Prozess gegen Sozialarbeiter vertagt

5. November 2012, 11:41
1 Posting

Der mutmaßliche Vergewaltiger soll bei seinen Opfern K.o.-Tropfen eingesetzt haben

Linz - Der Prozess gegen einen ehemaligen Mitarbeiter einer oberösterreichischen Justizanstalt, der fünf Frauen teils unter Verwendung von K.o.-Tropfen missbraucht haben soll, ist am Montag fortgesetzt worden. Der Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe. Ein Urteil dürfte erst im kommenden Jahr gesprochen werden.

"Nicht normal" gewirkt

Dem 52-Jährigen wird vorgeworfen, fünf Frauen - vier seiner Schützlinge und eine Revierinspektorin - sexuell missbraucht bzw. vergewaltigt zu haben. In einem Fall gibt es eine entsprechende positive Laboruntersuchung, die auf K.o.-Tropfen hinweist, und DNA-Kontaktspuren. Ansonsten steht das Wort von vier ehemaligen Haftinsassinnen gegen das des verheirateten Sozialarbeiters und ehrenamtlichen Bewährungshelfers. Das fünfte mögliche Opfer ist eine Mitarbeiterin der Justizanstalt, die aber einen "Filmriss" zum Zeitpunkt des möglichen Übergriffs hat.

Der Fall der Revierinspektorin war von einem Vorgesetzten ins Rollen gebracht worden. Er will bei einer Weihnachtsfeier beobachtet haben, dass der Angeklagte die Frau begrapschte, während sie reglos neben ihm saß. Er sprach die Kollegin später auf den Vorfall an. Als sie daraufhin von Erinnerungslücken in jener Nacht berichtete, wurde Anzeige erstattet.

Am Montag wurden zahlreiche ZeugInnen zu dieser Weihnachtsfeier gehört. KollegInnen berichteten, die Frau habe "nicht normal" gewirkt, sie sei aggressiv und ausfällig geworden, obwohl sie normalerweise zurückhaltend und korrekt sei. Als sie einige Tage später von mehreren KollegInnen darauf angesprochen wurde, habe sie gesagt, sie könne sich daran nicht mehr erinnern und habe sich entschuldigt.

Fortsetzung für 2013

Die Revierinspektorin sei immer wieder kurz eingenickt, habe aber nicht wie eine Betrunkene gelallt, schilderten mehrere Befragte. "Ich weiß nicht, was das für ein Zustand ist, ich habe das noch nie gesehen", so eine Zeugin. Einige KollegInnen bestätigten, dass das mutmaßliche Opfer nur Spritzer und keine harten Getränke bestellt habe, weil es am nächsten Tag arbeiten musste. Dass die Frau den Dienstbeginn massiv verschlafen hat, sei laut KollegInnen ebenfalls ungewöhnlich gewesen.

Am späten Vormittag wurden noch Videoaufnahmen der Opfer-Einvernahmen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt. Dann soll vertagt werden, weil ZeugInnen nicht erschienen sind und noch weitere geladen werden. Laut Richterin dürfte der Prozess erst Anfang 2013 fortgesetzt werden. (APA, 5.11.2012)

Share if you care.