Heimkinder mussten zur Strafe barfuß im Schnee stehen

5. November 2012, 18:30
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Prozess um Misshandlung von fünf Kindern in Leoben

Leoben - Die Anschuldigungen könnten dem Drehbuch eines Horrorfilms entnommen sein: Pflegekinder sollen gezwungen worden sein, ihr Erbrochenes - und bisweilen Regenwürmer - zu essen, die Gruppenleiterin sperrte sie in finstere Räume, im Strafenkatalog standen Prügel und Barfußstehen im Schnee. Aufgeflogen sind die Vorkommnisse in einer Familienwohngruppe von Pro Juventute im obersteirischen Bad Mitterndorf 2010 durch ein Tagebuch eines Nachbarn der Kinderpflegeeinrichtung, das einem Urlauber in die Hände gefallen war.

Der Fall ist seit April dieses Jahres nun Gegenstand einer Gerichtsverhandlung, die nach der mehrmonatigen Vertagung am Montag fortgesetzt wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft der 53 Jahre alten Leiterin der Betreuungseinrichtung sowie vier Mitarbeitern - darunter deren Ehemann - das Vergehen des Quälens oder Vernachlässigens von unmündigen und wehrlosen Personen vor. Zum Schutz der Kinder wurde auch diesmal die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen.

Kritik an Kontrolle

Drei Jahre lang sollen die fünf Kinder regelmäßig gequält worden sein, das jüngste der Opfer war zum Beginn des Martyriums erst zwei Jahre alt.

Der Fall ließ einmal mehr Kritik an der Kontrolle derartiger familiärer Betreuungseinrichtungen laut werden. Vor allem dem Land Steiermark wurden Versäumnisse vorgeworfen, zumal eine Erzieherin die Vorfälle aufzuzeigen versucht hatte, aber in der Folge gekündigt worden war.

Ein Urteil könnte, so heißt es im Straflandesgericht, am Dienstagnachmittag fallen. (mue, DER STANDARD, 6.11.2012)

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