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US-Präsident Barack Obama hat einen klaren Wahlsieg gegen Mitt Romney erzielt, wenn auch keinen glanzvollen. Statt der großen Visionen und der Hoffnung auf Wandel von 2008 waren es diesmal nüchterne Gründe, die das tief gespaltene amerikanische Elektorat davon überzeugten, dem Demokraten weitere vier Jahre im Weißen Haus zu geben. Es war eine Mischung aus politischen Inhalten, Wahlkampf und Demografie, die die Wahl entschieden hat.
Inhalte: Obama wurde wiedergewählt, weil doch genügend Amerikaner davon überzeugt waren, dass er seine Arbeit gut gemacht hat und eine sicherere Wahl ist als Romney. Die Wirtschaft hat sich zuletzt erholt, in der Außenpolitik hat Obama stets eine gute Figur gemacht, und Obama konnte besser als der abgehobene Investor Romney den einfachen Leuten das Gefühl vermitteln, dass er ihre Sorgen ernst nimmt. Das Referendum über Obamas Leistung als Präsident ist knapp zu seinen Gunsten ausgegangen. Obwohl Romney im Wahlkampf moderater wirkte als zuvor, wollten ihm gerade deshalb viele Wähler nicht vertrauen. Die Radikalität der Republikanischen Partei war jedenfalls ein Mühlstein in seinem Wahlkampf.
Wahlkampf: Von Anfang an war es klar, dass der wichtigste Faktor für einen Wahlsieg die Mobilisierung der eigenen Basis sein würde. Hier gab es anfangs Zweifel an Obamas Fähigkeit, seine Wähler von 2008 wieder zu Urne zu bringen, so tief war die Enttäuschung über seine Führungsqualitäten. Doch die Wahlkampfmaschine der Demokraten war diesmal mindestens so professionell und effektiv wie vor vier Jahren. Tausende Wahlhelfer brachten die Wähler zu den Wahllokalen, wo sich die Menschen oft stundenlang anstellten, um ihrem Präsidenten die Stimme zu geben - und vor allem Romney zu verhindern, den die Demokraten in den TV-Spots frühzeitig als herzlosen Millionär ohne Prinzipien gezeichnet hatten. Den Republikanern gelang offenbar auch eine breite Mobilisierung ihrer Unterstützer, aber ihre Basis war nicht groß genug.
Demografie: Der wichtigste Faktor für Obamas Sieg aber war die Wählerkoalition, die er schon 2008 geformt hatte und die sich nun als nachhaltig erwies: Schwarze, Latinos, Frauen, Junge, manche weiße Arbeiter vor allem in den Autostaaten Michigan und Ohio - es sind fast alle Schichten vertreten außer den älteren ländlichen weißen Kleinbürgern, die das Rückgrat der republikanischen Tea Party bilden. Frauen hielten ihm laut Exit Polls wieder mehrheitlich die Stange, die Jüngeren entschieden sich klar für Obama, und die wichtigste Gruppe waren die Latinos, die ihm zum Sieg verhalfen. Sie werden von Jahr zu Jahr mehr, und 2012 war ihr Durchbruch als einflussreiche, sogar wahlentscheidende Wählergruppe. Viele von ihnen könnten auch republikanisch wählen, wenn Kandidat und Programm passen, aber die harte Haltung Romneys in der Einwanderungspolitik ließ sie in Massen zu Obama strömen. Diese Regenbogenkoalition ist die größte politische Leistung des ersten schwarzen US-Präsidenten und hat auch seinen Demokraten geholfen, ihre Mehrheit im Senat zu verteidigen.
Für die Republikaner war es deshalb eine rabenschwarze Nacht. Sie müssen sich überlegen, wie sie in einem Land, in dem die Weißen zur Minderheit schrumpfen, in Zukunft Wahlen gewinnen wollen. Wenn sie ihren Kurs und ihre Botschaft nicht komplett ändern, war ihr Sieg bei der Kongresswahl 2010 der letzte Triumph.
Und Obama? Ihm muss es nun gelingen, sein Wählermandat in
innenpolitische Erfolge umzusetzen - vor allem muss er eine Einigung mit der bestätigten
republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus in der Budgetfrage erzielen, ohne die
das Land in eine neue Rezession stürzen wird. Es wird ihm leichter fallen als
in seinen ersten vier Jahren. Denn erstens ist er ein Mensch, der aus Fehlern
lernt, und zweitens ist nun etwas mehr Flexibilität bei den Republikanern
möglich. Ihr großes Ziel, Obama die Wiederwahl zu verwehren, haben sie
verpasst. Nun müssen sie schauen, dass sie nicht mit übermäßig radikalen
Programmen auf Jahre zur Partei einer zornigen Minderheit verkommen. (Eric Frey, derStandard.at, 7.11.2012)
Die GmbH-Reform beseitigt nicht die echten Probleme von Jungunternehmern
Spindeleggers Vorstoß bei der Wohnbauförderung ist sachlich gerechtfertigt und längst überfällig
Deomokraten eine Mehrheit im Repräsentantenhaus verschafft? Ziemlich naiver Unsinn, den sie da verzapfen, Herr Frey. Mitnichten waren "genügend Amerikaner davon überzeugt waren, dass er (Obama) seine Arbeit gut gemacht hat". Die wirtschaftlichen Kennzahlen sind schlichtweg verheerend. Die schon zu Bush jr. Zeiten kriminell hohe Netto-Neuverschuldung pro Jahr hat er noch einmal auf eine unglaubliche Billion Dollar pro Jahr verdoppelt. Wenn jetzt noch 2014 die volle Krankenversicherungspflicht in Kraft tritt, ist eine neuerliche Rezession quasi garantiert.
