Lehrer fordern "Modellregion" von Landesrätin

6. November 2012, 17:56
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Personalentscheidungen erledigt Vorarlbergs Landeshauptmann im Eiltempo - Die neue Landesrätin gilt als durchschlagskräftig

Bregenz - Sie ist die Größte im Landhaus. Bernadette Mennels äußere Erscheinung, - mit ihren 180 Zentimetern überragt sie so manche politische Größe -, sei bisher das einzig Auffallende an der Politikern, feixen Lehrergewerkschafter. Die 53-jährige Bregenzerin, seit Montagabend desi gnierte Landesrätin für Schule, Sport und Legistik, weckt trotz ihrer VP-Zugehörigkeit Hoffnung bei den Lehrerinnen und Lehrern. Durch den Rücktritt des langjährigen Schullandesrats Siegi Stemer habe sich ein Fenster für eine" neue, zukunftsgerichtete Bildungspolitik geöffnet", schreibt die Unabhängige Bildungsgewerkschaft in einer Aussendung. Und sie wünscht sich von Mennel eine Modellregion zur Umsetzung der gemeinsamen Schule für Sechs- bis 15-Jährige - und außerdem Transparenz und ein neues Dienstrecht.

Sie sei sich der hohen Erwartungen bewusst, sagt Bernadette Mennel im Gespräch mit dem Standard, "das ist ja durchaus legitim". Inhaltliches zur Schulpolitik ist der früheren Lehrerin - sie unterrichtete Rechtskunde, Volkswirtschaftslehre, politische Bildung -, aber nicht zu entlocken. An Überlegungen fehle es nicht, "aber solange ich nicht gewählt bin, äußere ich mich nicht zu meinen Absichten als Landesrätin, das gebietet der Respekt vor dem Landtag".

Drei Jahre war die Juristin Landtagspräsidentin. Die Demokratiereform habe sie auf Schiene gebracht, sagt sie nicht ohne Stolz, und 150 Jahre Landtag wurde mit einer Wanderausstellung und Vorträgen gefeiert - ein Volksbildungsprojekt sozusagen. "Wir sind hinausgegangen in die Regionen. Das hat kein anderes Bundesland gemacht." Die Repräsentanz des Landtags bleibt weiter weiblich: Auf Mennel wird bei der nächsten Sitzung am 14. November die bisherige Vizepräsidentin Gabriele Nussbaumer folgen.

Bernadette Mennel ist die dritte Frau in der siebenköpfigen Landesregierung, so hoch war der Frauenanteil, seit 1990 mit Elisabeth Gehrer die erste Frau die Männerdomäne eroberte, noch nie. "Erfreulich, oder?", sagt Mennel dazu lakonisch. Es sei ein Signal, "Frauen stellen ihre Frau, wenn sie die Chance dazu bekommen". Der Wechsel in der Regierung wurde notwendig, weil Mennels Vorgänger Siegi Stemer über Machenschaften in der Sportservice GmbH, einer Firma des Landes, die er zu kontrollieren hatte, stolperte.

Einiges aufzuräumen

Die Causa Sportservice liegt bei der Staatsanwaltschaft und ist Thema beim Kontrollausschuss des Landtags am Mittwoch. Landeshauptmann Markus Wallner hat mit dem großen Aufräumen in der Firma begonnen. Die Geschäftsführung wird neu ausgeschrieben, der Aufsichtsrat neu besetzt.

Mennel wird das Sportressort unvoreingenommen angehen. Sie gehöre weder einem Sportverein an, noch habe sie außer Bergwandern mit ihrem Mann (einem ORF-Redakteur) sportliche Präferenzen. Den Jagdsport, der in der Familie Mennel Tradition hat, betreibe sie nur noch als Begleiterin ihrer Brüder. "Wegen dem Naturgenuss, nicht wegen der Jagd." Fürs Jagen bleibe einfach keine Zeit. "Das bisschen Freizeit verbringe ich lieber mit meinem Mann, und der ist kein Jäger."

Wie für die Schule gilt auch für das Sportressort: Ideen dazu gibt es, öffentlich machen will sie Mennel erst nach ihrer Wahl. Die Frage, ob sie sich von ihrem Bruder Peter Mennel, Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), beraten lassen wird, macht die künftige Landesrätin, sonst selten um Worte ringend, fast sprachlos: "Also darüber hab ich wirklich noch nicht nachgedacht." (Jutta Berger, DER STANDARD, 7.11.2012)

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