Die entscheidende Niederlage

Kommentar |

Obamas Sieg könnte richtungsweisend für die Zukunft der Republikaner sein

Nach der Niederlage beginnt die Fehleranalyse: Und diese stellt die Republikaner vor die Frage, wie sie in den kommenden vier Jahren Politik machen wollen. Besser gesagt, welche Inhalte sie mit welchem Stil vertreten werden.

Nach dem Sieg Obamas 2008 hat sich in der Grand Old Party ein Richtungswechsel vollzogen, der die Partei so weit wie nie zuvor an den rechten Rand des Meinungsspektrums drängte. Die Kandidaten der Tea Party übernahmen 2010 bei den Kongresswahlen viele Sitze eher gemäßigter Republikaner. Als ihre alleinige Aufgabe definierten diese Abgeordneten, jegliche Zusammenarbeit mit den Demokraten zu beenden. Wer sich nur den Anschein von Kompromissbereitschaft gab, wurde als Verräter der Parteilinie gebrandmarkt. Eine Politik, die scheinbar von den Wählern honoriert wurde - zumindest eine Zeit lang.

Die Republikaner präsentierten sich wirtschaftspolitisch liberal und gesellschaftspolitisch erzkonservativ, versprachen Steuersenkungen und wetterten gleichzeitig gegen gleichgeschlechtliche Ehe und Abtreibungen. Mit diesem Politikstil versuchten sie auch die Präsidentschaftswahl für sich zu entscheiden.

Die Voraussetzungen waren im Grunde nicht schlecht: Obama hat sich innerhalb seiner ersten Amtszeit von einem unbelasteten Hoffnungsträger zu einem pragmatischen Präsidenten gewandelt. Viele seiner Wahlversprechen hat er gebrochen. Was er umsetzte, war zum Teil höchst umstritten. Die Gesundheitsreform war eines der am heftigsten debattierten Politikthemen seiner Amtszeit. Zusätzlich war die wirtschaftliche Situation der USA wenig rosig und die Arbeitslosenzahlen hoch. Alles Angriffspunkte, die in einem Wahlkampf genüsslich auszuschlachten wären. Allein: Es ist den Republikanern nicht gelungen, die wunden Punkte der Demokraten in einen Wahlsieg für die Republikaner zu verwandeln. Mitt Romney zerriss es zwischen den Forderungen der rechtspopulistischen Tea Party und den gemäßigten Vertretern seiner Partei. Romneys Konzepte waren unausgegoren oder widersprüchlich.

Mit dem erneuten Wahlsieg Obamas stehen die Republikaner nun neuerlich vor einer richtungweisenden Entscheidung: weiter blockieren oder sich auf einen vernünftigen Politikstil besinnen. In vier Jahren wird Obama von der politischen Bühne abtreten, er taugt dann nicht mehr als Feindbild. Die nächste Phase der Gesundheitsreform wird in Kraft treten, die Aufregung darüber wird abnehmen und sollten die Prophezeiungen stimmen, wird sich auch die wirtschaftliche Situation verbessern.

Wenn in der republikanischen Partei weiterhin der rechte Rand Ton und Inhalt vorgibt, sind die Aussichten auf den Wahlsieg auch 2016 gering. (Michaela Kampl, derStandard.at, 6.11.2012)

Share if you care
    Posting 1 bis 25 von 103
    1 2 3
    Wie in allen one man one vote Demokratien ...

    ... wird es zu einer Anpassung an linke Ideologien kommen (Umverteilungsirrsinn).
    Die Entwicklung einer Massengesellschaft hat y Gasset in "Aufstand der Massen" schon in den 30er Jahren des 20.Jh. ausgezeichnet beschrieben.

    In republikanischen Online-Medien

    redens schon von "stockpiling guns and ammo"! Und das ist keine Einzelmeinung. Es widerspricht auch keiner. Alter! Die sind im Verhalten wirklich schon bei den Neonazis angelangt. Mich würde nicht wundern, wenn da gerade einige "domestic terrorists in the making" sind.

    Der famose Donald Trump

    hat ja auch sofort nach Bekanntwerden des Endergebnisses via Twitter zum Marsch auf Washington und zum Umsturz aufgerufen.

    Die wirtschaftslage ist aber kein wunder punkt der demokraten. Im gegenteil hatte obama hier ein katastrophales republikanererbe zu übernehmen und das nicht schlecht hingekriegt. Es gibt moderates wachstum.

    Das wäre gut. Aber ein wenig müssen wir noch warten und Glück brauchts auch.