Interessen mittels deren Politikern zu Gesetzen und zu weiterem gesellschaftlichen Einfluss formen lassen, aber da sie damit nicht die Gesellschaft und repr.Demokatie gänzlich zerstören wollen, brauchen sie dazu Bündnisse mit vor allem ideologische relevanten und einflußreichen Bevölkerungsgruppen - und die "älteren ländlichen weißen Kleinbürger" stellten sichtlich für die Konservativen eine Gruppe dar, welche bisher diese Führungsrolle trug, und andere Gruppen hier mitzogen. Das scheint nicht mehr der Fall zu sein. Obama und die Demokraten sehen schlichtweg eine andere USA-Gesellschaft - und diese ist in dieser und der letzten Wahl tonangebend geworden. Man kann hoffen, dass dieses Umdenken noch weitere Kreise zieht.
Witzigerweise ist in Wirklichkeit die Wählerverteilung so wie in Österreich bevor die F gleich stark wie SPÖ und ÖVP wurde.
In der Stadt gewinnen die Linken, am Land die Konservativen. In den USA gibt es allerdings noch ein Zwischending, die Vororte, dort ist es fast ausgeglichen. Der wirkliche Gegensatz ist also Stadt-Land.
Man soll aber nicht so tun, als ob nur weiße alte Männer vom Land republikanisch wählen, denn damit bekommt man nicht annähernd 50 % der Stimmen.
Nicht wieder gewählt werden die, welche als unsympatisch empfunden werden und gegen charismatische Gegner antreten müssen. Carter wurde von Reagan geschlagen und Bush alt von Clinton. Die Reps hätten also nicht mit einem hölzernen superreichen Mormonen antreten sollen, sondern mit einem geschickten charismatischen Verführer.
Nixon wurde sehr wohl wiedergewählt.
Nixon wurde natürlich sogar mit sehr großer Mehrheit wiedergewählt, kam mit seinem Rücktritt in der 2. Amtszeit nur einem Amtsenthebungsverfahren zuvor.
Keine 2. Amtszeit bekamen zB Jimmy Carter (bis auf die Besetzung der US-Botschaft in Theheran, keine kapitalen Böcke) und George H.W. Bush (Gewinner des 1. Irak-Krieges).
Nun es war sicher keine Erfolgsnacht der Reps, aber sie haben das Repräsentantenhaus sicher verteidigt und stehen dort wo sie vor der Wahl standen. Solange die Verhältnisse so bleiben wird es fürchte ich zuwenig sein um den Tea Party Fluch abzulegen. Es ist eher zu befürchten, daß sie einfach nur sagen, daß Romney zu gemäßigt war und es erst richtig krachen lassen.
bitte?
obama hat, wie es derzeit aussieht, nur zwei staaten vs. 2008 verloren. und 2008 war ein erdrutschsieg. 332 vs. 206 ev, aktuell 2,3 millionen stimmen mehr als romney, ist nicht ganz das, was ich unter "knapp" verstehen wuerde.
in allen punkten. allerdings war die sache vor zwei tagen lange nicht sooo klar. interessant wären auch die gründe, warum ein fettnapfhüpfer wie romney, der in europa die antithese eines volkstribuns wäre, so breite zustimmung erfahren hat und warum die reps die mehrheit inm repräsentantetnhaus halten konnten.
Was mich an diesem Kommentar sehr stört, ist dass er so extrem zwischen Hautfarben, Alter und Geschlechtern unterscheidet.
Obama ist der erste Schwarze Präsident und deshalb bekommt er derzeit von den Jungen, Schwarzen und Hispanos besodners viele Stimmen, aber bei den nächsten Kanditaten wird sich das wieder geben. Der politische Graben in den USA verläuft eben nicht entlang von Hautfarbe und Geschlecht, sondern viel mehr nach Ideologie und Wohnort. Ich erinnere nur an die Bush-Regierung mit einem Hispano als Folter-Justizminister und einer schwarzen Frau als beinharte Außenministerin. Die Republikaner sind nicht nur weiß und werden auch bei weitem nicht nur von weißen gewählt. Weiß gegen Nicht-Weiß ist in der US-Politik nicht bestimmend!
Mehrheitlich heißt aber eben nicht, dass 100 oder 80 % der Weißen die eine oder andere Seite wählen, sondern dass man in dieser Gruppe eine Mehrheit hat. Kerry z.B. wurde 2004 von 41 %, Obama bei seiner ersten Wahl sogar von 43 % der Weißen gewählt. Es stimmt zwar, dass 95 % der Schwarzen Obama wählen, aber gerade Europäer konstruieren daraus den Fehlschluss, dass die Weißen dafür im ungefähr gleichen Ausmaß republikanisch wählen, weil wir immer glauben es müsste einen zweipoligen Konflikt geben. So einfach ist das aber nicht.
führt zum sofortigen Verlust des Anerkennungsbonus: "Von Anfang an war es klar, dass der wichtigste Faktor für einen Wahlsieg die Mobilisierung der eigenen Basis sein werde."
äh,...ja, und?
Dieser Satz wird sich als tatsachenwidrig herausstellen:
"Das Referendum über Obamas Leistung als Präsident ist knapp zu seinen Gunsten ausgegangen."
Zeilenfüllende Lyrik, zu schön um hier geschrieben zu werden: "Für die Republikaner war es deshalb eine rabenschwarze Nacht."
Und so geht's dahin ...
Der Verfasser kann anscheinend auch ohne die ananlytische Einbeziehung der meines Erachtens über weite Strecken sehr guten Kommentierung des Wahlkampfes durch die Korrespondenten durchaus kommentieren. Er hat jedoch nur platzfüllenden Wert.
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