Resolution der Redakteure an Wrabetz

"Der Hörfunkdirektor hat im Bestellungsprozess der Leitung des Ressorts Radio-Innenpolitik nicht das Vertrauen der Redaktion" - Resolution im Wortlaut

Die Besetzung der neuen Innenpolitik-Leitung im ORF-Radio sorgt weiter für Proteste. Unmut herrscht vor allem wegen der Vorgangsweise von Radiodirektor Karl Amon. Dieser schlug Edgar Weinzettl als Innenpolitik-Chef vor, der als SPÖ-Wunschkandidat gilt. Am Montag hat die Redakteursversammlung der Hörfunkdirektion Information (HD1) folgende Resolution beschlossen und an Generaldirektor Alexander Wrabetz übermittelt.

"Sehr geehrter Herr Generaldirektor,

die Redakteursversammlung der HD1 hat folgende Resolution beschlossen: "Der Hörfunkdirektor hat im Bestellungsprozess der Leitung des Ressorts Radio-Innenpolitik nicht das Vertrauen der Redaktion. Karl Amon hat zur Nachbesetzung der Radio-Innenpolitik einen Besetzungsvorschlag übermittelt, der weder jenem der Redaktion noch jenem des Chefredakteurs entspricht. Die Redakteurinnen und Redakteure der Radio-Information stehen zu Chefredakteur Hannes Aigelsreiter.

Kein Ressort in der ORF-Information, ob in der Innenpolitik, Außenpolitik, Wirtschaft, Chronik und so weiter, wurde je mit einer Führungskraft besetzt, die nicht über ausreichende Erfahrung auf dem jeweiligen Fachgebiet verfügt. Dies wird aus gutem Grund sowohl beim Radio als auch beim Fernsehen so gehandhabt. Dass dies nun erstmals und ausgerechnet in der Innenpolitik -direkt vor einem Wahljahr- nicht mehr gelten soll, sorgt für größte Besorgnis.

Außerdem werden die in der Stellenausschreibung Nr.32 vom 3.7.2012 angeführten Anforderungen nicht erfüllt: insbesondere die geforderte Erfahrung in der innenpolitischen Berichterstattung, die umfassende Kenntnis der österreichischen Innenpolitik, der Institutionen und Körperschaften und die Fähigkeit zur politischen Analyse bundes- und europaweiter Themen.

Allein dass der Hörfunkdirektor die Nachbesetzung lange verzögert hat und dann seinen -nach professionellen journalistischen Kriterien unhaltbaren Besetzungswunsch- mehrfach auch öffentlich propagierte, ist eine Schädigung des Ansehens der ORF-Information.

Damit nicht genug, hat sich der Hörfunkdirektor in den letzten Tagen auch in der Öffentlichkeit mehrfach auf ein Kandidatenhearing als Qualifikationsnachweis berufen - dabei ist das Hearing selbst sehr umstritten. So war etwa innenpolitische Sachkenntnis dabei überhaupt kein Thema. Dafür scheint für ihn keine Rolle zu spielen, dass für seriöse, professionelle journalistische Zusammenarbeit Vertrauen innerhalb einer Redaktion unverzichtbar ist. Der Hörfunkdirektor hat wiederholt das angebliche Ergebnis des Hearings öffentlich gemacht, und damit die laut Betriebsvereinbarung bestehende absolute Vertraulichkeit personenbezogener Angaben missachtet - eine mutwillige Beschädigung der angeblich unterlegenen Bewerbenden.

Der Protest richtet sich dabei ausdrücklich gegen die Art der Postenbesetzung, und nicht gegen in den ORF-Landesstudios selbstverständliche journalistische Qualität. Wer anderes behauptet, tut dies wider besseren Wissens und möglicherweise in böswilliger Absicht.

Die durch den Besetzungsvorschlag des Hörfunkdirektors herbeigeführte Situation muss dringend deeskaliert werden, um Schaden von der Redaktion und von Einzelpersonen abzuwenden. Der Generaldirektor wird aufgefordert, das unternehmensschädigende Verhalten des Hörfunkdirektors unverzüglich zu stoppen. Das ORF-Gesetz sieht aus guten Gründen eindeutig ein Mitwirkungsrecht an personellen Entscheidungen vor. Die Journalistinnen und Journalisten der ORF-Radioinformation vertrauen darauf, dass der Redakteursrat alle nur erdenklichen Mittel ergreift, dieses Mitwirkungsrecht durchzusetzen.

Von Redakteursvertretung und Zentralbetriebsrat wird überdies erwartet, dass, wie mehrfach in Redakteursausschüssen vom Generaldirektor gefordert, nachvollziehbar objektive Besetzungsprozesse von Leitungsfunktionen durchgesetzt werden, statt völlig intransparenter 'Hearings'

Wir Journalistinnen und Journalisten der Radio-Information sind ausschließlich unseren Hörerinnen und Hörern verpflichtet und werden weiterhin mit vollstem Engagement gegen jede Gefährdung der Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit des ORF ankämpfen. Im Interesse der demokratiepolitischen Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist dies unverzichtbar. Unser Ziel sind gute Sendungen und umfassende Information, lassen Sie uns in Ruhe arbeiten!"

Mit freundlichen Grüßen aus dem Newscenter,
Peter Daser & Gerti Roten
für die Redakteurssprecherinnen und Redakteurssprecher der HD1." (red, derStandard.at, 5.11.2012)

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5 Postings
Farbenlehre

Gibts auch bei uns Postern sowas wie Farbenlehre?

Gerade mal 3 Postings erregt diese Affäre im Rundfunk.

Ich möchte nicht wissen was sich abgespielt hätte, wäre der Amon ein deklarierter Blauer oder Schwarzer.

es macht keinen Sinn sich darüber aufzuregen
"Rotfunk" bleibt Rotfunk!
siehe:

Die roten Meinungsmacher. SPÖ-Rundfunkpolitik von 1945 bis heute

Buch von: Werner Reichel

erinnert fast ein wenig an die pelinka-geschichte. wrabetz scheint bei postenbesetzungen besonderes händchen zu haben;-)

Was jetzt?

"Der Protest richtet sich dabei ausdrücklich gegen die Art der Postenbesetzung, und nicht gegen in den ORF-Landesstudios selbstverständliche journalistische Qualität."

oder

"Außerdem werden die in der Stellenausschreibung Nr.32 vom 3.7.2012 angeführten Anforderungen nicht erfüllt: insbesondere die geforderte Erfahrung in der innenpolitischen Berichterstattung, die umfassende Kenntnis der österreichischen Innenpolitik, der Institutionen und Körperschaften und die Fähigkeit zur politischen Analyse bundes- und europaweiter Themen."

Ist es nur die Art der Besetzung - wie behauptet? Oder spricht man dem Mitarbeiter eines Landesstudios nicht doch journalistische Erfahrung punkto Innenpolitik etc. ab? Schon ein bisserl ein Kompromissbrieferl...

Unbelehrbar?

Die ORF Führung ist offenkundig unbelehrbar, dumm (?), dreist oder in kompletter Abhängigkeit einiger SPÖ Granden :) Marke Laura Rudas.

In jedem anderen Unternehmen müsste der Chef der das alles zu verantworten hat, gehen. Wir, die Zwangsgebührenzahler sind malmwieder die Dummen!

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