Heftiges Gedränge auf der grünen Kandidatenliste

6. November 2012, 18:17
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Bei den Grünen gibt es ein Gerangel um die besten Listenplätze für die nächste Wahl - Gute Plätze sind knapp, ein "Promi-Sterben" ist absehbar

Wien - Im Zug von Wien nach Vorarlberg saßen Sigrid Maurer, Volker Plass, Marco Schreuder und Michel Reimon - allerdings getrennt, jeder in einem anderen Wagon. Die vier fuhren am Montag in den Westen, um sich dort den Delegierten zu stellen. Alle vier wollen für die Grünen auf der Bundesliste kandidieren, sie matchen sich um aussichtsreiche Plätze an vorderer Stelle.

Für die grüne Bundesliste herrscht reger Andrang - und ein Promi-Sterben beim Bundeskongress Anfang Dezember in Linz ist absehbar. Allein für den vierten Platz, der noch ein sicheres Mandat im Nationalrat garantiert, bewerben sich mindestens sieben Männer, die allesamt Chancen haben: Die derzeitigen Abgeordneten Peter Pilz, Karl Öllinger und Bruno Rossmann möchten verlängert werden, Michel Reimon will aus dem burgenländischen Landtag und Marco Schreuder aus dem Bundesrat in den Nationalrat wechseln, Volker Plass kämpft darum, dass die Grüne Wirtschaft endlich im Klub vertreten ist, und mit dem Anwalt Georg Bürstmayr gebe es immerhin einen Quereinsteiger, den einzigen weit und breit.

Fix vergeben sind vorerst nur Platz eins für Eva Glawischnig und Platz zwei für Werner Kogler. Ab Platz drei matchen sich auch mehrere Frauen: Christiane Brunner will Umweltsprecherin, Helene Jarmer unbedingt Behindertensprecherin bleiben. Gabriela Moser kämpft auch um Platz drei, einen Listenplatz will unter anderem auch die 26-jährige steirische Umwelttechnikerin Lara Köck.

Gegen "Hahnenkampf"

Die neuen Bewerber wie Reimon, Maurer und Plass tun sich derzeit die Bewerbungstour durch die Bundesländer an, die gesetzten Mandatare wie Pilz und Öllinger vertrauen auf ihre Popularität, sie verzichten momentan darauf, um die Gunst der Basis zu buhlen. Pilz verfolgt auch den Plan gegen Werner Kogler auf Platz zwei zu kandidieren, nicht weiter. "Es gibt den Wunsch bezüglich einer internen Hierarchie", sagt Pilz. Kogler ist der Vize von Glawischnig. Er wolle auch "keinen Hahnenkampf". Ein sicheres Mandat strebt der Sicherheitssprecher aber natürlich an.

Den will auch Volker Plass, der glaubt, ein entscheidendes Argument auf seiner Seite zu haben: Wirtschaftskompetenz. Plass, der ein Grafik-Design-Büro leitet und Bundessprecher der Grünen Wirtschaft ist, sieht in den Ein-Personen-Betrieben eine neue Wählerinnenschicht, die er erschließen möchte. Das Gerangel um die vorderen Listenplätze nimmt er noch entspannt: "Es gibt bei den Grünen unterschiedliche Grade der Freundschaft. Noch hat aber keine darunter gelitten, dass wir Konkurrenten sind."

Allerdings setzt auch Rechts anwalt Bürstmayr auf Wirtschaftskompetenz. Er "möchte gerne als Unternehmer, der nicht Millionär ist, darauf hinweisen, dass sich grüne Vorschläge 'rechnen'".

Michel Reimon reist zu den Hearings in alle neun Bundesländer, am Mittwoch ist die Steiermark dran, am Freitag ist er in seiner Heimat, dem Burgenland. Reimon will, dass die Grünen in der Sozialpolitik angriffiger werden. Über die burgenländische Landesliste hat er keine Chance auf einen Einzug in den Nationalrat, daher probiert er es über die Bundesliste. Gutes Netzwerken zählt auch bei den Grünen und erhöht die Chancen auf einen wählbaren Listenplatz. Reimon ist besonders aktiv in Social Media wie Facebook und Twitter, kein Nachteil, wie er einräumt: "Das erhöht die Chancen."

Die hat Bruno Rossmann bei der Erstellung der Kandidatenliste in Wien nicht gehabt. Dort sei die "Konkurrenz sehr groß gewesen" und er habe daher wenig Chancen für sich gesehen, sagt er. Aber auch im Bund werde es für ihn hart, weiß der Budgetsprecher, selbst wenn man "es leichter hat, wenn man schon im Nationalrat sitzt". Rossmann ist nämlich erst im Sommer dieses Jahres auf Alexander Van der Bellens Platz im Nationalrat nachgerückt. Rossmann: "Die Zeit, mich zu profilieren, war sehr kurz." (Peter Mayr, Michael Völker, DER STANDARD, 7.11.2012)

Wissen: Quote und Zulassungshürde 

Die Mitbestimmung der Basis ist bei den Grünen einzigartig. Und jeder kann für einen Platz auf der Bundesliste kandidieren. Es gibt aber eine Frauenquote: "Für die ab Platz 2 zu wählenden Plätze ist eine Kandidatur von Männern nur zulässig, wenn dadurch der Männeranteil auf der bis dahin gewählten Liste nicht größer als 50 Prozent werden kann." Kandidaten, die länger als zehn Jahre Abgeordnete sind, brauchen eine Zwei-Drittel-Mehrheit, um antreten zu dürfen. Die Delegierten, die wählen, werden von den Landesversammlungen entsandt. (pm)

  • Doppelt gemoppelt: Eva Glawischnig muss sich um ihr Leiberl keine Sorgen machen. Sie ist unbestritten die Nummer eins - sowohl auf der Wiener Landesliste als auch auf der Bundesliste.
    foto: apa/jäger

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