Homo floresiensis darf nicht "Hobbit" genannt werden

6. November 2012, 19:13

Middle-earth Enterprises spricht Machtwort: Neuseeländischer Professor musste den Titel eines anthropologischen Vortrags ändern

Wellington - Vielleicht hätte das Tolkien Estate die Sache gelassener gesehen, doch J. R. R. Tolkiens Erben wurden gar nicht erst gefragt. Sie sind nämlich nicht im Besitz der Rechte, auf die es ankommt: Neben Merchandising- und Filmrechten gehören auch die Rechte an den Titeln der Tolkien-Bücher sowie den darin vorkommenden Namen und Ausdrücken dem US-amerikanischen Unternehmen Middle-earth Enterprises. Und das wahrt seinen Besitz wie der Drache Smaug seinen Goldschatz.

Diese Erfahrung musste nun auch ein Professor an der neuseeländischen Victoria University machen, wie der "Guardian" berichtete. Brent Alloway wollte in Wellington einen Vortrag mit dem Titel "Der andere Hobbit" organisieren. Gemeint war in diesem Fall der Homo floresiensis, dessen fossile Überreste 2003 auf der indonesischen Insel Flores entdeckt worden waren. Es war die anthropologische Sensation des neuen Jahrtausends: Niemand hatte damit gerechnet, dass es bis vor vielleicht 18.000 Jahren noch eine zweite Menschenart auf der Erde gegeben haben könnte - auch nach dem Aussterben des Neandertalers waren wir also entgegen allen Erwartungen noch nicht allein.

Nur weil es alle tun ...

2003 stand die Unterhaltungsbranche noch ganz im Zeichen von Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Verfilmung. Die Tolkien-Figuren hatten den Sprung von der Fantasy-Fangemeinde ins allgemeine popkulturelle Bewusstsein vollzogen - und weil die Vertreter des Homo floresiensis ganz wie Tolkiens "Halblinge" nur etwa einen Meter groß wurden, bürgerte sich für sie rasch der Spitzname "Hobbits" ein. Der wurde in medialen ebenso wie in wissenschaftlichen Diskursen verwendet, und so griff auch Alloway bei der Planung seines Vortrags auf ihn zurück. Zwei der "Hobbit"-Entdecker, Mike Morwood und Thomas Sutikna, wurden eingeladen, um den aktuellen Forschungsstand über unseren kleinwüchsigen Verwandten zu präsentieren.

Alloway räumt ein, dass die Veranstaltung nicht zufällig in zeitlicher Nähe zur anstehenden "Hobbit"-Filmpremiere angesetzt war, dennoch hatte er keine namensrechtlichen Bedenken: "Ich bin da etwas naiv hineingeraten." Die Rechtsabteilung von Middle-earth Enterprises hat ihm diese Naivität rasch ausgetrieben. Alloways Anfrage auf Verwendung des Titels "Der andere Hobbit" wurde strikt abgelehnt. Und auch wenn Alloway darauf hinweist, dass der Homo floresiensis weltweit als "Hobbit" bezeichnet wird, wollte er sich auf keinen Rechtsstreit einlassen. Der Vortrag findet nun unter dem akademischer klingenden Titel "Eine neuentdeckte Spezies kleiner Menschen - Auflösung der Legende vom Homo floresiensis" statt. (red, derStandard.at, 6. 11. 2012)

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Wie ist das jetzt? In der politisch korrekten Wikipedia steht:

"Molekularbiologische und populationsgenetische Forschungen haben seit den 1970er Jahren gezeigt, dass eine systematische Unterteilung der Menschen in Unterarten ihrer enormen Vielfalt und den fließenden Übergängen zwischen geographischen Populationen nicht gerecht wird. Zudem wurde herausgefunden, dass der größte Teil genetischer Unterschiede beim Menschen innerhalb einer geographischen Population zu finden ist.[13] Die Einteilung des Menschen in Rassen entspricht damit nicht mehr dem Stand der Wissenschaft."

