Mann mit bionischem Bein absolvierte Hochhauslauf

Läufer erklomm 2.107 Stufen mit Beinprothese, die über Gedankenkraft gesteuert wird

Alljährlich schleppen sich tausende Fitnessbegeisterte die Stufen des Willis Tower in Chicago hinauf, über 400 Höhenmeter, verteilt auf 103 Stockwerke. Das Äquivalent eines Berglaufs in urbanen Gefilden wird hier, im früheren Sears Tower, der sich als "höchstes Gebäude der westlichen Hemisphäre" bewirbt, als Charity Event des Rehabilitation Institute of Chicago veranstaltet.

2.107 Stufen

Das renommierte US-Rehab-Institut war es auch, das einen besonderen Läufer in den Stufenlauf schickte: Zac Vawter (31), einst begeisterter Läufer, dann Opfer eines Motorradunfalls, der ihn sein rechtes Bein kostete. Die Prothese, die es ihm nach langer, harter Arbeit dennoch ermöglichte, die 2.107 Stufen hohen Anstieg zu bewältigen, bezeichnete die Rehab-Einrichtung aus Illinois laut CNN das "weltweit erste neural kontrollierte bionische Bein".

Die elektrischen Impulse, die der Wille zur Bewegung vom Gehirn in die Muskel sendet, werden im Falle Vawters von der Prothese in Anweisungen für die künstlichen Gelenke, Riemen und Motoren übersetzt. 53 Minuten und neun Sekunden benötigte der Testläufer für den Aufstieg.

Komplizierter bei Händen

Der Mann aus dem Bundesstaat Washington ist nicht der erste, der eine Prothese mit seinen Gedanken steuert: Bei künstlichen Fingern und Armen wurde bereits in den vergangenen Jahren mit der Technik experimentiert. Im Falle von Beinprothesen, die vergleichsweise oft gebraucht würden, sei die Anwendung aber heikler: Wenn die Hand falsch reagiert, geht vielleicht ein Glas zu Bruch, bei einem Bein fällt ihr Träger vielleicht die Stiege hinunter.

Für die Rehab-Einrichtung war Vawters Stiegenlauf ein Forschungsprojekt. Man habe das Bein dabei unter extremen Bedingungen getestet, zitiert die Nachrichtenagentur AP die Chefin der Einrichtung, Joanne Smith. Die wenigsten Prothesenträger werden sich und ihr künstliches Bein solchen Belastungen aussetzen. Vawter übte das Stiegensteigen auf einer Rolltreppe, die Forscher benötigten Monate, die Technik an die Gedankenimpulse des 31-Jährigen anzupassen.

Auch nach dem "SkyRise"-Event werden die Entwickler noch Jahre brauchen, bis die gedankengesteuerte Prothese marktfähig ist. Auch Vawter wird ohne die experimentelle Technik zu seiner Frau und den beiden Kindern heimkehren. "Alles ist wunderbar gelaufen. Die Prothese hat ihren Teil getan, ich habe meinen Teil getan", sagte er, angekommen im 103. Stock des Turms. (pum, DER STANDARD, 6.11.2012)

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Dann sind eh die beine für ihn gegangen, und für ihn wars keine Anstrengung. :D

Trotzdem, sehr cool. Der hat seinen Lebenswillen nicht verloren.

Wie viele kWh braucht so eine Prothese auf 100km?

Sieht dannach aus das alle Energie

von ihm die gesamte Zeit mitgeschleppt wurde.

Würde mich auch interessieren!

we can rebuild him - we have the technology

http://www.youtube.com/watch?v=HofoK_QQxGc

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