ORF-Protest: Befremdliche Zwischentöne

Kommentar |

Der Tonfall, in dem gegen einen Kollegen zu Felde gezogen wird, ist befremdlich

Eines vorweg: Es ist unterstützenswert, dass die Redakteure der ORF-Radio-Information um ihre Unabhängigkeit besorgt sind. Im Falle der Neubestellung des Radio-Innenpolitik-Chefs scheint es aber, als würden Rechnungen mit dem Radiodirektor beglichen - auf Kosten eines Kandidaten. Das ist, gelinde gesagt, unschön.

Die Redakteure sagen, dass der Kandidat, den der Radiodirektor will, sachlich nicht qualifiziert sei. Gleichzeitig wird lanciert, dass vor der Nationalratswahl wohl ein "Roter hineingedrückt" werden solle - worauf die Redakteure in ihrer Resolution wiederum indirekt Bezug nehmen.

Obwohl sie betonen, es gehe ihnen nicht um "Einzelpersonen": Genau so sieht es leider aus. Dass sich der Mann seit Jahren in einem Führungsjob bewährt, wird übergangen. Dass er bisher nie als Erfüllungsgehilfe begehrlicher Politiker auffällig geworden ist, kommt nicht zur Sprache.

Aufbegehren ist überlebensnotwendig, wenn Informations- und Meinungsfreiheit auf dem Spiel stehen. Auch das Misstrauen der Redakteure gegen den Bestellmodus ist, aus Erfahrung, berechtigt. Aber der Tonfall, in dem gegen einen Kollegen zu Felde gezogen wird, ist befremdlich. Denn für Außenstehende ergibt das ein grobes Bild von ORF-Journalistenmarionetten, die politisch "rot" oder "schwarz" ticken - je nachdem aus welchem Landesstudio sie kommen oder welcher Abteilung sie angehören. Dieses Bild ist falsch - und schadet letztlich allen. (Petra Stuiber, DER STANDARD, 7.11.2012)

Share if you care