Wien sucht grünen Strom: Gefährliche Brautschau

Kommentar5. November 2012, 18:53
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Wien Energie könnte dasselbe Schicksal erleiden wie die Tiroler Tiwag

Vor einer "Goldgräbermentalität" warnt der Alpenverein. Und die Goldgruben Österreichs liegen in luftigen Höhen. Soll die Energiewende verwirklicht werden, braucht's Speicherkapazitäten: Wenn Wind und Sonne Energie in Überfluss liefern, ist es naheliegend, damit Wasser den Berg raufzupumpen - und in Mangelzeiten wieder über Turbinen runterzulassen. Solche Speicher braucht Österreich dringend - aber auch Deutschland.

Doch geeignete Standorte sind rar, und so ist es kein Wunder, wenn die Wien Energie in Ermangelung nennenswerter Berge auf Brautschau geht. Trotzdem müssen die Wiener höllisch aufpassen, wo sie einsteigen. Im Naturjuwel des Osttiroler Virgentales haben sich Kraftwerksbauer schon einmal die Finger am Widerstand der Naturschützer verbrannt - als die Umbalfälle verstaut werden sollten. Daher sagt die Wien Energie zum neuen Isel-Projekt vorerst nur: kein Kommentar. Vor allem, da sogar schon die Tiroler Tiwag ausgestiegen ist - die bei den Kraftwerksplänen im Nordtiroler Kaunertal weit weniger zimperlich vorgeht.

Und es gibt wahrlich bessere Projekte. Etwa das Pumpspeicherkraftwerk Molln in Oberösterreich: wo das Wasser zwischen einem Ex-Steinbruch und einem Stollenspeicher im Berg hin- und herfließen soll. Das schmerzt nicht, war gut vorbereitet - und es gab im Genehmigungsverfahren keinen einzigen Einspruch. Dieses Kraftwerk wird nun umgesetzt. Der Hauptinvestor? Die Wien Energie. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 6.11.2012)

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