Was dem Mak wirklich fehlt

5. November 2012, 18:08
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Mak-Direktor Christoph Thun-Hohenstein nutzte die Jahrespressekonferenz seines Museums für eine erste Stellungnahme zu den neuesten Vorwürfen aus dem Rohbericht des Rechnungshofs

Wien - Rohberichte des Rechnungshofes seien Verschlussstücke und als solche mit guten Grund streng geheim, erklärt Christoph Thun-Hohenstein, Direktor des Museums für angewandte Kunst. Es sei daher nicht der Sinn solcher vorläufiger Berichte, an die Öffentlichkeit zu geraten. In Österreich passiere es allerdings immer wieder, dass solche Papiere den Medien zugespielt werden und den Boulevard zu tatsachenverfälschenden Schlagzeilen hinreißen, verschafft Thun-Hohenstein seinem Ärger Luft. Denn der Rohbericht des Rechnungshofes beschert seinem Haus seit einem Kurier-Bericht vergangenen Freitag viel negative Presse mit lauten " Skandal"-Rufen. Unter den massivsten Vorhaltungen, die dem Museum der Ära Peter Noever gemacht werden: Fälschung von Besucherzahlen und das Fehlen tausender Sammlungsobjekte.

"Hier wird ein ganzes Museum in Mitleidenschaft gezogen", nutzt der Mak-Direktor die Jahrespressekonferenz seines Hauses, um erstmals medial zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Obwohl es natürlich auch "Ziel ist, mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen", werde man erst nach den Endbericht des Rechnungshofes im Detail kommentieren. Aber dass 6600 Objekte spurlos verschwunden seien, weist Thun-Hohenstein entschieden zurück: "Dem ist nicht so."

Die Verluste würden weit in die Vergangenheit weisen, seien im Zweiten Weltkrieg oder in der Nachkriegszeit, in den 1950er- und 1960er-Jahren verschwunden. Ja, mancher Schwund reiche sogar in die Kaiserzeit zurück: Asiatika wurden etwa an k. u. k. Fachschulen verliehen und nie retourniert.

Thun-Hohenstein räumt mancher Kritik aber auch Berechtigung ein. Was dem Mak wirklich fehle, sei eine einheitliche Sammlungsdatenbank. Bis zu drei verschiedene Inventarisierungssysteme gebe es: Bei einem Haus mit 150-jähriger Geschichte und Beständen von über 700.000 Stück verwundere ihn das jedoch nicht sonderlich. Aber die Digitalisierung und Inventarisierung des Hauses trete nun in die operative Phase ein: 3,5 Millionen Euro werde das wohl insgesamt kosten, drei bis vier Jahre dauern, sehr "personalintensiv" sein und daher zusätzliche Mitarbeiter benötigen. (Zum Vergleich: Die Mak-Website kostete 80.000 Euro.)

Auch die Besucherzahlen für 2011 wurden bereits bereinigt: Ziehe man die Zugänge über Nebeneingänge ab, liege man bei 156.000, subtrahiere man weiters die Vermietungen, erreiche man 104.000 Besucher (2010: 97.749). Eine Zahl, die der Direktor über die Begeisterung neuer Besucher nach oben zu verbessern gedenkt: Dass viele mit dem Begriff "angewandter Kunst" nichts anfangen können, müsse sich ändern.

Die im Kurier ebenfalls aufgetauchten Vorwürfe, die Kustoden seien hausintern nicht in die Stellungnahme zum vorläufigen Rechnungshofbericht einbezogen worden, kontert Thun-Hohenstein. Die Stellungnahme des Museums sei unter "Heranziehen der Expertise erfolgt, die es für eine fundierte Antwort gebraucht hat".

Ex-Direktor Peter Noever zählte nicht dazu. Dieser hatte in einer Aussendung festgehalten, er habe bisher "den Bericht nicht zu Gesicht bekommen." Mit Grund. Dem ehemaligen Geschäftsführer darf man diese auch nicht gewähren, argumentiert Thun-Hohenstein. Noevers Klage ans Mak für " nicht abgegoltene Leistungen in Höhe von bis zu 7,3 Millionen Euro" würde derzeit ruhen. Wenn der Endbericht vorliege, würden die Gerichte entscheiden.

War Noever unter anderem Luxusgebaren im Direktorium vorgeworfen worden, beschreibt sich Thun-Hohenstein als "schlanken Direktor. Und noch dazu auf Diät". Eine Verschlankung, die Forschung und Sammlungserweiterung zu Gute kommen soll. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 6.11.2012)

  • Der Rechnungshof-Rohbericht hat das Image des Mak erheblich beschädigt: 
Dass in der Ära Peter Noever 6600 Objekte verlorengingen (im Bild: Schüssel, 
Türkei, 16. Jahrhundert), weist man zurück.
    foto: mak/georg mayer

    Der Rechnungshof-Rohbericht hat das Image des Mak erheblich beschädigt: Dass in der Ära Peter Noever 6600 Objekte verlorengingen (im Bild: Schüssel, Türkei, 16. Jahrhundert), weist man zurück.

  • Christoph Thun-Hohenstein, Direktor des Mak.
    foto: aleksandra pawloff/mak

    Christoph Thun-Hohenstein, Direktor des Mak.

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