Ehemann in den Rücken gestochen: Frau in Graz schuldig gesprochen

6. November 2012, 16:03
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Geschworene entschieden auf schwere Körperverletzung und gegen Mordversuch

Graz - Eine 25-jährige Grazerin ist am Dienstag wegen schwerer Körperverletzung im Straflandesgericht schuldig gesprochen worden. Die Frau hatte im Mai 2011 ihrem damaligen Ehemann ein Messer in den Rücken gerammt. Der 24-Jährige musste notoperiert werden. Die Anklage lautete auf versuchten Mord, allerdings bestritt die Frau vor den Geschworenen eine Tötungsabsicht. Sie gestand, ihren mittlerweile geschiedenen Mann schwer verletzt zu haben und wurde - nicht rechtskräftig - zu acht Monaten Haft verurteilt.

Die Ehe der beiden war von Streitereien rund um die Drogenabhängigkeit der 25-Jährigen gekennzeichnet. Immer wieder sollen sie deswegen tageweise räumlich getrennt verbracht haben. Hinzu kam die Eifersucht der Frau. Am 20. Mai 2011 gerieten die beiden wieder in Streit, nachdem der 24-Jährige die junge Mutter - ihr Kind wohnt bei einer Pflegefamilie - beim Spritzen einer Dosis Mephedron erwischte.

Zwölf Zentimeter lange Klinge

Der Mann wollte daraufhin die gemeinsame Wohnung verlassen, doch die 25-Jährige versuchte ihn daran zu hindern. Sie habe ihn "angefleht", schilderte sie. Als er ihr schließlich den Rücken zudrehte und zur Tür hinaus wollte, habe sie ein Jausenmesser mit einer knapp zwölf Zentimeter langen Klinge genommen und zugestochen.

Vor Gericht beteuerte die Frau, sich nicht zu erinnern, was sie sich in dem Moment gedacht habe. Sie habe ihn mit der linken Hand umarmt und mit der rechten zugestochen: "Ich habe nicht nachgedacht, wohin ich steche. Erst vor der Polizei wurde mir klar, dass ich ihn damit hätte töten können."

Mann wollte Freundin schützen

Als Polizei und Rettung eintrafen, hatte der 24-Jährige seine Frau schützen wollen und gesagt, dass er sich selbst an einer Türschnalle verletzt habe. Doch nachdem die Beamten das blutverschmierte Messer in einem Kasten gefunden hatten, wurde die Frau festgenommen. Das medizinische Gutachten besagt, dass sich der Mann aufgrund der raschen ärztlichen Versorgung nicht in Lebensgefahr befand. Die Klinge drang bis in die Lunge vor und löste auch einen Kollaps aus. Heute habe der 24-Jährige keine Beschwerden mehr.

Die Beschuldigte stand bereits zuvor mehrmals vor Gericht, vorwiegend wegen Beschaffungskriminalität. Deswegen ist sie auch seit einigen Monaten in Haft ist. Die Geschworenen schenkten bei ihrer Entscheidung den Aussagen der Angeklagten Glauben und verurteilten sie nicht wegen versuchten Mordes, sondern wegen schwerer Körperverletzung. Sie muss nun zusätzlich zu ihren bisherigen Haftstrafen acht weitere Monate im Gefängnis bleiben. Sie nahm das Urteil an. (APA, 6.11.2012)

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