Warum darf man dann homo floresiensis sagen und schreiben?

Die Einteilung des Menschen (=homo sapiens) in Rassen entspricht damit nicht dem Stand der Wissenschaft.

Gegen die Einteilung der Gattung Homo in verschiedene Arten spricht absolut gar nichts.

Ah eh net!

Handelt sich offenbar um einen Fortschritt in der Nomenklatur.

Statt Rasse eben Art - na dann!

Homo sapiens kann nicht mehr in Rassen/Arten/wasauchimmer eingeteilt werden.

Die Gattung Homo schließt mehrere Arten/Rassen ein, eine davon ist Homo sapiens und die anderen sind ausgestorben.

Das ist eigentlich nicht so schwer zu verstehen - außer man hat ideologische Gründe, es nicht verstehen zu wollen.

Ihren Worten zufolge scheint es sich folgendermaßen zu verhalten

Heutzutage gibt es nur mehr Homo sapiens, Rassen gab es nur in der Vergangenheit oder so!

Die Pygmäen sind keine eigene Rasse oder Art - wenn sie vor 10000 Jahren ausgestorben wären, dann wären sie vielleicht eine.

Es ist ganz einfach.

Um gewisse Menschengruppen als minderwertig anzusehen, werden Sie sich eine andere Rechtfertigung suchen müssen - die Biologie hilft Ihnen da leider nicht.

Wie kommen Sie eigentlich auf die grenwertig idiotische Idee,

ich hielte andere Menschengruppen für minderwertig.

Genau genommen ist ihr Geschreibe mit solchen unterschwelligen Unterstellungen eine Frechheit, aber bitte.

Genau... für den Trieb, die Menschheit zwanghaft in Rassen einteilen zu müssen gibt es ja außer stupidem Rassismus eine ganze Menge legitimer Gründe...

Verraten Sie uns doch den Ihren. :-)

Sie werden es vielleicht nicht glauben,

aber es sind die Wissenschaftler die das tun.

http://scholar.google.at/scholar?q... e&as_sdt=0

Das sind nämlich diejenigen, die die Realitäten zur Kenntnis nehmen und nicht in der Wikipedia-Traumwelt leben.

Mit irgendeinem "Trieb" hat das schon gar nichts zu tun, genauso wie es keines "Triebes" bedarf, um festzustellen, dass sich die Erde um die Sonne dreht.

Dann beschweren Sie sich doch bitte auch bei diesen Wissenschaftlern über den "Fortschritt in der Nomenklatur", wenn diese den Begriff "ethnic group" gleichbedeutend mit "race" verwenden.

Und fragen Sie sich einmal nach Ihrer eigenen Motivation, die Bewegung der Erde um die Sonne nicht genauso geifernd zu verteidigen wie die angebliche Existenz von Rassen.

Und fragen Sie sich auch einmal, was denn so schlimm daran ist, wenn Sie zusammen mit dem Rest der Menschheit zur gleichen Rasse gehören.

https://www.google.com/search?bt... p+vs.+race

Übrigens: ich verteidige auch die Bewegung der Erde um die Sonne gegenüber Leuten, die an die Hohlwelttheorie und die Welteislehre glauben.

möglichkeit:

art nach hobbit umbenennen, Homo hobbit!
da wissenschaftliche namen dann frei zitiert werden können wärs auch kein rechtliches problem mehr!

Durch den rechtsstreit hat er jedenfalls zigmal mehr werbung als wenn sich die firma

Ruhig verhalten hätte

geistiges eigentum gehört in jeder hinsicht abgeschafft

diese auswüchse der rechtehalter-industrie frustrieren nur noch

Na ja.

An sich ist der Schutz geistigen Eigentums ja keine schlechte Sache. Wer Zeit, Geld und Energie in die Entwicklung oder Erarbeitung von Entwürfen, Abläufen, Produkten und dergleichen investiert, soll auch ruhig davon profitieren dürfen, ohne dass ein Trittbrettfahrer seine Idee billig abkupfert und ohne Aufwand Geschäfte damit macht.

