Ermittlungsverfahren gegen Ex-Sozialistenchefin Aubry

Vorwurf der fahrlässigen Tötung - Französische Justiz arbeitet Asbest-Vergangenheit auf

Paris - Gegen die frühere französische Arbeitsministerin Martine Aubry wird im Zusammenhang mit Asbest-verseuchten Arbeitsplätzen ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung eingeleitet. Das ist das Ergebnis von Aubrys Befragung durch die Untersuchungsrichterin Marie-Odile Bertella-Geffroy am Dienstag in Paris. Die Befragung dauerte siebeneinhalb Stunden, wie Aubry am Abend weiter mitteilte.

Aubry war von 1984 bis 1987 als leitende Beamtin im Arbeitsministerium, an dessen Spitze sie später stand, unter anderem für die Sicherheit am Arbeitsplatz zuständig. Die französische Justiz prüft derzeit den Umgang der Behörden mit Asbest.

Obwohl seit den 1950er Jahren bekannt ist, dass Asbest-Teilchen Lungenkrebs auslösen können, wurde der Umgang mit diesem Werkstoff - der beispielsweise zur Isolierung von Gebäuden eingesetzt wurde - in Frankreich erst 1977 reglementiert. Erst damals erließ die französische Regierung ein Asbestverbot. Wissenschaftlern zufolge sind zwischen zehn und 20 Prozent der Lungenkrebserkrankungen in Frankreich auf den Kontakt mit Asbest zurückzuführen.

Aubry war Mitte September von ihrem Amt als Vorsitzende der Sozialistischen Partei (PS) zurückgetreten. Ihre Amtszeit wäre ohnehin zum Parteitag Ende Oktober in Toulouse ausgelaufen, auf dem ihr Nachfolger Harlem Desir offiziell in sein Amt eingeführt wurde. In einer Stellungnahme ihrer Anwälte beteuerte Aubry vergangene Woche, sich im Arbeitsministerium stets für den Schutz der Beschäftigten eingesetzt zu haben. Sie kündigte zugleich an, ein mögliches Ermittlungsverfahren gegen sie vor Gericht anfechten zu wollen.

Ihr Nachfolger als PS-Chef kritisierte die Vorladung Aubrys. Der Vorgang sei "schockierend und nicht nachvollziehbar", erklärte Desir. (APA, 6.11.2012)

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