Größter Schatz aus frühneolithischer Zeit mit rätselhaften Stücken

  • Der zum Jahreswechsel 2001/2002 in Belica geborgene Depotfund besteht insgesamt aus rund Einzelgegenständen.
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    foto: nebosja boric, belgrad

    Der zum Jahreswechsel 2001/2002 in Belica geborgene Depotfund besteht insgesamt aus rund Einzelgegenständen.

  • Vor allem die stark stilisierten Frauenfiguren lassen die Wissenschafter rätseln: Waren sie Glücksbringer oder Fruchtbarkeitssymbole?
    foto: nebosja boric, belgrad

    Vor allem die stark stilisierten Frauenfiguren lassen die Wissenschafter rätseln: Waren sie Glücksbringer oder Fruchtbarkeitssymbole?

Archäologen entdeckten im serbischen Belica über 80 prähistorische Einzelgegenstände - Nun wird der Depotfund genauer untersucht

Es begann in den späten 1990er Jahren mit einzelnen Figuren-Funden am Ortsrand von Belica bei Jagodina in Zentralserbien. Eine Notgrabung zum Jahreswechsel 2001/2002 förderte schließlich die archäologische Sensation zutage: In einer verfüllten Grube entdeckten die Wissenschafter den bislang umfangreichsten Schatzfund Europas aus frühneolithischer Zeit. Das sogenannte Depot dürfte rund 7.700 Jahre alt sein und besteht aus etwa 80 Einzelgegenständen, die aus unterschiedlichen Rohmaterialien gefertigt wurden. Viele dieser Stücke stellen die Forscher vor ein Rätsel. Nun wird der Schatz im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen und des Serbischen Archäologischen Instituts, Belgrad, genauer untersucht.

"Das Fundensemble aus Belica bietet in seiner Gesamtheit einen einmaligen Einblick in die Symbolwelt der frühesten Ackerbauern und Viehzüchter in Europa", sagt der Tübinger Archäologe Raiko Krauß, der das Projekt von deutscher Seite aus leitet. Dargestellt sind stark stilisierte Frauenfiguren und menschliche Körperteile sowie miniaturisierte Beile und einige abstrakte Gegenstände, deren Darstellungsinhalt unklar ist. Besondere Aufmerksamkeit erregen die rundlichen Frauenfiguren aus von Wasser und Menschenhand glatt geschliffenem Stein. Waren sie Glücksbringer oder Fruchtbarkeitssymbole? Ihre Funktion lässt sich nicht mehr eruieren.

Gefertigt wurden die Gegenstände aus lokalen Gesteinen, Tierknochen und Ton. Bei den verwendeten Steinen handelt es sich überwiegend um Serpentinite aus einem Ophiolithgürtel, der etwa 40 Kilometer westlich der Fundstelle in Nord-Süd-Richtung verläuft. Aus den Flussbetten dieses Bergmassives konnten Gerölle aufgesammelt werden, die ideale Grundformen für die Artefakte aus Belica darstellen.

Frühneolithische Siedlung sichtbar gemacht

Bei einer ersten Begehung des Fundplatzes im Juni 2012 konnten die Archäologen über die Fundstreuung an der Oberfläche die Grenzen einer frühneolithischen Siedlung feststellen, in deren Mitte das Depot gefunden wurde. Damit ist klar geworden, dass es sich nicht um einen isolierten Fund, sondern um ein Depot innerhalb eines größeren Siedlungsplatzes handelt. Mit modernen geophysikalischen Prospektionsmethoden konnten nun im Sommer wesentliche Teile der Siedlung im Untergrund sichtbar gemacht werden.

"Funde von derartiger Bedeutung sollten prominent im Serbischen Nationalmuseum ausgestellt werden", sagt Krauß über die Stücke aus dem Depot. "Aber das Nationalmuseum in Belgrad ist seit dem Bürgerkrieg geschlossen." Krauß plant darum mit den serbischen Kollegen eine erstmalige Ausstellung der Stücke im Wintersemester 2013/14 im kleinen Sonderausstellungssaal des Museums der Universität Tübingen auf Schloss Hohentübingen. Der gesamte Hortfund soll zusammen mit den Ergebnissen der laufenden Untersuchungen monographisch in deutscher und serbischer Sprache veröffentlicht werden. (red, derstandard.at, 06.11.2012)

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