieren. Arbeiten, die anfallen, sind einfach zu erledigen - Punkt. Auch wenns einem manchmal nicht so passt.
"Außerdem finde ich es falsch, zwischen "höheren und niederen" Tätigkeiten zu differenzieren."
Ich finde es wichtig, zwischen qualifizierten und unqualifizierten Tätigkeiten zu unterscheiden. Und es ist wesentlich, sich auf ausreichend qualifizierte Tätigkeiten zu fokussieren, damit die eigenen Kosten gerechtfertigt sind.
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"Arbeiten, die anfallen, sind einfach zu erledigen - Punkt. Auch wenns einem manchmal nicht so passt."
Das mag für ganz unqualifizierte gelten. Bei anderen ist vor Allem der Gesichtspunkt wesentlich: Amortisieren sich die Kosten des Mitarbeiters durch die Tätigkeit? Sonst soll er die Zeit sinnvoller nutzen.
Sie sind ein Vollkoffer, tschuldigens! lehrlinge sind zumeist minderjährige!
http://wobblies.at/?p=618
Sie sind selber ein Vollkoffer - tschuldigens ;-)
Sie haben offensichtlich keine Ahnung, wie es in Lehrbetrieben abläuft - dort sind nämlich auch Aufträge gewinnbringend auszuführen (das ist keine Schule) ... so nebenbei
Ihren Link zu dieser wahnwitzigen Website hätten sich wirklich sparen können!
MfG
M.O.
ja, dann ist es ganz blöd. z.b wie mir mal eine Kindergärtnerin erzählt hat, dass sie einem Kind erklärt hat, die Farben, die es mutwillig über dem Tisch ausgeschüttet hatte, auch selber wegwischen zu müssen. Ausgegangen ist es dann so, dass zu guter letzt die Mutter den Tisch verärgert selber abgewaschen hat, weil sie nicht einsieht, dass das Kind den Job der Putzfrau machen soll.
Es gibt Lehr- und Ausbildungspläne. An diese ist der Lehrherr gebunden. Den Lehrling als billige Putzkraft zu missbrauchen, ist nicht Teil eines ausbildungsvertrages. Und dann regt man sich auf, wenn die Lehrlinge in der Lehre nix lernen und bei der Abschlussprüfung durchfallen!
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