Nach Hochwasser: Lavamünd bleibt für Verkehr gesperrt

6. November 2012, 09:18
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Hunderte Feuerwehrleute im ganzen Land im Einsatz - Bundesheerpioniere in Stellung

Lavamünd - Am Tag nach dem großen Hochwasser im Kärntner Grenzort Lavamünd (Bezirk Wolfsberg) haben rund 80 Feuerwehrleute um 7 Uhr früh die Aufräumarbeiten begonnen. Der Pegel der Drau sank in der Nacht auf Dienstag auf ein normales Niveau.

In Lavamünd fließt die Lavant in die Drau. Aufgrund heftiger Regenfälle traten am Montag beide Flüsse über die Ufer, der Ort wurde buchstäblich geflutet. Das Wasser stand bis zu zwei Meter hoch, Wohnhäuser wurden bis zum ersten Stock unter Wasser gesetzt. Aus Sicherheitsgründen wurde der Strom abgestellt und mehrere Gebäude evakuiert. 53 Personen mussten laut Polizei die Nacht in Gasthäusern verbringen. Die Feuerwehr war bis nach Mitternacht im Einsatz und versuchte, Wasser abzupumpen.

Millionenschäden

Wie lange die Aufräumarbeiten dauern werden, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen, sagte Martin Brudermann von der örtlichen Feuerwehr. Auch die stellvertretende Bezirkshauptfrau von Wolfsberg, Silvia Kostmann, erklärte am Dienstag nach einer Begehung, dass die Folgekosten noch immer schwer einzuschätzen sei. Die schweren Schäden an der Infrastruktur gehen aber auf jeden Fall in die Millionen.

Das Ortsgebiet von Lavamünd wird zumindest bis Mitternacht für den Straßenverkehr gesperrt bleiben, wie die Kärntner Landesregierung in einer Aussendung bekanntgab. Beschlossen wurde die Sperre von einem am Vormittag einberufenen Krisenstab der Bezirkshauptmannschaft.

Beratungen über Bundesheer-Einsatz

Der Krisenstab werde laut Verwaltungsdirektor Wolfgang Grilz auch entschieden, ob - wie am Montag von Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) angekündigt - das Bundesheer angefordert wird. Ein Vertreter der Villacher Pioniere wird bei dem Treffen anwesend sein. Mit ihm wird sich der Krisenstab über Einsatzmöglichkeiten von Soldaten bei den Aufräumarbeiten verständigen, kündigte Grilz an. 

Außerdem solle der Krisenstab mit den Einsatzleitern die Schäden in der Gemeinde begutachten und erste Schätzungen über deren Ausmaß versuchen. "Man wird schauen müssen, wann die Leute aus den evakuierten Häusern wieder zurück nach Hause können", sagte Grilz. Mit dem Stromversorger Kelag wird abgeklärt, wie rasch Lavamünd wieder mit Strom versorgt werden kann. Grilz: "Das Problem ist ja, dass die Stromkästen bei den meisten Häusern im Keller stehen. Und die stehen teilweise noch unter Wasser."

"Es sind alle Geschäfte bei uns betroffen, die Gasthäuser, das Kulturhaus. Die ganzen Waren sind einfach davongeschwommen. Überall stand das Wasser", sagte auch Brudermann. Jetzt müsse man sich erst einmal einen Überblick verschaffen. Das größte Problem seien laut der Landesregierung derzeit die schweren Verschmutzungen durch ausgetretenes Heizöl und Altöl aus Gewerbebetrieben. Nach einer Begehung mit einem Landeschemiker soll die weitere Vorgangsweise geklärt werden

500 Einsätze in ganz Kärnten

Die starken Regenfälle am Montag und in der Nacht auf Dienstag haben nicht nur in der Gemeinde Lavamünd große Schäden angerichtet. Fast im ganzen Land Kärnten mussten die Feuerwehren wegen überfluteter Keller, unterspülter Straßen und Murenabgängen ausrücken. Die Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) zählte insgesamt rund 500 Einsätze.

Über 120 Feuerwehren mussten zumindest einmal ausrücken, einige von ihnen mehrmals. Zu Spitzenzeiten standen 70 Feuerwehren gleichzeitig im Einsatz. Die LAWZ bezifferte die Mannschaftsstärke mit über 1.100 Personen.

In Zell-Pfarre und Maria Rain (beide im Bezirk Klagenfurt-Land), Rennweg am Katschberg (Bezirk Spittal) und Bad Eisenkappel (Bezirk Völkermarkt) gingen Muren ab, die teilweise für längerfristige Straßensperren sorgten.

Schäden auch in Tirol

Große Schäden haben die Niederschläge auch in Osttirol und im Tiroler Oberland angerichtet. Landesgeologe Gunther Heißel verwies auf die wassergesättigten Böden und sprach am Dienstag nach mehreren Lokalaugenscheinen von einer "zugespitzten Situation". Erst große Kälte und ein Gefrieren des Bodens könnten zu einer Entschärfung führen. 

Gefahr geht in den höher gelegenen Gegenden vor allem von Hangrutschungen und Felsabbrüchen aus. In Bewegung geratene Hänge in Hopfgarten in Defereggen (Osttirol) und Ried im Oberinntal (Bezirk Landeck) werden weiterhin als kritisch eingestuft. In Iselsberg (Bezirk Lienz) musste ein Mehrfamilienhaus nach dem Abgang eines 70 Kubikmeter großen Felsbrockens evakuiert werden. (APA/red, derStandard.at, 6.11.2012)

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    Nach schweren Unwettern in Kärnten: Zeitig in der früh begannen Einsatzkräfte und Freiwillige am Dienstag mit den Aufräumarbeiten in Lavamünd - mehr Bilder hier.

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    Lavamünd auf einer Aufnahme von Montag: Ganze Ortsteile standen unter Wasser

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