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David Michael-Davies vor seiner Geek-Wall. Die "New York Times" nennt ihn den "Meister der Dinge, die ein bisschen witzig und ein bisschen ernst sind".
David-Michael Davies gilt als einer der führenden Berater der Stadt New York im Bereich Internet-Industrie und veranstaltet mit den "Webby Awards" den einflussreichsten Preisreigen der Branche. Derzeit befindet sich der mütterlicherseits aus Frankreich stammende Tech-Spezialist auf Europatour. Was er sich davon erhofft und wie sein Wunsch an die Politik lautet, verriet er Tatjana Rauth in New York.
derStandard.at: Sie werden in den nächsten zwei Wochen rund vierzig Organisationen in Europa besuchen. Was erwarten Sie sich davon?
David-Michael Davies: Wir versuchen seit Jahren die "Webby Awards" global weiterzuentwickeln und da reicht es nun mal nicht, eine E-Mail auszuschicken. Deshalb haben wir vor vier Jahren begonnen, mit Webby-Ambassadors zu arbeiten, die in der landeseigenen Community bekannt und angesehen sind. Bei unseren regelmäßigen Besuchen tauschen wir uns mit den Spezialisten vor Ort aus und bringen unsere Expertise in Bezug auf Internet-Trends ein. Durch die Reaktionen lernen wir im Gegenzug, ob manche Annahmen zu US-zentriert sind. Der derzeitige Anteil an Einreichungen von außerhalb der USA liegt bei 35 Prozent.
derStandard.at: Einreichungen werden noch bis 21. Dezember angenommen. Haben Sie Tipps für potentielle Teilnehmer?
Davies: Die Einreichung ist wirklich einfach. Wir beurteilen die Arbeit. Deshalb müssen auch keine ausufernden Beschreibungen beigefügt werden - wir wollen das Ding einfach sehen und dann unsere Entscheidung fällen. Es ist natürlich sinnvoll, sich die Kategorien und die bisherigen Gewinner anzusehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob die eigene Arbeit überhaupt dazu passt.
derStandard.at: Kategorien und Kriterien müssen in diesem schnelllebigen Feld ständig adaptiert werden. Wie gehen Sie damit um?
Davies: Wir bekommen jährlich an die tausend Verbesserungsvorschläge zu den Kategorien, hauptsächlich von den Usern, aber auch von unseren Juroren. Unter den tausend sind einige wenige, die sehr oft auftauchen und diese werden dann angepasst. Bei den Auswahlkriterien hingegen stellt sich das Problem kaum, da diese relativ breit gefasst sind. Beispielweise sind die Kriterien, die wir für Webseiten verwenden, diesselben wie vor fünfzehn Jahren: Content, Interaktion, Funktionalität, Visuelles Design und Navigation.
derStandard.at: Bei den "Webby Awards" werden auch "Social"-Projekte honoriert. Wie lange wird es dieses Feld als eigene Kategorie noch geben?
Davies: Wir ehren "Social"-Projekte seit 15 Jahren. Seit Anbeginn des Internet werden mindestens dreißig Prozent des Netzes zur Kommunikation verwendet, "Social" ist also nicht neu. Wir prämieren Social Websites, Social Advertising, Social Videos und Social Apps. Das ist in Ordung und wichtig für die Industrie. Was uns aber wirklich begeistert, sind Arbeiten, die in einem holistischen Ansatz alle diese Kategorien nützen, um Botschaften zu vermitteln. "Social" ist heutzutage zu einem Wort geworden, das sehr breit verwendet wird. Beispielweise haben wir CNN 1998 als besten Blog geehrt, unter anderem integrierten sie Kommentare in ihre Berichterstattung. Heute würde man das "Social Media" nennen, damals nannte man es einfach Kommentare.
derStandard.at: Sie prämieren auch innovative Medien bei den "Webby Awards". Wer ist Ihnen dieses Jahr besonders aufgefallen?
Davies: Es gibt eine kleines Unternehmen namens Vox Media. Sie machen eine Seite für Consumer Electronics namens "theverge.com" und haben dieser Tage die Gaming-Seite "Polygon" vorgestellt, bei der sie es auf innovative Weise geschafft haben, die User-Journey und -Experience wundervoll zu gestalten.
derStandard.at: Was kann der Gewinn eines "Webby Awards" bewirken?
