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vergrößern 645x860Fotograf Bela Borsodi und Stylistin Sabina Schreder sind der Liaison von Kunst und Mode bildlich nachgegangen:
Collage unter Zuhilfenahme eines Motivs von Francisco de Goya. Cape von Moschino, Strümpfe Agent Provocateur, High Heels Maison Martin Margiela. Unterwäsche Eres, Hut Skaist Taylor.
vergrößern 645x455Interpretation eines Bildes von Tadanori Yokoo. Ledertop und Handschuhe von Alexander Wang, Söckchen Falke, Schuhe Giorgio Armani. (Foto: Bela Borsodi / Styling: Sabina Schreder)
vergrößern 645x860Angelehnt an ein Bild von Mark Kostabi. Jumpsuit von Marni. (Foto: Bela Borsodi / Styling: Sabina Schreder)
Am Ende von Robert Altmanns Modesatire Prêt-à-Porter gibt es eine Szene, da feiert sich die Mode, wie sie sich noch nie gefeiert hat. Und das, obwohl sie sich Momente zuvor gerade selbst abgeschafft hat. Würdevoll und mit gesetzten Schritten war eine Reihe von Models über den Laufsteg geschritten, doch am Leib trugen sie - nichts.
Statt Kleider zeigten sie ihre Körper, statt einer neuen Kollektion führten sie eine Leerstelle vor: Das Ende der Mode. Denkt man heute über das Verhältnis von Mode und Kunst nach, ist es vielleicht ganz gut, sich Robert Altmanns Film aus dem Jahre 1994 in Erinnerung zu rufen. Er zeigt einen um sich selbst drehenden Kosmos, der danach lechzt, aus der Bahn geworfen zu werden. Wenn schon nicht das Rad, dann soll zumindest der Rock jede Saison neu erfunden werden. So etwas wie Mehrwert bleibt dabei auf der Strecke.
In der Welt der Kunst ist dieser dagegen der Einsatz, ohne den gar nichts geht. Kein Wunder, dass die Mode, seitdem es sie in der heutigen Form gibt, also seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, auf die Kunst wie auf einen Rettungsanker schielt. Wenn man schon selbst nicht als Kunst angesehen wird, dann traut man ihr zumindest zu, dem eigenen Dasein ein klein wenig mehr Sinn zu verleihen - ein klein wenig mehr Glanz. Davon kriegt die Mode nie genug.
Die Liaison von Mode und Kunst hat denn in den vergangenen 150 Jahren viele Stationen zurückgelegt. Manchmal rückten die beiden ganz eng zusammen und schufen gemeinsam etwas Neues. Im Falle von Salvador Dalí und Elsa Schiaparelli war das zum Beispiel so. Manchmal benutzte der eine aber auch nur den anderen, um sich selbst in einem besseren Licht zu präsentieren - oder dem anderen eins auszuwischen. Da war man sich dann zumindest des Applauses in den eigenen Reihen sicher. So wirklich zusammen kamen die beiden Kontrahenten aber selten.
Dass ist bis heute so, wie zuletzt eine Ausstellung zu Mode und Kunst im Wiener Museum für moderne Kunst deutlich machte. Die Gräben zwischen den beiden Sparten sind einfach zu tief. Wobei damit weniger die inhaltlichen als die strukturellen gemeint sind. Während sich die Mode in einem Geschäftskorsett befindet, das, wenn es einmal aufgeschnürt würde, sofort zu einer finanziellen Bedrohung der eigenen Grundlagen führen würde, behauptet die Kunst ihre Autonomie nicht nur in inhaltlicher als auch in finanzieller Hinsicht - zumindest in der Theorie.
In der Praxis hat das zur Herausbildung zweier unvereinbarer ökonomischer Felder geführt, die, anstatt sich aufeinander zuzubewegen, immer weiter voneinander wegdriften. Ein Charles Frederick Worth konnte sich zu Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur als der Erfinder der Couture, sondern auch ungestraft als Künstler feiern. Heute ist das undenkbar. Selbst jemand wie Hussein Chalayan oder Martin Margiela (siehe auch Artikel Seite 12), die das Universum der Kunst besonders beharrlich umkreisen, werden sich kaum je Künstler nennen. Ja, die meisten Couturiers weisen eine Nähe zur Kunst sogar strikt von sich. Hat die Kunst wirklich einmal einen großen Auftritt in den Gefilden der Mode, dann ist das heute in den meisten Fällen dem Marketing geschuldet.
Nirgends lässt sich das so gut veranschaulichen wie bei Louis Vuitton. Musste dessen Kreativdirektor 2001 noch intern gewaltige Kämpfe ausfechten, als er mit dem Graffitikünstler Stephen Sprouse eine Taschenkollektion designte, verhält es sich heute gerade umgekehrt. Jede Kooperation mit einem Künstler bringt Vuitton nicht nur Glanz, sondern auch eine ganze Menge Geld. Das haben auch die Marketingabteilungen anderer Modekonzerne verstanden. Die Paarung mit der Kunst macht aus einer Badelatsche einen goldenen Stiletto.
Justament zu einer Zeit, in der sich Mode und Kunst also immer weiter voneinander entfernen, demonstrieren sie wie in einer Art Trotzreaktion ihre Verbundenheit. Auf der Seite der Kunst ist die Zeit, als es schick war, sich mit Mode zu beschäftigen, schon länger vorbei. Und auch auf der Seite der Mode gibt es kaum noch Designer, für die der Entwurf einer neuen Kollektion ein künstlerisches Unterfangen ist. Die großen Konzeptmodemacher der 1980er- und 1990er sind in der Hintergrund getreten, das Sagen haben jetzt Konzerne, für die Kunst weniger zum Erkenntnisgewinn als zur Umsatzsteigerung dient.
Altmans Prêt-à-Porter-Film hat übrigens genau das vorweggenommen. Die Parade der Nackten, die viel eher eine Kunstaktion als eine Modeschau war, bescherte dem Modehaus so viel Aufmerksamkeit wie noch nie. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 9.11.2012)
Haare: Pasquale Ferrante (Ion Studio)
Make-up: Angie Parker (Nars)
Models: Anais Pouliot & Maria Palm (Trump Models)
Fotoassistent: David Rosenzweig
Stylingassistent: Natasha Devereux & Mia Fernandez Haarassistent: Marcos Diaz
Location: Sunset Studios
Postproduction: Lutz+Schmitt; Zuerst erschienen in Document 1 - Herbst/Winter 2012/13 (www.documentjournal.com)
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