Stumpfe Worte für spitze Keulen

Die 13. Nestroy-Gala war eine biedere Show, bei der das Theater den Rückzug antrat

Wien - Die 13. Nestroy-Gala am Montagabend im Museumsquartier wird als technisch perfekteste, aber zugleich als eine der biedersten in der Geschichte des Wiener Theaterpreises in Erinnerung bleiben. Volksoperndirektor Robert Meyer gab einen geölten Moderator, der streng seinem (dünnen) Buch folgte (Autor und Regisseur: Norman Weichselbaum).

Belebende Schaustücke aus vergangenen Jahren, wie sie etwa noch das Theater im Bahnhof oder der Circus Roncalli geboten hatten, fehlten. Stattdessen hat man im 150. Todesjahr Nestroys auf kleine Zwischenspiele mit Puppen gesetzt, die gut versteckt am Rand der Bühnendekoration jeweils ihre Köpfe zu arg pointenlosen Kürzestdialogen zusammensteckten. Dabei kann es Puppenspieler Nikolaus Habjan besser; er hat am selben Abend für das Schuberttheater auch den Preis für die beste Off-Produktion zugesprochen bekommen ("F. Zawrel").

Zu danken war einer Dankesrede: Joachim Meyerhoff, der für seinen Erek in Vinterbergs "Die Kommune" zum besten Schauspieler gekürt wurde, wirkte wie ein Vademecum in einer Show, die über das Theater der Gegenwart nichts zu sagen wusste. Der Burgschauspieler verlinkte den patriarchalen Charakter seiner Bühnenrolle mit dem nunmehrigen Besitz der spitzen Nestroy-Keule. Ein Segen in einer Flut meist ratloser Siegergesichter. Darunter waren: Dörte Lyssewski (beste Schauspielerin), Stephanie Mohr (beste Regie), Maria Bill (beste Nebenrolle), Milos Solic (bester Nachwuchs), die Garage X (Spezialpreis) und Stefan Bachmann (beste Aufführung für "Winterreise").

Ein Gedanke pro immerhin eine Minute Fernsehzeit wäre erfreulich. Olaf Altmann (beste Ausstattung) ließ seine Worte verlesen. Auch Achim Benning musste fernbleiben, und so erhielt Karlheinz Hackl dessen schöne Würdigungsrede zum Lebenswerkpreis von Regina Fritsch überbracht. Hackls langjähriger Bühnenpartner Heinz Marecek schloss sich mit Anekdoten an.

Eine der am öftesten nominierten Produktionen, "Geister in Princeton" am Grazer Schauspielhaus, trug das Siegel "beste Bundesländer-Aufführung" davon. Regisseurin/Intendantin Anna Badora und Autor Daniel Kehlmann dankten einander dann gegenseitig. Letzterer wurde bekanntlich auch als " bester Autor" geehrt. Verweisend auf das Kehlmann-Bashing infolge seiner umstrittenen Salzburg-Rede 2009 hielt er seine Ansprache diesmal provokant kurz. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 7.11.2012)

  • Großer Erfolg, kurze Rede: "Bester Autor" Daniel Kehlmann.
    foto: apa/georg hochmuth

    Großer Erfolg, kurze Rede: "Bester Autor" Daniel Kehlmann.

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