Mehrheit der Studierenden für Gebühren

6. November 2012, 15:25
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Ein Viertel will Studiengebühren für alle, ein Viertel ist gegen alle Formen von Beiträgen

Ein Viertel der österreichischen Studenten spricht sich in einer Umfrage dezidiert für Studiengebühren aus. 24 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass "jeder und jede" in Österreich Studiengebühren bezahlen soll, "egal an welcher Art von Hochschule". Immerhin 45 Prozent der Befragten sprechen sich für Studiengebühren in der Form aus, wie sie bis vor kurzem eingehoben wurden. Zahlen müssten hier jene Studenten an der Uni, die die Mindeststudienzeit überschreiten. Auch an Fachhochschulen werden teilweise Gebühren eingehoben. 22 Prozent der befragten Studenten sind gegen die Einführung von Studiengebühren an allen Hochschulen.

46 Prozent für freien Hochschulzugang

Die Umfrage hat das Institut für Jugendkulturforschung im Auftrag der Österreichischen HochschülerInnenschaft durchgeführt, 1.015 Studierende nahmen im September und Oktober an der Online-Befragung teil. Neben den Erfahrungen mit der neuen Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP), den Gründen für die Studienentscheidung und dem Leistungsdruck während des Studiums wurden die Studierenden auch über ihre Einstellung zu Zugangsbeschränkungen befragt. Auch hier sind sie eher gespalten. 46 Prozent sprechen sich für einen freien Hochschulzugang aus, 30 Prozent sind für Zugangsbeschränkungen an allen Hochschulen und 24 Prozent wollen Zugangsbeschränkungen an Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und Kunstuniversitäten.

Der ÖH-Vorsitzende Martin Schott schloss bei der Präsentation am Dienstag aus den Ergebnissen, dass die ÖH mit ihrem Kurs auf dem richtigen Weg sei. "Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle glaubt, er weiß, was die Studierenden wollen, aber das Gegenteil ist der Fall", sagte Schott. "Es braucht einen Ausbau des Hochschulbereiches und keine Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren."

Schlechte Ergebnisse für Eingangsphase

Die Umfrageergebnisse zur Studieneingangsphase sind für Schott "wenig überraschend". 65 Prozent der Studierenden (hier wurden nur 330 Personen befragt) stimmen der Aussage zu, dass die STEOP dazu führt, dass Studierende die Motivation verlieren und ihr Studium abbrechen. Nur 36 Prozent der Befragten gaben an, dass die Eingangsphase ihnen dabei geholfen habe, sich in der Universität gut einzuleben.

Die Angaben der Befragten würden zeigen, dass die STEOP "nichts mit Orientierung zu tun hat", so Schott. Allerdings sagen immerhin 56 Prozent, dass sie dabei die "wesentlichen Inhalte" ihres Studienfachs übermittelt bekamen. 

Studienwahl aus Interesse

Die Studierenden wurden in der Umfrage auch gefragt, warum sie sich für ihr Studienfach entschieden haben. 49 Prozent gaben als wichtigsten Grund das Interesse an diesem Fach an. 24 Prozent haben sich wegen der Qualität der Lehre für ihr Fach entschieden. Nur 12 Prozent wählten ihr Studium, weil sie sich davon gute Berufsaussichten erhoffen.

Die Studierenden scheinen durchwegs zufrieden mit ihrem Studium zu sein. 64 Prozent glauben, dass sie "ganz sicher" den Job bekommen werden, den sie haben wollen. Beinahe alle (92 Prozent) konnten auch das Fach studieren, das sie am liebsten studieren wollten.

60 Prozent stehen im Studium stark unter Druck

Die Umfrage zeigt laut Schott auch, dass das Bild des "Bummelstudenten", das in der Öffentlichkeit teilweise gezeichnet werde, nicht zutreffe. So gaben 60 Prozent der Befragten an, dass sie im Studium "stark unter Druck" stünden, 51 Prozent stimmen der Aussage zu, dass der Druck "Jahr für Jahr größer" werde.

Schott appellierte an die Regierungsparteien, sich die Zahlen auch im Hinblick auf die Regierungsklausur am Freitag zu Herzen zu nehmen. "Es braucht ein klares Bekenntnis zu einem freien Hochschulraum." Wissenschaftsminister Töchterle hat sich das Ziel gesetzt, am Freitag eine neue Regelung für Zugangsbeschränkungen zu präsentieren. SPÖ und ÖVP könnten sich zudem auf eine Reform der Studiengebühren einigen. (lis, derStandard.at, 6.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Einstellung der Studierenden zu Studiengebühren.

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