Viel Speck im griechischen Pensionssystem

6. November 2012, 18:51
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Global höchstes Niveau - 4,8 Milliarden Einsparungen

Wien - Die neuerlichen Kürzungen bei den Pensionen in Griechenland mit einem Volumen von 4,8 Milliarden Euro mögen für die Betroffenen äußerst schmerzhaft sein, allerdings zählte das System bisher zu den üppigsten weltweit. So merkte die OECD an, dass nach 35 Erwerbsjahren bereits der volle Rentenanspruch erworben wird. Es gibt also keine Abschläge für Frühpensionisten. Auch in einem anderen Punkt war Griechenland bis dato Weltmeister. Pensionisten kommen netto auf 111 Prozent des Aktiveinkommen, stehen also besser da als Erwerbstätige. Zum Vergleich: In Österreich liegt die sogenannte Netto-Ersatzrate beim Medianeinkommen bei 90 Prozent, im OECD-Durchschnitt bei 69 Prozent.

Verursacht wird das hohe Niveau durch ein eng an die Bezüge im Erwerbsleben angelehntes System. Schon die Brutto-Pensionen entsprechen fast den Aktiveinkommen, durch den Wegfall von Steuern und Sozialabgaben steigen nach Eintritt in den Ruhestand die Nettoverdienste. Da es de facto keine Umverteilung gibt, sind die unteren Pensionen gering, die Armutsrate in der Gruppe der Über-65-Jährigen liegt in Griechenland bei 22,7 Prozent (OECD: 13,5 Prozent).

Die OECD-Untersuchung stammt allerdings aus dem Vorjahr, seither sind auf Druck der Troika mehrere Kürzungen vorgenommen worden. Aus gutem Grund: Ohne Eingriffe würden sich die Pensionskosten bis 2050 auf 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verdoppeln. Damit würde das Land Italien und Österreich, die derzeit noch mehr als Griechenland für Renten ausgeben, weit hinter sich lassen.

Der Währungsfonds erläuterte in seinem jüngsten Bericht, dass die bisherigen Einschnitte die Dynamik zwar bremsten, die Pensionskosten bis 2015 aber immer noch um 0,6 Prozent des BIP stärker steigen als im EU-Durchschnitt. Daher die neuerlichen Kürzungen: Renten ab 1000 Euro werden um fünf bis 15 Prozent gesenkt. Das Weihnachtsgeld für Pensionisten, das bereits von einem Monatsbezug auf 400 Euro gedrückt wurde, wird nun ganz gestrichen. (as, DER STANDARD, 7.11.2012)

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