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Wien - Kaum ein anderer Kom ponist hat das Wiener Neue-Musikleben so nachhaltig mitgeprägt wie Beat Furrer. Seine Initiative für die Gründung des Klangforums Wien 1985 war gewissermaßen schon die Vorbereitung für das Festival Wien Modern, das 1988 folgte und ihm schon im nächsten Jahr ein umfangreiches Porträt widmete. Übrigens einschließlich einer von der Staatsoper mitverantworteten Uraufführung (Die Blinden) - ein Signal, auf das man heute wohl vergeblich warten müsste. Es sei denn, es geschähen Zeichen oder andere Wunder.
Eine fast so lange Zeitspanne umfasste das Porträtkonzert des Klangforums im Mozart-Saal des Konzerthauses, das ausschließlich Furrers Musik gewidmet war. Der Anlass entbehrte zwar nicht einer gewissen Komik: Dass ausgerechnet der 1954 Geborene, selbst als Lehrer und Impulssetzer einer der größten Förderer der jungen Generation, einen Nachwuchspreis erhielt, rechtfertigte Juror Lothar Knessl damit, dass der Erste Bank Kompositionspreis ausnahmsweise - wie bereits an Gösta Neuwirth - für ein Lebenswerk verliehen werden könne.
Dass diese Auszeichnung vollkommen gerechtfertigt ist, daran kann kein Zweifel bestehen - nur: Die auf junge Komponisten zugeschnittenen Fördermaßnahmen (CD-Produktion beim Label Kairos, mehrere Aufführungen des Auftragswerks) wären bei ihm zum Karriereanschub nicht wirklich vonnöten.
Doch unbestreitbar gilt die Ehre ganz großer Musik, so dass das Grönemeyer-bedingt vorabendliche Konzert einen der Höhepunkte des heurigen Festivals bildete - auch aufgrund der genialisch repräsentativen Stückauswahl. Aer (1991) ist noch ganz dem Nervös-Leisen verpflichtet, geräuschhaft und beredt flüsternd, nur mit gelegentlichen Eruptionen, die sich dann in still (1998) zu schreienden Blechbläsersignalen steigern.
Wenn schon hier in einem ungeheuer dichten Geflecht mehrere Ebenen ineinandergeblendet werden, so hat Furrer diese Technik seither weiter ausgebaut. Dafür stand das Klavierkonzert (2007) mit dem fulminant instinktsicheren Solisten Jonas Ahonen, dem Mathilde Hoursiangou am Tutti-Klavier mit seinem fast gleich anspruchsvollen Part Paroli bot. Umgeben war dies von einem subtil abgestimmten, vom Komponisten geleiteten Ensemble mit Klang gestalten wie erkalteter Lava.
Und die unprätentiös an der Schwelle zwischen Ton und Geräusch ansetzende Uraufführung von ira-arca für Bassflöte und Kontrabass stieß die Tür zu bisher von Furrer so deutlich nicht gekannter Gestik auf: Eruptionen, die Eva Furrer und Uli Fussenegger wie einen aus dem Moment erfundenen Dialog austrugen. (Daniel Ender, DER STANDARD, 6.11.2012)
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