"Zählen und rechnen, es wird eine unruhige Nacht"

6. November 2012, 08:00
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Republikaner und Demokraten rechnen mit einem äußerst knappen Rennen

Am Ende gaben die Kandidaten noch einmal alles. Als käme es darauf an, Vielfliegermeilen zu sammeln, jetteten US-Präsident Barack Obama und Mitt Romney von Swing State zu Swing State, von Sporthallen zu Flugzeughangars, von Marktplätzen zu Parkanlagen. Manchmal kreuzten sich ihre Wege, hätten sie sich fast aus ihren Flugzeugen zuwinken können. Denn ihre Ziele waren dieselben: die weniger als ein Dutzend Staaten mit gerade einmal gut 20 Prozent der Bevölkerung, in denen sich entscheiden wird, wie der nächste Präsident der USA heißt.

Fast war es so, als existierte der große Rest der Nation in diesen Stunden vor der Entscheidung nicht mehr. "Die Tür zu einem besseren Ort ist offen. Geh mit mir hindurch, Iowa", rief Romney. "Ich bin nicht müde, ich habe noch Kampfeslust in mir. Kämpfe mit mir, Ohio", so warb Obama.

Milliarden Dollar wird das Rennen verschlungen haben, wenn Dienstag früh um fünf Uhr Ortszeit als erste die Wahllokale in Vermont geöffnet haben. Aber geändert hat der ganze Aufwand praktisch nichts an der Dynamik, die diese Wahlsaison von Anfang an bestimmte.

Kaum Dynamik

Hier ist Obama, belastet mit einer schwächelnden Wirtschaft und hoher Arbeitslosigkeit, ein Präsident, der nach seinem Antritt als Hoffnungsträger des Wandels viele Wähler enttäuscht hat - aber immer noch eine Inspiration für viele ist. Und da ist Mitt Romney, der seinen Wahlkampf über weite Strecken als Anti-Obama bestritt, reich an Attacken, eher arm an Details über sein eigenes Programm.

Und so hat sich schon frühzeitig jene Konstellation zementiert, die einfach nicht aufbrechen will, auch in diesem Endspurt nicht. US-weit in der Wählergunst praktisch gleichauf, mit Vorteilen für Obama in den besonders umkämpften "Battleground States". Wer immer am Ende gewinnt, so scheint es, wird seinen Sieg mühsam herausgequetscht haben, irgendwo aus dieser "halsstarrigen Landschaft", wie es etwa die New York Times formulierte.

Bis dahin sieht es viel zu knapp in vielen der Swing States aus, um auch nur an Schampus in der Wahlnacht zu denken. "Die Demokraten werden die letzte Nacht genauso verbringen wie die Republikaner", sagte Experte David Gergen beim Sender CNN voraus. "Sie werden auf die letzten Umfragen blicken, zählen und zählen, rechnen und rechnen. Es wird für alle eine unruhige Nacht." (red, DER STANDARD, 6.11.2012)

 

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