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Großer Erfolg, kurze Rede: "Bester Autor" Daniel Kehlmann.
Wien - Die 13. Nestroy-Gala am Montagabend im Museumsquartier wird als technisch perfekteste, aber zugleich als eine der biedersten in der Geschichte des Wiener Theaterpreises in Erinnerung bleiben. Volksoperndirektor Robert Meyer gab einen geölten Moderator, der streng seinem (dünnen) Buch folgte (Autor und Regisseur: Norman Weichselbaum).
Belebende Schaustücke aus vergangenen Jahren, wie sie etwa noch das Theater im Bahnhof oder der Circus Roncalli geboten hatten, fehlten. Stattdessen hat man im 150. Todesjahr Nestroys auf kleine Zwischenspiele mit Puppen gesetzt, die gut versteckt am Rand der Bühnendekoration jeweils ihre Köpfe zu arg pointenlosen Kürzestdialogen zusammensteckten. Dabei kann es Puppenspieler Nikolaus Habjan besser; er hat am selben Abend für das Schuberttheater auch den Preis für die beste Off-Produktion zugesprochen bekommen ("F. Zawrel").
Zu danken war einer Dankesrede: Joachim Meyerhoff, der für seinen Erek in Vinterbergs "Die Kommune" zum besten Schauspieler gekürt wurde, wirkte wie ein Vademecum in einer Show, die über das Theater der Gegenwart nichts zu sagen wusste. Der Burgschauspieler verlinkte den patriarchalen Charakter seiner Bühnenrolle mit dem nunmehrigen Besitz der spitzen Nestroy-Keule. Ein Segen in einer Flut meist ratloser Siegergesichter. Darunter waren: Dörte Lyssewski (beste Schauspielerin), Stephanie Mohr (beste Regie), Maria Bill (beste Nebenrolle), Milos Solic (bester Nachwuchs), die Garage X (Spezialpreis) und Stefan Bachmann (beste Aufführung für "Winterreise").
Ein Gedanke pro immerhin eine Minute Fernsehzeit wäre erfreulich. Olaf Altmann (beste Ausstattung) ließ seine Worte verlesen. Auch Achim Benning musste fernbleiben, und so erhielt Karlheinz Hackl dessen schöne Würdigungsrede zum Lebenswerkpreis von Regina Fritsch überbracht. Hackls langjähriger Bühnenpartner Heinz Marecek schloss sich mit Anekdoten an.
Eine der am öftesten nominierten Produktionen, "Geister in Princeton" am Grazer Schauspielhaus, trug das Siegel "beste Bundesländer-Aufführung" davon. Regisseurin/Intendantin Anna Badora und Autor Daniel Kehlmann dankten einander dann gegenseitig. Letzterer wurde bekanntlich auch als " bester Autor" geehrt. Verweisend auf das Kehlmann-Bashing infolge seiner umstrittenen Salzburg-Rede 2009 hielt er seine Ansprache diesmal provokant kurz. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 7.11.2012)
Nachlese (mit Postings)
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Der neue Boulevard unter Hartmann an der Burg, die Josefstadt, die den Spielplan Paymanns von vor 15 Jahren abspielt, das ratlose Volkstheater und die zahnlosen Mittelbühnen... wo soll dann eine spritzige Gala herkommen??? Und: wann wurde bei der Nestroygala das letzte Mal von ---- ja, Theater! - gesprochen??? Die Preisträger danken doch nur denen, von denen sie nächstes Jahr engagiert werden wollen... aber wer spricht über das Theater??? Und wer hätte da auch etwas zu sagen??? Es ist Fernsehen! Uninspiriertes Fernsehen!
...aber auch nicht Meyerhoffs interner Scherz, sondern höchstens Nicolas Stemans Rede gegen Peter Turrinis letzjährige Nestroy-Rede die er anlässlich des Anti-Nestroy für die GARAGE X gesprochen hat. Aktuell nacbzulesen im PROFIL...
ich stimme auch völlig zu. erst seit ich in deutschland wohne begreife ich wie teif der morast in wien ist. das soll keine polemik sein und keine arroganz. aber kein anderes urteil konnte ich mir bilden. wenn man sich ansieht, was für ein programm das hebbel am ufer in berlin auf die beine stellt, was das festival impulse zu bieten hat oder wie karin baier in köln klassiker inszeniert, sieht man was theater alles sein kann. oder besser: was auf einer bühne alles passieren kann (und wie wurscht der begriff theater eigentlich ist). ps: die festwochen ausgenommen!
daß sich das die österreichischen Theaterkritiker gefallen lassen, was ihnen da geboten wird. Die Staatsoper macht schon wieder Barockopern, was dort einfach nicht funktioniert, das Burgtheater glattes Hartmann-Theater, etc... es fehlt an Querdenkern, Leuten, die sich mit dieser Stadt auseinandersetzen, die radikal an den Theaterbegriff herangehen... und die heimischen Politiker, die an den Entscheidungpositionen sitzen, diese Posten zu besetzen, scheinen nicht dazu in der Lage zu sein, Menschen zu finden und zu bestellen, die Theater als etwas anderes als als Spielwiese ihrer persönlichen Eitelkeit zu sehen. Warum protestiert da niemand nachhaltig?
Mein Verdacht wäre, dass Österreich zu klein ist und alle irgendwie miteinander verbandelt sind; da traut sich aus Angst, im kulturgesellschaftlichen Aus zu landen, keiner, mit wirklich kritischen Fragen aus dem Rahmen zu fallen.
Zum anderen dürfte ein Gross des (Wiener) Kulturpublikums durchaus zufrieden mit dem status quo sein bzw. aus Selbstzufriedenheit einfach des größeren Blickwinkels ermangeln.
Dass ein Reinfall wie Hartmanns "Was ihr wollt"-Inszenierung hierzulande (auch von den hiesigen Kritikern!) als großes Theater gefeiert wird, sagt doch im Grunde alles über die gegenwärtige Erwartungshaltung.
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