Türkei wirft Europäern "Umerziehung muslimischer Kinder" vor

Vize-Premier spricht von "großem Drama"

Ankara/Brüssel/Berlin - Die türkische Regierung hat europäischen Ländern vorgeworfen, tausende muslimische Kinder aus türkischen Familien christlichen Eltern anvertraut und damit umerzogen zu haben. Rund 4.000 türkische Kinder aus muslimischen Familien seien christlichen Familien gegeben worden, sagte Vizepremier Bekir Bozdag nach einem Bericht der Internetausgabe der Zeitung "Hürriyet" am Dienstag in Ankara.

Die Kinder stammten aus zerrütteten Ehen oder seien ihren Eltern aus anderen Gründen weggenommen worden. "Wir stehen vor einem großen Drama, einer großen Assimilierung", sagte der stellvertretende Regierungschef nach dem Bericht. Die Türkei wolle, dass betroffene türkische Kinder in türkischen Familien ein neues Heim finden könnten.

Laut "Hürriyet" äußerte sich Bozdag im Haushaltsausschuss des türkischen Parlamentes während Beratungen über den Etat des staatlichen türkischen Religionsamtes. Der Vizepremier habe nicht gesagt, wie viele Kinder in welchen Ländern christlichen Eltern übergeben würden und wie der Entzug der Sorgerechte der muslimischen Familien begründet wurde.

Die Türkei beklagt regelmäßig, dass Behörden in Deutschland und anderen europäische Länder versuchen, die türkisch-muslimischen Gemeinden dort zur Aufgabe ihrer kulturellen Wurzeln zu bewegen und zu assimilieren. Vor vier Jahren löste Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan einen Aufschrei der Empörung in Deutschland aus, indem er in einer Rede in Köln vor einer Assimilierung der Türken in der Bundesrepublik warnte und diese als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" geißelte. (APA, 6.11.2012)

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