Honigbrot ohne Butter

8. November 2012, 17:03
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Fettige Trennschicht zwischen Bauernbrot und Honig oder die vollendete Verbindung zwischen Brot und Honig?

Pro: Schmierage
Von Benno Zelsacher

Butter, sagt die Dorli, die man nicht unterschätzen sollte, wird überschätzt. Dem kann man nur beipflichten. Nicht im Allgemeinen, sondern im Besonderen. Denn wenn sie, die prinzipiell geschätzte Butter, sich als fettige Trennschicht zwischen Bauernbrot und Honig drängt, dann ist sie fehl am Platz. Angeblich macht sie sogar dick.

Das Aushorchen der Umgebung lieferte zwar das bedrückende Ergebnis, dass man mit dieser Meinung nahezu allein dasteht mit der Dorli, aber über Geschmäcker lässt sich halt doch streiten. Abgesehen davon ist man kein großer Freund des Honigbrots, isst Brot gern solo, mit Butter oder in gerösteter Form in der Suppe, taucht Parmesanschnitzel gern in Honig. Kalte Butterflocken sind dazu geeignet, Saucen zu montieren, gebräunte Butter wird von den gezuckerten Semmelbröseln, die das Powidltascherl schmücken, zurecht gierig aufgesogen. Vor zwei Tagen übrigens hat man erstmals ein Honigbrot ohne Schmierage verkostet. Echt okay. Da könnte man doch glatt zum Honigbrotesser werden.

Kontra: Vollendete Verbindung
Von Birgit Baumann

Eigentlich könnte man sich an dieser Stelle jegliches Argumentieren ersparen. Honig und Brot, ganz ohne Butter? Geht überhaupt nicht. Nur Brot und Honig zu essen, das ist wie sockenlose Füße in geschlossenen Schuhen, wie Blumen in einer Vase ohne Wasser, wie schmutzige Wäsche ohne Waschpulver in der Waschmaschine.

Ohne Butter fehlt was. Die Butter ist die vollendete Verbindung zwischen Brot und Honig, das unaufdringliche Schmiermittel zwischen den beiden Hauptdarstellern. Die Butter selbst will nicht gefallen, aber sie rückt den Brotbelag ins rechte Geschmackslicht.

Das gilt genauso für Wurst und Brot sowie Marmelade und Brot. Ohne Butter schmeckt erstens das Brot trocken, und zweitens zeugt die Absenz von Butter von einer gewissen Grobklotzigkeit. Wir pappen ja auch die Kartoffeln nicht einfach aufs Fleisch und packen den Salat obendrauf, sondern wir verbinden das Ganze mit Soße und Vinaigrette. Es gibt nur eine Entschuldigung, wenn mal keine Butter im Haus ist: Dann nimmt man eben Margarine. (Rondo, DER STANDARD, 9.11.2012)

 

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    Nur Brot und Honig zu essen, das ist wie sockenlose Füße in geschlossenen Schuhen, wie Blumen in einer Vase ohne Wasser, wie schmutzige Wäsche ohne Waschpulver in der Waschmaschine.

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