Rapid und die Hoffnung auf Anstand

7. November 2012, 11:01
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Die Europa League ist für Rapid eine fremde Welt. Trotzdem hat es sich das Team nicht zum Ziel gesetzt in Leverkusen unterzugehen - obwohl die Personalsorgen groß sind und das rettende Ufer weit weg ist.

Gernot Lechner ist der Udo Jürgens unter den Fußballfans. Er trägt einen Bademantel. Das gute Stück ist grün-weiß gestreift, er trägt den langen Stoff bei jedem Rapid-Spiel. Nicht nur während, sondern auch davor und danach und im Flieger nach Köln beziehungsweise Leverkusen. Hauptberuflich ist Lechner Bürgermeister von Winklarn, das liegt bei Amstetten, sein Outfit schreckt die Wähler offensichtlich nicht ab. In Leverkusen und Köln fällt er nicht wirklich auf, das sind nämlich Zentren des deutschen Karnevals. Helau. Für Rapid dürfte es am Donnerstagabend in der BayArena aber nicht wirklich lustig werden, die Gruppe K der Europa League lehnt die Hütteldorfer nämlich strikt ab. Drei Spiele, drei Niederlagen, Torverhältnis 1:8.

Von einer Revanche an Bayer Leverkusen zu sprechen wäre verwegen, das Match vor zwei Wochen in Wien ging hochverdient mit 0:4 verloren. Lechner hat trotzdem ein gutes Gefühl: "Vielleicht nehmen sie uns auf die leichte Schulter."

4000 Hütteldorfer in Leverkusen dabei

Rapid wird übrigens von 4000 Fans begleitet, immerhin das ist ein europäischer Spitzenwert. Aber wen feuern sie eigentlich an? Sicher nicht den gesperrten Guido Burgstaller, auch nicht die Verletzten Steffen Hofmann, Deni Alar, Markus Heikkinen und Christopher Drazan. Der vergrippte Muhammed Ildiz blieb ebenfalls daheim. Erprobte Amateure wie Louis Schaub und Dominik Starkl fallen aus. Um die Ersatzbank vollzukriegen, nahm Trainer Peter Schöttel Burschen wie Osarenren Okungbowa, Eldis Bajrami und Daniel Randak mit, die haben sich am Vorabend bei ihm vorgestellt. Sie sollen Talente sein, mit den Amateuren haben sie schon in der Regionalliga gegen Stegersbach verloren.

Schöttel sagt: "Raunzen bringt nichts. Es fehlen viele Offensivkräfte, wir müssen schauen, dass wir hinten gut stehen und es dem Gegner schwermachen." Präsident Rudolf Edlinger erwartet "ein Spiel mit Anstand". Dass der Klub in einer schwierigen Phase steckt, streitet er nicht ab. "Aber wir lassen uns von außen nicht verrückt machen."

Schöttel: "Neigen dazu, uns selbst fertigzumachen"

Denn das Innenleben ist kompliziert genug. Schöttel gesteht ein, "dass wir dazu neigen, uns selbst fertigzumachen". Als man sich als einziger österreichischer Klub für die Gruppenphase qualifiziert hatte, herrschte eitel Wonne und sogar Waschtrog. "Und weil man dort bisher keine große Rolle gespielt hat, ist jetzt alles schlecht. Das kann es nicht sein. Wirklich übel waren nur die Derbys gegen die Austria, die sind ein eigenes Kapitel. In der Meisterschaft sind wir Dritter, das ist eine realistische Platzierung. Die Niederlagen in der Gruppenphase sind bitter, aber ein Erfahrungswert, der die Jungen auf Dauer weiterbringen kann."

Außenverteidiger Christopher Trimmel, der gegen Leverkusen wohl eine Rolle in der Offensive übernimmt, ortete zuletzt "ein ängstliches Verhalten. Zumindest hat es so gewirkt - obwohl wir keine Angst haben." Er strapazierte die beliebte Fußballweisheit, dass in der spielerischen Not nur der Kampf zum Erfolg führe. "Wir werden den Fans zeigen, dass jeder das Beste gibt. Wir müssen kratzen, beißen." Tormann Lukas Königshofer ist positiv gestimmt, "weil wir eh nichts schlechter machen können als beim 0:4". Leverkusens Lars Bender erwartet eine "hoch motivierte Rapid-Mannschaft". Bademantelträger Lechner hofft das. Helau. (Christian Hackl aus Leverkusen, DER STANDARD, 8.11.2012)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen:

Fußball-Europa-League (Gruppe K, 4. Runde):

Bayer Leverkusen - SK Rapid Wien
BayArena, Donnerstag, 21.05 Uhr (live ORF eins/Sat 1/Sky), SR Libor Kovarik (CZE)

Leverkusen: Rensing - Carvajal, Friedrich, Toprak, Hosogai - L. Bender, Rolfes, Castro - Sam, Schürrle - Kießling

Ersatz: Yelldell/Leno - Wollscheid, Carlinhos, Aydin, Reinartz, Hegeler, Kohr, Junior Fernandes, Renato Augusto

Es fehlen: Schwaab, Bellarabi, Kadlec (alle verletzt)

Fraglich: Wollscheid (krank), Leno (Ellbogen-Operation), Renato Augusto (Trainingsrückstand)

Rapid: Königshofer - Schimpelsberger, Sonnleitner, Gerson, Katzer - Prokopic, Kulovits - Trimmel, Prager, Grozurek - Boyd

Ersatz: Novota - Pichler, Schrammel, Okungbowa, Bajrami, Wydra, Randak

Es fehlen: Burgstaller (gesperrt), Ildiz (krank), Hofmann, Heikkinen, Drazan, Alar, Dobras, Behrendt (alle verletzt), Starkl (nicht spielberechtigt), Schaub (beim U19-Nationalteam)

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    In Leverkusen mit dabei: die Amateure Eldiis Bajrami, Osarenren Okungbowa und Daniel Randak (v.li).

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    Peter Schöttel geht nicht davon aus, "dass wir eine historische Niederlage erleiden."

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