Hochwasser in Kärnten: Streit über Verantwortung

6. November 2012, 17:00
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Schwere Schäden in der Gemeinde Lavamünd: Land Kärnten kritisiert Verbund und Umweltministerium

Lavamünd - Am Tag nach dem Jahrhunderthochwasser in der Kärntner Gemeinde Lavamünd sind die Aufräumarbeiten am Dienstag voll angelaufen. Der Pegel der Drau war in der Nacht auf ein normales Maß gesunken. Die Keller der betroffenen Häuser standen aber nach wie vor unter Wasser. Im Laufe des Tages wurde die Stromversorgung für die meisten Haushalte wieder hergestellt.

Gleichzeitig wurden vonseiten des Landes Vorwürfe erhoben, der Verbund, der an der Drau mehrere Kraftwerke betreibt, hätte zu spät bzw. falsch reagiert. Auch dem Umweltministerium wurden Versäumnisse angekreidet. Verbund wie Ministerium wiesen die Vorwürfe zurück.

Mindestens drei Millionen Euro Schaden

Laut ersten Schätzungen dürfte den rund 250 betroffenen Lavamündern ein Schaden von mindestens drei Millionen Euro entstanden sein, so erste Angaben der Leiterin des Krisenstabs Silvia Kostmann. Dazu kommen noch die beträchtlichen Schäden an der Infrastruktur (siehe auch Lavamünd: Viele Bewohner haben gesamten Besitz verloren)

50 Gebäude wurden durch das Hochwasser stark beschädigt. Zwei Häuser und zwölf Wohnungen waren am späten Dienstagabend noch unbewohnbar. Straßensperren im betroffenen Ortskern sollten laut Ankündigung noch bis Mitternacht aufrecht bleiben. Die Aufräumarbeiten werden laut Einschätzung der Verantwortlichen noch Wochen dauern.

Vorwürfe an Kraftwerksbetreiber

Uneinigkeit herrschte am Dienstag in der Frage, ob das Unglück in diesem Ausmaß verhindert hätte werden können. Wasserwirtschaftsreferentin Beate Prettner (SPÖ) sowie LAbg. Rolf Holub (Grüne) orteten Versäumnisse. Die Kraftwerksbetreiber hätten schon zu einem früheren Zeitpunkt reagieren und den Draupegel senken müssen. Prettner warf außerdem Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) Säumigkeit bei der Änderung eines Wasserrechtbescheids vor.

Johannes Moser vom Hydrographischen Dienst des Landes ordnete das Vorgehen des Verbunds zwar als korrekt ein, kritisierte aber die sogenannte Wehrordnung. Mit dieser wird unter anderem das Verhalten im Hochwasserfall festgelegt. Zwischen Verbund und Ministerium wird derzeit über eine Änderung dieser Vorschriften verhandelt. Moser ist überzeugt: "Mit der geänderten Wehrordnung wäre das Hochwasser nicht in dieser Dimension gekommen. Wir hätten jetzt sehr viel weniger Schäden."

Verbund: "Überschwemmung war nicht abzuwenden"

Genau das glaubt Jürgen Türk, Werksgruppenchef der Kraftwerksgruppe Drau des Verbunds, nicht. Er ist überzeugt, dass die Änderung, die derzeit in Ausarbeitung ist, im konkreten Fall kaum ein anderes Ergebnis zur Folge gehabt hätte. Das Problem liege vielmehr im mangelhaften Hochwasserschutz des "Nadelöhrs" Lavamünd und an den außergewöhnlichen Wassermassen. "Die Wassermengen waren wirklich so hoch, dass Lavamünd immer betroffen gewesen wäre. Eine Überschwemmung wäre nicht abzuwenden gewesen."

Die in Ausarbeitung befindliche Änderung soll ein frühzeitiges Absenken der Pegelstände ermöglichen. Laut Verbund ist es aus ökologischen Gründen derzeit nicht möglich, schon bei einer Prognose für ein Hochwasser den Pegel stark abzusenken. Berlakovich-Sprecherin Irmgard Poschacher: "Die jetzt gültige Wehrbetriebsordnung regelt die Spiegelstände genauso - sie können gemäß dieser Verordnung auch abgesenkt werden." (APA, 6.11.2012)

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