Die vorne sind hinten dicht

  • Die EBEL-Tabelle nach Spielabschnitten (Siege, Unentschieden, Niederlagen, Tordifferenz)
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    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Die EBEL-Tabelle nach Spielabschnitten (Siege, Unentschieden, Niederlagen, Tordifferenz)

  • Anteil der gespielten Zeit, die ein Team in Führung bzw. in Rückstand verbracht hat.
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    Anteil der gespielten Zeit, die ein Team in Führung bzw. in Rückstand verbracht hat.

  • Effizienz der Special Teams
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    Effizienz der Special Teams

  • Die aktuelle EBEL-Topscorerliste inklusive Punkten bei numerischem Gleichstand am Eis
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    Die aktuelle EBEL-Topscorerliste inklusive Punkten bei numerischem Gleichstand am Eis

Die Eishockey-Liga geht in eine zehntägige Länderspielpause. Was sagen die Statistiken zum bisherigen Saisonverlauf?

Nach der am Sonntag ausgespielten 19. Runde geht die Erste Bank Eishockey Liga in ihr erstes International Break. Die zwölf Teams haben etwas mehr als ein Drittel des Weges bis zum Play-Off-Beginn hinter sich gebracht, derStandard.at blickt aus diesem Anlass auf einige bemerkenswerte Detailstatistiken des ersten Saisonabschnitts.

Trio an der Spitze

Als Tabellenführer gehen die Vienna Capitals in die Pause, nachdem sie wie Verfolger Medveščak Zagreb in 16 der 19 Spiele gepunktet haben. In den ersten Wochen der Saison waren die Wiener im Paarlauf mit Villach an der Spitze unterwegs, an jedem Spieltag stand eines der beiden Teams am Platz an der Sonne. In diesen Zweikampf mischte sich mit der aktuellen Serie von neun Siegen (Klubrekord) nun auch Medveščak ein. Dass Capitals und Bären die Tabelle anführen, haben sie vornehmlich ihren starken Defensivleistungen zu verdanken, aus dem Spiel heraus kassierten beide Teams bisher nur 41 Gegentore. Wien und Zagreb können zudem auf die ausgeglichensten Torhüterduos der Liga bauen und notieren für ein Goaltending von 2,09 bzw. 2,08. Villachs Platz in der Spitzengruppe sichert mit Jean-Philippe Lamoureux ebenfalls ein Schlussmann ab: Der US-Amerikaner war zwar fünf Spiele lang gesperrt, kassierte aber bei keinem seiner zwölf Einsätze mehr als drei Gegentreffer. Zudem führt er die EBEL-Torhüterwertung in Siegen an (zehn) und hat erst eine Partie verloren.

Villach im ersten stark, Linz im letzten schwach

Mit 4,37 erzielten Treffern pro Spiel ist der VSV die offensivstärkste Mannschaft der Liga. Die Vorzüge des Angriffs der Adler kommen bisher speziell im Anfangsdrittel zur Geltung, zwischen Minute eins und 20 hat Villach mehr Tore geschossen (41) als im zweiten und dritten Abschnitt zusammen (40). Das Gegenstück zum Startfurioso des VSV, der nur in einem von 19 Spielen nach dem ersten Drittel in Rückstand lag, bildet der HC Innsbruck: Der Neueinsteiger in die EBEL wirkt speziell zu Spielbeginn oft überfordert und führte in noch keiner einzigen Saisonpartie nach dem Anfangsdrittel. Probleme im Schlussabschnitt hat hingegen der Titelverteidiger aus Linz, der in einer Tabelle der Minuten 41 bis 60 sogar den letzten Platz einnimmt.

Innsbruck selten in Führung

Auch beim Anteil der Spielzeit, in der ein Team in Führung liegt, dominiert das Spitzentrio mit Werten zwischen 48,6 und 52,5 Prozent den Ligavergleich. Abgeschlagener Letzter sind auch in dieser Kategorie die Innsbrucker Haie, die sich heuer erst 67:24 Minuten lang - 5,9 Prozent der Zeit, die sie am Eis standen - an einem Vorsprung erfreuen konnten. Wenig verwunderlich daher, dass die Tiroler an 17 von 19 Spieltagen das Tabellenende zierten. Der einzige Klub, der noch nie auf einem der zur Play-Off-Teilnahme berechtigenden ersten acht Plätze rangierte, ist jedoch Olimpija Ljubljana.
Am längsten unentschieden steht es in Spielen mit Beteiligung der Graz 99ers, bei denen über 45,09% der Zeit ein Remis von der Anzeigetafel leuchtet. Obwohl ligaweite Nummer zwei in einer Tabelle des Schlussabschnitts, sind die Steirer auch jenes Team, das Spiele so spät wie kein anderes aus der Hand gibt: Bei den bisher elf Saisonniederlagen erzielte der Gegner sein spielentscheidendes Tor im Schnitt nach 46:21 Minuten.

