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Linz - Daheim ist es halt doch am gemütlichsten und gleichzeitig am extremsten. Denn angesichts völliger Bühnenlosigkeit sind Musiker und Musikerinnen ungeschützt, sagt Florian Sedmak von der Linzer Kunst- und Kommunikationsgruppe Die Fabrikanten. In Wohnzimmern, da rücke einem das Publikum bis auf wenige Zentimeter zwischen die Saiten, wer das nicht ertrage, sei für dieses Festival ungeeignet, so Sedmak.
Neben seinem Beruf als Medien- und Kulturarbeiter ist er selbst Musiker und weiß, wie es ist, wenn ungefragt johlendes Publikum auf der Bühne steht. Die sechs Ensembles bzw. Musiker, die er als Mitarbeiter der Fabrikanten zum Zimmermusikfestival geladen hatte, gehen allesamt souverän mit der Situation um, so Sedmak, er habe nur Kollegen gefragt, denen er zutraut, diesen Nähe-Konflikt auszuhalten.
Umgekehrt gab es fast ein Überangebot an privaten Räumen, so sehr also will das Private endlich auch mal öffentlich sein. Sechs Konzerte gibt es, jeweils drei an einem Abend (8./9. 11.): u. a. spielt das Postrock-Trio BulBul bei Ingrid Niedermayr, Singer-Songwriter Bernhard Schnur bei Barbara Infanger und Mario Stauder oder das Romantikduo Traun (Didi Bruckmayr & Sigi Aigner) bei René Aichinger. Vilém Flusser, erinnert Sedmak, habe schon 1991 in seinem Text Räume die Trennung zwischen öffentlich und privat aufgehoben. Der öffentliche Raum, so der Medientheoretiker Flusser, dringe über Kabel in den privaten, der private durchdringe genauso den öffentlichen. Es gebe laut Flusser in der Stadt nichts tatsächlich Öffentliches und nichts tatsächlich Privates mehr.
Das ist eine Betrachtungsweise der Idee "Zimmermusikfestival", eine durchwegs plausible, eine andere aber beleuchtet eben jenen Raum, der letztlich doch von Grenzen beschrieben wird: Die Platzkapazität ist beschränkt, man muss sich anmelden und kann nicht von einem Wohnzimmer ins nächste wechseln. Ein bisschen Neues Biedermeier bleibt also, an das sollte der urbane Mensch seit öffentlich-privatem Gärtnern oder Marmeladeeinkochen aber bereits gewöhnt sein.
Wichtiger ist ohnehin die Kritik an der Musikindustrie, die hier formuliert wird: Irgendwann höre sich der Spaß mit dem Musikbetrieb einfach auf, meint Sedmak, ebenso wie jener mit dem Buhlen um die Aufmerksamkeit des Publikums. Wertschätzung erfahren die Musiker bei dieser "Heimsuchung" übrigens auch monetär: Ein Hut wird herumgereicht, und der soll sich trauen, der unter den Augen aller mitten im Wohnzimmer nichts hineinwirft. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 6.11.2012)
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