Ich gebe Ihnen allerdings unumwunden Recht, wenn Sie die aktuellen Auswüchse des MISSBRAUCHS des Begriffs "geistiges Eigentum" anprangern.

also ganz verstehe ich es ja nicht

denn hobbit oder halfling sind KEINE erfindung von tolkin:Tolkien betonte, dass der Name Hobbit ein spontaner Einfall und keine bewusste Konstruktion gewesen sei und schloss die Möglichkeit nicht aus, dass er in seiner Kindheit dem Wort begegnet sein könnte.
1977 wurde man auf einen Eintrag hobbit in einer Liste von Fabelwesen in The Denham Tracts, einer Sammlung englischer Folklore aus den 1890er Jahren, aufmerksam. Es gibt allerdings keinen Beweis dafür, dass Tolkien das Wort (bewusst oder unbewusst) aus dieser Liste bezogen haben könnte.

nachdem er englaender war wir er auch englische legenden und maerchen gehoert haben. auch wenn er sich nicht mehr an alle erinnert. wie eben auch das kleine volk (siehe irlands legenden)

Naja er wird die Legenden nicht nur gehört haben - die waren eigentlich sein Forschungsgebiet als Professor für altenglische Literatur in Oxford

bürgerte sich für sie rasch der Spitzname "Hobbits" ein

Daraus schließe ich allerdings sehr wohl, dass der Name "Hobbit" inzwischen eine generische Bezeichnung geworden ist.

Wie sieht es da aus, mit den "Namensrechten"? ;) - Ich meine, wenn ich sage, es soll nicht jemand so ein "Hans" sein, dann kann sich auch kein Hans über diese Bezeichnung aufregen!

doch, das geht...

eigentlich solltens ihm was zahlen da er damit ja indirekt werbung für den hobbit film macht.

Super Sinnvoll.

Ich glaub nämlich auch, dass der Professor versuchen wird damit auf Kosten des Konzerns Geld zu machen...(falls das jemand vergessen hat, das zu verhindern ist der eigentliche Sinn von Rechten auf Inhalte)

Die Rechteverwerter und ihre Armee aus Juristen, gehören ohne jeden Zweifel zu den grössten Zapfsäulen, Verhinderern, Angsthasen und Blockierern unserer Zeit.

Nicht nur dass sie machtbesessene Pfosten sind, nein, sie sind auch noch irrationale Pappnasen...denn der EINZIGE Effekt den diese Verwendung auf das Unternehmen hätte, wäre ein weiteres Bekanntwerden der Inhalten (Und das heisst übersetzt in Anwältisch: EINNAHMEN!)

Man kann nur hoffen, dass die Menschheit sich dieser Gestalten raschestmöglich entledigt.

O.K. Ich danke Ihnen für die empirische Erkundung der Spezies "Dumpfnasen", welche wir Homo Sapiensis ab jetzt - freilich mit den zivilisierten Mitteln öffentlicher Diskurse und demokratischer Willensbildungsprozesse, bzw. auch mit den Kräften des

Freien Marktes auf diesem Globus ihrer Ausrottung entgegen führen werden. Endlich haben damit meine archaischen, aber dennoch ziemlich lebendigen Genozid-Affekte ihr Ziel gefunden. Ich bitte hier alle User, gemeinsam mit mir noch weitere Merkmale dieser Spezies "Dumpfnasen" (oder man könnte auch noch eine andere Bezeichnung für sie finden) ausser den genannten (wie u.A. "machtbesessene Pfosten") zu suchen.

soll er diesen menschen halt in joda umbenennen. der war auch klein und barfüßig.

Vorsicht: Der gehört jetzt den Herrschaften von Disney...

selber fladern (vom sturluson) und die rechte sichern lassen, hamma scho gern.

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