Zagrebs Special Teams dominieren

Aktuell nur in der unteren Tabellenhälfte platziert sich mit dem EHC Linz der Meister des Vorjahres, der im Vergleich zum Grunddurchgang 2011/12 seine Torausbeute zwar weiter steigern konnte, dafür aber mit 3,68 gleich um 1,02 Gegentreffer mehr pro Spiel kassiert als letzte Saison. Überdurchschnittlich präsentieren sich die Black Wings in der laufenden Spielzeit lediglich in den Special Teams: Sowohl im Powerplay (alle 7:14 Überzahl-Minuten ein Tor) als auch im Penalty Killing (ein Gegentor pro 13:27 Minuten in Unterzahl) rangiert die Mannschaft von Rob Daum im Ligavergleich der Effektivität auf Rang zwei.
Das größte Ausrufezeichen in Spielsituationen des numerischen Ungleichgewichts setzte bisher jedoch Medveščak Zagreb: Die Bären mussten in 192:58 Minuten Unterzahl erst neun Gegentreffer hinnehmen und verzeichneten wie der EC Salzburg in elf der 19 Spiele eine hundertprozentige Erfolgsquote im Penalty Killing. Deutlich gesteigert haben sich die Kroaten im Saisonverlauf auch im Überzahlspiel, mittlerweile wird die EBEL-Topscorerliste im Powerplay von drei Medveščak-Cracks (Sertich/13, Greentree/12, Naglich/11) angeführt.

Konstante Scorer

Maßgeblich mitverantwortlich für die jüngste Siegesserie Zagrebs und den Sprung ins Spitzenfeld der Liga zeichnet Lockout-Spieler Dustin Jeffrey: Mit ihm im Lineup verloren die Bären noch kein Spiel, er sammelte in neun Partien 16 Scorerpunkte und ist der einzige Spieler in der EBEL, der bei jedem seiner Einsätze anschreiben konnte. In Sachen konstanter Punkteproduktion kommen Jeffrey in der Liga Derek Ryan (VSV/Punkte in 89,5 Prozent der Spiele), Bryan Bickell (Znojmo/88,9%) und Thomas Koch (KAC/87,5%) am nächsten.
In der Topsorerliste mit absoluten Zahlen schlägt sich die erwähnte Offensivstärke Villachs in einer Doppelführung für den VSV nieder: Derek Ryan und John Hughes sammelten mit 28 bzw. 27 die meisten Zähler. Bester Torschütze ist aktuell Znojmos Richard Jarůšek (13 Tore), der zudem seinen Punkteschnitt (1,21) im Vergleich zum Vorjahr fast versechsfacht hat und auch die Scorerliste der Liga in Spielsituationen bei numerischem Gleichstand am Eis anführt (20 Punkte).

Titelverteidiger mit Problemen

Überhaupt ist sein Klub, der Tabellenfünfte Orli Znojmo, das Maß aller Dinge im Spiel fünf-gegen-fünf (bzw. vier-gegen-vier): Nach 19 Runden steht für die Tschechen hier ein Saldo von +21 Toren zu Buche, auf den Plätzen folgen Wien (+17), Zagreb (+16) und Villach (+13). Erhebliche Probleme bei Even Strength hat hingegen der EHC Linz, der in dieser Kategorie den Grunddurchgang des Vorjahres mit +27 auf Rang eins beendete, momentan im ligaweiten Vergleich mit -16 aber am drittschwächsten abschneidet.
Die positivste Erscheinung bei den Oberösterreichern war in den ersten 19 Runden Pat Leahy, der in seinem sechsten Jahr beim Klub gleich an sechs der zehn Siegestore beteiligt war. Ebenfalls beim EBEL-Bestwert von sechs Game Winning Points halten Thomas Koch (KAC), Josh Soares (Wien) und Markus Peintner (VSV), alle drei trafen zwei und assistierten vier Mal. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 5.11.2012)

 

Anmerkung: Die hier aufbereiteten statistischen Daten korrespondieren teilweise nicht mit den offiziell von der EBEL erhobenen, vielfach fehlerhaften Statistiken.

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