Zehntausende New Yorker müssen ihre Häuser verlassen

5. November 2012, 05:55
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US-Ostküste leidet weiter unter Benzinmangel und Stromausfällen - Kälteeinbruch droht - Treibstoffabgabe beschränkt

New York - Nach dem verheerenden Wirbelsturm "Sandy" vor fast einer Woche müssen zehntausende New Yorker wegen der hereinbrechenden Kälte vorübergehend umziehen. Wo die Stromversorgung noch nicht wiederhergestellt sei, seien viele Häuser wegen der herrschenden Niedrigtemperaturen "unbewohnbar", sagte der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, am Sonntag. Vor allem der Treibstoffmangel machte den US-Ostküstenbewohnern weiter zu schaffen.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, allein in der Metropole müssten Menschen aus bis zu 40.000 Häusern umziehen. Sechs Tage nach dem Durchzug von "Sandy" waren in der Stadt nach Angaben Cuomos noch immer rund 140.000 Menschen ohne Strom. Für den Bundesstaat nannte der Gouverneur eine Zahl von etwa 730.000 Betroffenen.

Lage durch Benzinknappheit verschärft

Das Rote Kreuz erklärte am Samstag, vor einem für Mittwoch angekündigten Herbststurm bemühe es sich verstärkt um die Einrichtung warmer Unterkünfte für die Sturmopfer ohne Heizung. Die Temperaturen in New York fielen am Wochenende in die Nähe des Gefrierpunkts, der Herbststurm soll mit starken Regenfällen einhergehen.

Die schwierige Lage wird durch den anhaltenden Mangel an Benzin und Diesel in der Unglücksregion noch verschärft. An den Tankstellen gab es am Wochenende weiterhin lange Schlangen von Menschen, die auf Treibstoff für Heizgeräte warteten. Die Abgabe von Treibstoff für Autos wurde vielerorts auf 30 Dollar pro Tankvorgang beschränkt.

2,5 Millionen Haushalte ohne Strom

An der gesamten US-Ostküste waren noch etwa 2,5 Millionen Haushalte ohne Strom, wie das US-Energieministerium mitteilte. Allerdings konnte in Manhattan die Stromversorgung fast vollständig wiederhergestellt werden. Einsatzkräfte in New York arbeiteten das Wochenende über daran, die Versorgung in den Schulen und in den Wahllokalen für die Präsidentschaftswahl am Dienstag wiederherzustellen.

Cuomo sagte, es gebe "Verbesserungen" bei der Treibstoffversorgung. "Es braucht Geduld", mahnte er zugleich. Bloomberg versicherte zudem, die Behörden täten alles, um einen ordnungsgemäßen Ablauf der Präsidentschaftswahl sicherzustellen. "Das wird nicht leicht werden", gab er aber zu.

Durch "Sandy" kamen nach amtlichen Angaben allein in der Stadt New York 42 Menschen ums Leben, in allen 15 betroffenen US-Bundesstaaten und in Kanada gab es mindestens 109 Todesopfer. Schätzungen zufolge verursachte das Unwetter Schäden in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar.

Benefizkonzert spielte 23 Millionen Dollar ein

Ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten der Opfer des Wirbelsturms brachte unterdessen 23 Millionen Dollar (17,7 Millionen Euro) ein. Das sei ein Rekordwert, teilte das Amerikanische Rote Kreuz am Sonntag mit. Bei dem Konzert waren Stars wie Jon Bon Jovi, Christina Aguilera, Billy Joel, Sting und Bruce Springsteen am Freitag aufgetreten.

Wegen der Sturmfolgen sagte Bloomberg nach langem Zögern den für Sonntag geplanten New Yorker Marathon ab. Er beugte sich damit dem Druck von Bürgern und Kommunalpolitikern. "Wir wollten nicht, dass ein Schatten über dem Rennen oder seinen Teilnehmern liegt", begründete Bloomberg die Absage. (APA, 5.11.2012)

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