Davies: Wir ehren die Großen und die Kleinen. Es kommt also darauf an, wo man gerade steht. Beispielweise haben wir vor zwei Jahren Neil Pasricha aus Toronto für seinen Blog "A 1000 awesome things" prämiert. Auf der Show hat er einen Verlagsagenten getroffen, sie veröffentlichten gemeinsam ein Buch, das zum "New York Times"-Bestseller wurde. Neil gab auch einen TED Talk. Der Preis hatte auf ihn als Individuum starke Auswirkungen. Für Werbeagenturen, die ihre Werbe- und Marketingarbeiten einreichen, geht es darum, sich von der Konkurrenz abzuheben. Medien hingegen wollen die Aufmerksamkeit neuer Werbekunden gewinnen, die auf der Suche nach vielversprechenden Werbeflächen sind.
derStandard.at: Jedes Jahr werden auch Celebrities bei den "Webby Awards" geehrt.
Davies: Wir versuchen das Gefühl, das das Internet im vergangenen Jahr vermittelt hat, bei den "Webby Awards" darzustellen. Wir prämieren somit keine Celebreties sondern Menschen, die im Netz Außergewöhnliches geleistet haben. Wie beispielweise 2011 Björk und ihre App, die sonst nirgendwo entsprechend gewürdigt wurde.
derStandard.at: Im Frühling 2013 soll das "Made in NY Mediacenter" in Brooklyn seine Pforten öffnen. Geplant ist ein Schmelztiegel für Film, Video und Tech-Start-Ups, in dem auch erschwingliche Arbeitsräume zur Verfügung stehen. Wie stark schätzen sie die Auswirkung dieses Projekts auf die Entwicklung der New Yorker Tech-Szene ein?
Davies: Durch unsere enge Zusammenarbeit mit der Stadt New York waren wir in die Beratungsphase des Mediacenters eingebunden und haben für die Zusammenarbeit verschiedene Organisationen empfohlen, so auch das Independent Filmmaker Project (IFP), den Gewinner der Ausschreibung. Das Interessante an New York ist, dass man viele Dinge tun muss, um die Auswirkungen zu spüren. Darum ist das Media Center auch nur Teil eines übergreifenden Programms, das New York als Stadt für Tech-Business etablieren soll.
derStandard.at: Ist die "Internet Week New York"ebenfalls Teil dieses Masterplans?
Davies: 2008 hatten sich bereits viele unterschiedliche Dinge herausgebildet, aber sie standen nicht in Verbindung, hatten keinen Mittelpunkt. Darum ist die Stadt auf uns zugekommen und hat uns gebeten, die damals bereits etablierten "Webby Awards" größer zu machen. Aber um ehrlich zu sein: Wie soll man eine Preisverleihung größer gestalten, die nun mal naturgegeben exklusiven Charakter hat und damit nicht jedem offen steht? Darum haben wir gemeinsam mit Katherine Oliver, der Medien-Beauftragten der Stadt, die Idee eines stadtweiten Festivals geboren, bei dem Universitäten, Non Profits, kommerzielle Unternehmen oder Vereine sich vernetzen und Veranstaltungen anbieten können.
derStandard.at: Zum Abschluss noch eine Frage: Welchen Wunsch haben sie an die Politik?
Davies: Es ist wirklich schwer, in den USA zu wählen. Es ist einfach nicht so bequem wie das restliche Leben. Wählen ist noch wie vor dreißig Jahren, aber das Leben funktioniert heutzutage einfach nicht mehr so. Ein gutes Beispiel ist der Hurrikan Sandy, der Teile der Stadt und somit auch viele Wahllokale geflutet hat. Anstatt umständlich Zelte aufzubauen, oder vorab stundenlang Wahllokale suchen zu müssen, könnte man die Wahl über die persönliche Sicherheit des Computers erledigen. Ich glaube das ist eine große Chance für die Politik, auch wenn es bezüglich Sicherheitsvorkehrungen und möglicher Manipulation noch einiges zu tun gibt. (Tatjana Rauth, derStandard.at, 8.11.2012)
Info
Die "Webby Awards" finden im Frühjahr 2013 bereits zum 16. Mal statt. Projekte in den Kategorien Websites, Interactive Advertising & Media, Online Film & Video, Mobile & Apps sowie Social können bis 21. Dezember 2012 auf der Webseite webbyawards.com eingereicht werden. Eine prominent besetzte Jury, der unter anderen David Bowie, Arianna Huffington, Biz Stone und Richard Branson angehören, wählt die Gewinner. Im vergangenen Jahr buhlten 10.000 Einreichungen aus 60 Ländern um die begehrten Web-Auszeichnungen.
Termine der "Webby"-Europatour
Drei Monate Betreuung durch Profis und eine 25.000 Euro Anschubförderung
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