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Das Berliner IT-Unternehmen Auticon stellt gezielt Menschen mit Asperger-Syndrom ein. Diese können mit ihren Fähigkeiten besonders gut Fehler in Computerprogrammen aufstöbern. Dazu gehören die Liebe zum Detail und eine hohe Konzentrationsfähigkeit.
Philipp von der Linden hatte schon immer das Gefühl, anders zu sein als die anderen. "Ich habe häufig nicht verstanden, warum alle Menschen um mich herum bestimmte Dinge getan haben", sagt der 39-Jährige. "Mir wurde dann häufig vorgeworfen, ich würde mich mit Absicht stur stellen. Aber ich wusste es nicht besser." Erst die Diagnose eines Psychiaters brachte Gewissheit: Von der Linden hat das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus. Deshalb kann er Gesagtes, Mimik und Körpersprache oft nicht sofort verstehen und einordnen. Nun aber hat er einen Job, der genau zu ihm passt. Er sucht Fehler in Computerprogrammen: In der Berliner Firma Auticon, die ganz bewusst fast nur Autisten einstellt.
Eine Autismus-Diagnose kann wie ein Keulenschlag sein. "Erst war das ein Schock. Dann war ich aber froh, endlich zu wissen, warum ich so ticke", sagt Philipp von der Linden. Genaue Zahlen über Autisten in Deutschland gibt es nicht. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 0,6 Prozent der Bevölkerung eine autistische Störung haben, heißt es beim Bundesverband Autismus. Das Spektrum reicht von der relativ milden Form des Asperger-Syndroms bis hin zu tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, bei denen Betroffene den Kontakt zu anderen Menschen meiden. Dazu kommt eine Beeinträchtigung von Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Intelligenz. Männer sind von Autismus öfter betroffen als Frauen.
Typisch für einige Autisten ist ein "Inselwissen" - viel Ahnung auf ganz bestimmten Gebieten. In einer Arbeitswelt, in der Teamgeist, soziale Kompetenz und geschliffene Umgangsformen erwartet werden, scheitern viele Autisten jedoch an den einfachsten Aufgaben. Ihnen bleibt oft nur, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen und Frührente zu beziehen. Nur fünf Prozent der Betroffenen haben einen richtigen Job.
Dirk Müller-Remus kennt dieses Problem. Im November 2011 hat er deshalb die IT-Firma Auticon gegründet, bei der bis Ende des Jahres 12 Autisten arbeiten sollen. "Ich habe selbst ein autistisches Kind, kenne also die Schwierigkeiten von Betroffenen", sagt er. Sein Unternehmen überprüfe für Kunden Computerprogramme, die häufig Programmcodes über viele Seiten haben. "Menschen mit Asperger bringen häufig genau die Voraussetzungen mit, die man braucht, um Software zu analysieren", ergänzt er. Dazu zählten Perfektionismus, Detailverliebtheit und eine hohe Konzentration über Stunden hinweg.
Hilfe bekommen die Mitarbeiter von sogenannten Jobcoaches, die zwischen ihnen und den Kunden vermitteln. Es geht aber auch um eine ganz bestimmte Arbeitsatmosphäre: Zu viel oder falsches Licht können stören, Lärm oder uneindeutige Aussagen Menschen mit Autismus durcheinanderbringen. Die Jobcoaches sollen auch Vorurteile abbauen. "Autisten sehen sich selbst trotz Schwerbehindertenausweis häufig nicht als behindert", sagt Dirk Müller-Remus. Es komme sehr häufig vor, dass sie in ihren Jobs wegen ihres ungewohnten Verhaltens gemobbt würden. "Das Potenzial und die Fähigkeiten, die diese Menschen haben, werden immer noch komplett unterschätzt", sagt er.
In diesem Jahr bekam Auticon für sein Geschäftsmodell die Auszeichnung "Unternehmen - GründerChampions" der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für das Land Berlin. Die Firma versteht sich keineswegs als spezielle Behindertenwerkstatt oder als ein Sozialunternehmen. "Wir möchten natürlich erfolgreich sein", sagt der Geschäftsführer des Startups.
Doch das sei nur möglich, wenn sich die autistischen Mitarbeiter auch wohlfühlten. "Autisten brauchen klare Strukturen und deutliche Absprachen, damit sie Vertrauen aufbauen können", sagt Müller-Remus. Philipp von der Linden hat dies zum ersten Mal bei Auticon gefunden. "Hier ist Autismus keine Störung, sondern eine Begabung", sagt er. "Bei der Fehlersuche fühle ich mich wie ein Archäologe, der nach Spuren gräbt. Es ist richtig befriedigend, einen Fehler zu entdecken."(APA, 06.11. 2012)
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INselwissen hat leider fast jeder, dass ist schon durch die Fülle an Informationen gegeben und lernpsyschologisch erklärbar. Einige Personen mit Asperger haben jedoch Inselbegabungen, jedoch nicht jede(r). Einige haben nur eine kognitive Behinderung.
bei einem blinden ist klar, man muss anpassungen an der infrastruktur vornehmen, damit sich blinde zurechtfinden.
selbiges gilt für rollstuhlfahrer, welche nunmal herausforderungen mit stufen und anderen bodenunebenheiten haben.
bei autismus, und man möge da nicht gleich an rainman denken, ist es komplizierter. da spielt sich die rollstuhlrampe im gehirn ab.
umso erfreulicher ists, das hier das wort behinderung fehl am platz ist. es ist ein anderer blickwinkel auf eine situation. ein mangel an inter-menschlichem verständnis steht eine begabung gegenüber. unsere gesellschaft wird sich wohl in zukunft daran messen lassen müssen, wie sie diese begabungen nutzt und mit mängeln umgeht.
für mich ist das eine interessante zukunft.
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