    Mein Tipp ist, dass die Republikaner die nächste Präsidenten-Wahl abwarten. Geht die an die Demokraten, dann beginnt dieser Umkehr-Prozess.

    Jetzt schauts so aus, dass Obama einen kritisierten Bush abgelöst hat, dann haben die Republikaner einige Erfolge gehabt, diese Erfolge sind etwas verblasst und dann kam wieder Obama. Die Möglichkeiten sind viele, um das misszuinterpretieren, zb Obama hat ein Talent die Massen zu bewegen, Hurrikane kam zu Hilfe, etc, etc.

    Erst wenn sie wieder eine schwere Niederlage einstecken wird sich was ändern. Und das wäre wünschenswert, denn auch bei den Republikanern sind einige liberale, weltoffene Leute dabei. Manche von denen sind mir sympathsicher, als irgendwelche stockkonservative südstaaten Demokraten.

    nur, dass die stockkonservativen Südstaaten-Demokraten immer weniger werden, weil die in Scharen zu den Reps wechseln...

    sieht man sich die Farbenverteilung in der Karte an, wird man irgendwie an den amerikanischen Bürgerkrieg erinnert... die Südstaaten-Konföderation erscheint dunkelrot...

    übrigens geht dieser aspekt bisher völlig unter:

    daß die demokraten mithilfe von haarp einen hurricane heraufbeschworen haben, um die wahl noch zu drehen.
    wo sind die verschwörungs-fuzzis, wenn man sie einmal braucht?

    In einem Zweiparteiensystem begnügt man sich nicht mit der Rolle des Oppositionsführers (wie zB die FPÖ),

    sondern versucht bei Wahlen als Sieger hervorzugehen. Deshalb bleibt den Reps nichts anderes übrig, als sich zurück zur Mitte zu bewegen.
    Anders wird man die so bitter benötigten Wählerschichten (wie zB Latinos, Schwarze, Städter) nicht ansprechen können.

    Der Selbstreinigungsprozess zur Austreibung des Teapartytums wird allerdings sehr schmerzhaft werden.

    Der Fox-Kommentator Charls Krauthammer (kein Scherz, der Mann heißt wirklich so) sagte, dass die Zukunft der Republikaner "noch weiter rechts" liegen würde. Was da wohl kommt kann man sich wohl ausmalen.

    ausmalen ? Bitte sehr:

    (Video an der Leiste rechts oben, inzwischen von Fox sterilisiert, beim Volloriginal blieb uns damals die Luft weg) gewaehlter Texas Judge ruft ganz ruhig und lakonisch zum Mord am Praesidenten auf ("get rid of the guy" - wie bei Ungeziefer)

    www.myfoxlubbock.com/mostpopul... eUnmA.cspx

    Bitte auch den FoxNews "Journalisten" beobachten, der fleissig kopfnickend diesen "Wahnsinn" (New York Times) absegnet. Leider irrt die NYT. Dieser Judge ist nicht abnormal als von der (FoxNews) Norm abweichend. Bloss Rupert Murdoch Alltagslogik.

    diese analyse greift zu kurz

    die tatsache, daß romney die wahl nicht gewonnen hat ist kein beweis dafür, daß er für seine potenziellen wähler die falschen themen besetzt oder falsch taktiert oder sonstwas falsch gemacht hätte. es könnte sein, daß romney die reps-kernwählerschaft perfekt bedient und trotzdem verloren hat. die erklärung dafür, wie das möglich ist, liegt in der demografie. übertrieben gesagt: die reps-kernwähler sterben langsam aus. das wird deutlich, wenn man sieht, daß mehr als 90% der afroamerikaner, mehr als 70% der latinos und ein großteil der jungen obama gewählt haben.
    das problem der reps sind nicht ihre kernwähler, sondern ihr problem ist, wie sie neue wählergruppen ansprechen können.

    "das problem der reps sind nicht ihre kernwähler, sondern ihr problem ist, wie sie neue wählergruppen ansprechen können."

    jein. denn es sind die kernwähler beziehungsweise diffuse einflussreiche gruppen aus der kernwählerschicht, tea party, die christliche rechte etc, die das ansprechen dieser wählerschichten blockieren.

    glaube ich nicht

    latinos könnten mit christlichen inhalten durchaus angesprochen werden, denke ich.

    aber die anti-immigrations-fundis

    und die rassisten verhindern das

    tjo, wer auf rechtspopulismus baut, baut auf sand. period.

    Deshalb sollten wir unsere Mitbürger auch immer an die "glorreichen"

    schwarz/blauen Jahre erinnern.

