Frau in der Steiermark ertrank in Hochwasser

5. November 2012, 14:25
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Zivilschutzalarm in Lavamünd - Bundesheer zur Unterstützung gerufen

Starke Regenfälle haben am Montag im Süden Österreichs für zahlreiche Überschwemmungen und kleinere Murenabgänge gesorgt. In der Obersteiermark kam es infolge der Unwetter zu einem Todesfall: Eine Frau stürzte Montagfrüh mit ihrem Auto in den Hochwasser führenden Granitzenbach im Bezirk Murtal und ertrank. Der Pkw wurde von den zwei Meter hohen Fluten mitgerissen, die Leiche konnte erst nach mehreren Stunden gefunden werden.

In der Kärntner Gemeinde Lavamünd ist die Drau über die Ufer getreten, der gesamte Ort musste für den Verkehr gesperrt werden. Zu Mittag rief die Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) Zivilschutzalarm für die Gemeinde aus. Die Drau führte rund 2.400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde - 280 Kubikmeter sind der Normalzustand. Der Pegel war von üblichen zwei Metern auf 6,85 Meter gestiegen; damit stand das Wasser in der Gemeinde teilweise über zwei Meter hoch.

200.000 Euro Unterstützung vom Land Kärnten

Die Feuerwehr war mit Booten unterwegs, um Leute, die im Hochwassergebiet unterwegs waren, in Sicherheit zu bringen. Laut Landespressedienst sollen 20 Personen aus dem Ortsteil Drauspitz aus ihren Häusern geholt worden sein. Die noch nicht evakuierten Häuser sollen laut dem Krisenstab noch am Montag geräumt werden. Die Menschen wurden in Gasthäusern und der Volksschule untergebracht. Das Rote Kreuz übernahm ihre Betreuung.

Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) kündigte an, auch das Bundesheer zu Hilfe zu rufen. Die Landesregierung sagte zudem 200.000 Euro Unterstützung für Hochwasser-Betroffene in ganz Kärnten zu. Allein der Schaden in Lavamünd dürfte diesen Betrag jedoch um ein Vielfaches übersteigen. Zusätzlich wurde den Unwetter-Betroffenen nun auch Unterstützung vonseiten des Kärntner Nothilfswerks zugesichert. Außerdem will die Regierung 55.000 Euro für Sofortmaßnahmen bereitstellen, um Verklausungen zu beseitigen und Uferrisse zu verbauen.

Weitere Kärntner Gegenden betroffen

Neben Wolfsberg kam es auch in den Bezirken Klagenfurt-Land und Völkermarkt zu Feuerwehreinsätzen, wie die LAWZ mitteilte. Die Loiblpass-Bundesstraße (Gemeinde Ferlach, Bezirk Klagenfurt-Land) musste gesperrt werden. Auch in Unterdrauburg auf slowenischer Seite gab es Hochwasseralarm, die Feuerwehren der Region standen im Dauereinsatz.

Ein Mast einer 20-kV-Hochspannungsstromleitung war weggeschwemmt worden und drohte auf die Straße zu stürzen. Zehn Feuerwehrleute sorgten für die Einhaltung der Sperre. Zudem hatte die Feuerwehr in Ferlach mit kleineren Murenabgängen und zwei kleinen Bächen, die über die Ufer getreten waren, zu tun.

Stromausfälle zu erwarten

Der ÖAMTC teilte mit, dass neben der Loiblpass-Bundesstraße auch die Gailtal-Straße bei Tröpolach und die Katschberg-Straße zwischen Spittal und Gmünd unpassierbar waren. Behinderungen gab es unter anderem auf der Packer Bundesstraße.

Bis auf Spittal, wo in der Früh rund 3.000 Haushalte für eine dreiviertel Stunde ohne Elektrizität waren, gab es zunächst keine größeren Stromausfälle. Das könnte sich aber bald ändern, sagte Robert Schmaranz, Leiter der Kelag Netz GmbH. Wenn es wie erwartet weiter regnet, wird es wohl zu weiteren Ausfällen durch umgestürzte Strommasten bzw. geflutete Trafo-Stationen kommen. Besonders betroffen dürfte dann Lavamünd sein. 

Murenabgang in Salzburg

Im Salzburger Lungau ging in der Nacht auf Montag eine Mure auf die Katschberg-Bundesstraße ab und verlegte diese in St. Margarethen auf einer Länge von rund 30 Metern. Die nächtlichen Regenfälle hatten den Boden dermaßen aufgeweicht, dass Erde, Steine und Sträucher von der steilen Böschung abrutschten und auf der Straße landeten, teilte die Polizei mit. Personen oder Gegenstände kamen nicht zu Schaden. Bis die Straßenmeisterei die Fahrbahn geräumt hatte, musste die Bundesstraße gesperrt werden. Eine örtliche Umfahrung wurde eingerichtet.

In Teilen Tirols führten Regen und Schnee zu Stromausfällen. Laut der Tiwag Netz AG waren im Zillertal unter anderem am Penken bei Mayrhofen sechs Stationen betroffen. Eine Ende der Störung war dort vorerst nicht absehbar. Ein weiterer Schwerpunkt der Tiwag-Reparaturarbeiten lag im Osttiroler Gailtal und im oberen Lesachtal in Kärnten. Dort waren rund 1.700 Haushalte vorübergehend ohne Strom. Bei Murenabgängen wurden mehrere Straßen, darunter die Gailtalbundesstraße (B 111) verschüttet.

Auch Burgenland und Niederösterreich betroffen

Im Burgenland kam es durch die anhaltenden Regenfälle zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen in allen Bezirken. Hauptsächlich hätten überschwemmte Keller ausgepumpt werden müssen. Auch die Landesstraßenverwaltung war in erhöhter Alarmbereitschaft, teilte Straßenbaureferent Helmut Bieler mit: "Alle Straßenmeister wurden verständigt, die Streifendienste sind mit erhöhter Intensität unterwegs, um die Lage auf den Landesstraßen zu beobachten und gegebenenfalls rechzeitig zu handeln."

Auch im südlichen Niederösterreich waren die Folgen des Unwetters zu spüren: In Krumbach (Bezirk Wiener Neustadt) traten am Montagvormittag sowohl Pfarrbach als auch Panholzbach über ihre Ufer, in Feistritz am Wechsel (Bezirk Neunkirchen) gab es Hochwasseralarm für die Pitten.

Entspannung am Dienstag

Laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sind nicht nur die aktuell starken Regenfälle, sondern die insgesamt starken Niederschläge der vergangenen 14 Tage für die derzeitigen Überschwemmungen verantwortlich. Ab Dienstag soll sich die Situation entspannen.

"Wir sind mit den hydrologischen Diensten und Warnzentralen ständig in Kontakt, und diese Wetterprognose lässt erwarten, dass die Pegelstände an den Flüssen schon bald zurückgehen und sich die Hochwassersituation entspannt", sagte Gerhard Hohenwarter von der ZAMG. (APA/red, derStandard.at, 5.11.2012)

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    In Lavamünd rückte die Feuerwehr mit Zillen an. Teile der Kärntner Gemeinde standen bis zu zwei Meter unter Wasser.

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    Starke Regenfälle in der Nacht auf Montag haben in weiten Teilen Österreichs für  Überschwemmungen und Murenabgänge gesorgt.

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