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Je mehr Kontakt zu Reinigungsmitteln, umso höher das Risiko, Ekzeme zu entwickeln.
Ungern würde man sich von diesem Friseur die Haare schneiden lassen: An seinen Fingern und am Handrücken schuppt sich die Haut, sie ist eingerissen und gerötet. Man sieht kleine Bläschen oder Knötchen. So einen roten Ausschlag, bei dem sich die Haut schuppt und verhärtet, nennen Mediziner Ekzem. "Das ist eine Entzündung der Haut, ohne dass daran Bakterien, Viren oder andere Keime beteiligt sind", erklärt Barbara Ballmer-Weber, leitende Dermatologin am Uni-Spital Zürich. "Ansteckend ist das aber nicht."
Ekzeme an der Hand gehören zu den häufigsten Krankheiten. Europäische Studien zeigen, dass etwa zehn von 100 Menschen ein Handekzem haben. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein: Manche haben nur leichte Hautveränderungen, bei anderen wird das Ekzem chronisch und ist schwierig und aufwendig zu therapieren.
Oft wird ein Handekzem durch Substanzen verursacht, die chronisch von außen auf die Haut einwirken oder gegen die der Körper eine Allergie entwickelt. Typischerweise sind dies Stoffe, mit denen die Hände im Alltag Kontakt haben. Handekzeme gelten deshalb als klassische Berufskrankheiten. Mediziner unterscheiden zwischen allergischen und irritativen Handekzemen und der atopischen Form (siehe Wissen).
"Meist gibt es nicht nur eine, sondern mehrere Ursachen", sagt Werner Aberer, leitender Dermatologe an der Med-Uni Graz. Zusätzlich bestimmt die Vererbung, wie empfindlich unsere Haut reagiert. Trockene Luft, Hitzestau in Handschuhen oder ständiger Kontakt mit Wasser können außerdem die Barriere der Haut so stören, dass Schadstoffe oder allergieauslösende Stoffe, also Allergene, besser in die Haut eindringen können. Frauen bekommen häufiger Handekzeme als Männer. "Das liegt aber nicht daran, dass sie empfindlichere Haut haben, sondern mehr Kontakt mit Wasser, Reinigungsmitteln oder anderen schädlichen Substanzen", erklärt Swen Malte John, Dermatologe an der Uni Osnabrück.
Die Ursache des Ekzems zu finden kann sehr schwierig sein. "Häufig werden Allergien übersehen", sagt John. "Das liegt unter anderem daran, dass manche Tests veraltet sind und nicht mehr den Allergie auslösenden Stoffen an heutigen Arbeitsplätzen entsprechen." Vermuten die Ärzte ein allergisches Ekzem, machen sie zunächst einen Hauttest mit den verdächtigen Substanzen. "Finden wir damit nichts, spricht das eher für ein irritatives Ekzem", sagt Dermatologin Ballmer-Weber. Ob irritativ oder allergisch: "Die wichtigste Therapie ist, den auslösenden Schadstoff zu meiden." Manche müssen deshalb ihren Traumberuf aufgeben. Dann kommt die Basistherapie: Die Haut regelmäßig eincremen, im akuten Stadium mit leichten Lotionen oder Cremen, später mit fettigeren Salben.
Je nach Art und Schwere des Ekzems werden stufenweise zusätzliche Behandlungen verordnet. Zunächst zum Beispiel gering dosierte Kortison- oder Harnstoffsalben, bei schwereren Formen höher dosierte Kortisonsalben oder Therapie mit UV-Licht. Schließlich Medikamente, die die Entzündungsreaktion in der Haut unterdrücken. Dazu gehört auch das relativ neue Medikament Alitretinoin. "Das hat ziemlich wenige Nebenwirkungen", sagt Werner Aberer, "und es hilft oft auch dann, wenn die anderen Behandlungen versagt haben." Geht ein Ekzem gar nicht weg, kann manchmal noch eine oberflächliche Röntgenbestrahlung helfen.
Handekzeme können die Lebensqualität extrem einschränken. Manche schämen sich so sehr, dass sie soziale Kontakte meiden. Andere bekommen Schlafstörungen vom quälenden Juckreiz. Rund drei von zehn Menschen mit einem Handekzem können nicht arbeiten, bei jedem Zweiten von ihnen wurde das Ekzem durch den Beruf verursacht. "Dadurch entstehen Kosten in Milliardenhöhe", sagt John.
Verhindern könne man viele Handekzeme durch regelmäßige Hautpflege und Tragen von Handschuhen am Arbeitsplatz. "Leider wird das nicht konsequent durchgehalten", sagt John. In hautbelastenden Berufen solle man bei Hautveränderungen frühzeitig zum Hautarzt gehen und sich hinsichtlich Therapie und Pflege beraten lassen. "Das ist auch die beste Vorbeugung, um zu verhindern, dass sich ein Handekzem verschlimmert, eine Allergie dazukommt oder man möglicherweise irgendwann nicht mehr arbeiten kann", sagt John.
Wie viele Menschen in Österreich unter chronischen Handekzemen leiden und wie die Krankheit bei ihnen verläuft, ist zu wenig bekannt. Dies soll die Carpe-Studie ändern, bei der Patienten regelmäßig untersucht werden. Diese wurde 2009 von der Deutschen Dermatologischen-Gesellschaft gestartet, seit Frühling 2012 nimmt auch Österreich teil. "Die Ergebnisse sollen dazu dienen, dass Menschen besser behandelt werden und eine höhere Lebensqualität haben", sagt Aberer, der das Carpe-Register betreut. "Hoffentlich müssen dann nicht mehr so viele ihren Beruf wechseln." (Felicitas Witte, DER STANDARD, 5.11.2012)
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