    Auch die Reps werden mit ihrer Tea Party bald ihr Knittelfeld erleben.

    Glaub ich kaum, dass sich da was ändert.

    In den USA jagt eine Wahl die nächste.

    Jetzt wird mal abgewartet was in 2 jahren passiert und wenn sie gewinnen, wird Obama gar nichts mehr durchsetzten können, was ihnen in die Hände spielt.

    post-racial, post-truth, post-reality

    Dank Obama im Oval Office attestierten die Soziologen dieser Gesellschaft die "post-racial" Epoche. Wahrscheinlich falsch, aber immerhin griffig.

    Jetzt wird geraetselt, ob wir uns in der "post-truth" oder schon der "post-reality" Periode befinden. Unter "post-truth" gilt heute dies, morgen das Gegenteil und am dritten Tag "stimmt beides". Unter "post-reality" wird ueberhaupt die Moeglichkeit, einen Unterschied zwischen Teil und Gegenteil zu definieren, in Frage gestellt.

    Dem Durchschnittseuropaeer sollten 5 Minuten FoxNews genuegen, zu erkennen, dass im Paralleluniversum die Gesetze der Schwerkraft bereits aufgehoben sind und der Planet wieder eine Scheibe ist. Rosige Aussichten !

    Falsch

    Die werden sich jetzt erst recht einbunkern und blockieren was geht, dazu wars viel zu knapp (obwohl's an sich überhaupt nicht knapp war).

    Das wird sich erst ändern wenn sie mal wirklich ordentlich abstinken sollten und überhaupt nichts mehr blockieren können, falls das überhaupt jemals passieren wird.

    Knapp ist relativ, kommt drauf an wer Florida bekommt (55 Wahlmänner). Wenn Obama sie bekommt wirds schon sehr deutlich.

    ich kann mir schon vorstellen dass die Republikaner früher oder später ihre Mehrheiten einbüßen wenn sie mit ihrer derzeitigen Politik fortfahren: ihre Klientel sind weiß, wohlhabend und/oder evangelikal und auf die läuft ihre Politik aus, die nicht-weißen Minderheiten werden meistens außen vorgelassen. Aber genau die Afroamerikaner und Lations (größtenteils Demokratenwähler) sind die am stärksten wachsende ethnische Gruppe in den Staaten. Man darf gespannt sein.

    Florida

    hat 29 Wahlmänner, die über die Knappheit nichts aussagen..

    Nach Stimmen ist das Wahlergebnis durchaus als knapp zu bezeichnen.

    kalifornien<>florida

    kalifornien: 55
    florida: 29

    Sie haben Recht, Danke für die Richtigstellung!
    lg

    Noch nicht

    Sie werden sich eher darauf konzentrieren, in 2 Jahren auch den Senat zurückzuerobern, dann ist die Blockade total.

    Dann können sie nämlich 2016 behaupten, die Demokraten bringen eh nichts zusammen und hoffen, wieder den Präsidenten zu stellen.

    Rein machtpolitisch haben die Reps nichts davon, zusammenzuarbeiten.

    Es wäre deshalb an Obama, endlich das zu tun, was man in den USA seit Theodore Roosevelt "the bully pulpit" nennt: Der Präsident wendet sich direkt ans Volk und hofft, Druck von aussen auf die Reps auszuüben. Siehe Bill Clinton gegen Gingrich.

    Dazu gehört aber, dass O. endlich mehr Pressekonferenzen gibt (bis jetzt weniger als fast jeder Präs. bis jetzt) und ganz frei ohne Teleprompter oder vorgecoacht reden lernt. JA.

    Wenn man sich die ersten

    Artikel und Foren der republikanischen Medien so durchliest, ist es klar, wohin die Richtung geht. Um es mit Eric Erickson von "Red State" zu sagen: "Compromise? Hell no!" Klar, jetzt kommen wieder genau die "Argumente", die etwa Newt Gringrich in den Primaries posaunte: Nur "wahre" Konservative können auch gewinnen und Romney war nie einer etc. Da wird sich gar nichts ändern! Das einzige was sie zu behirnen scheinen, ist, dass sie die Hispanics vergrault haben. Konsequenz: Die einen schreien nach einem "wahren" Konservativen mit Hispanic-Wurzeln (= Marc Rubio) Die anderen sind in Panik, nun eine Minderheit zu sein, der die Marginalisierung droht. Womit die Rechte noch rassistischer, extremer (und gewalttätiger?) zu werden droht.

    Posting 1 bis 25 von 103
    1 2 3

    Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.