Neun Millionen Dollar für einen Sitz im US-Kongress

5. November 2012, 18:25
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Auch für den Kongress, der ebenfalls am Dienstag erneuert wird, steigen die Wahlkampfkosten enorm an

Schon in den vergangenen Jahrzehnten galten US-Präsidentschaftswahlen als Ereignisse der Superlative - die Kampagne 2012 macht da keine Ausnahme: Sie wird nach Berechnungen des regierungsunabhängigen Center for Responsive Politics in Washington rund sechs Milliarden Dollar (4,62 Milliarden Euro) kosten. Das ist um rund 13 Prozent mehr als 2008 - und somit ein neuer Rekord.

Die errechnete Summe umfasst die Ausgaben von Obama und Romney, ihrer Parteien sowie aller politischen Interessengruppen, die beide Kandidaten unterstützen. Die Steigerung zu 2008 geht vor allem auf die Zulassung der sogenannten Super-PACs zurück. Das Oberste Gericht hatte 2010 erlaubt, dass diese Organisationen unbegrenzt Spenden von Dritten erhalten dürfen - solange sie eine gewisse formale Distanz zu den Kandidaten halten.

Insgesamt dürften Super-PACs sowie andere politische Interessengruppen im aktuellen Wahljahr dem Center for Responsive Politics zufolge 970 Millionen Dollar ausgegeben haben. "Wir sehen Ausgaben von historischem Ausmaß", erklärte Sheila Krumholz, Direktorin des Center for Responsive Politics gegenüber dem Blog OpenSecrets.org, "in einem exorbitanten Ausmaß getätigt von Außenstehenden, von einer nur kleinen Anzahl von Personen oder Organisationen."

Wahl-Nebenschauplätze

Nicht nur für das Amt im Weißen Haus: Auch für den Kongress, der ebenfalls am Dienstag erneuert wird, steigen die Wahlkampfkosten enorm an. Im November 1996 konnte etwa der Republikaner Mike McIntyre aus North Carolina mit einem Budget von 450.000 Dollar einen Sitz erobern. Das Geld kratzte er damals bei Freunden, Verwandten und Nachbarn zusammen. Für den Rest nahm er einen Kredit auf.

Mit den neuen Wahlkampfregeln ab 2010 explodierten auch hier die Kosten: McIntyres heuriges Budget liegt bei zwei Millionen Dollar. Insgesamt bringen er und seine Mitstreiter um das Mandat für den Wahlkampf neun Millionen Dollar auf - dabei geht es um ein Mandat für bloß 733.500 Einwohner aus einer ländlichen Region der USA. Damit "kostet" eine Stimme rund zwölf Dollar. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 6.11.2012)

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