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Die Präsidentenwahl in den USA hat eine hierzulande vielfach unterschätzte Komponente: die der Rolle religiöser Gefühle bei politischen Entscheidungen. Auch in den USA.
Carl E. Schorske, der bald 100-jährige Interpret des Fin de Siècle um 1900 in Wien, hat für die auch viel später noch katholisch-habsburgisch geprägte Politik die These gewagt, "nur wer die Messe liest", könne in Österreich für längere Zeit dominant regieren. Das galt für Julius Raab in den 50er-Jahren und insbesondere für Bruno Kreisky.
Die Verschmelzung geistlicher Grundstimmungen mit politischen Einstellungen und deren Verkörperung durch charismatische Persönlichkeiten ist indes kein (historisches) österreichisches Spezifikum. Ihr Ausmaß ist in vielen Gesellschaften eine Erklärung für Wahlsiege.
Barack Obama und Mitt Romney verkörpern nicht nur zwei ganz verschiedene ethnische Traditionen Amerikas, sondern zwei gesellschaftspolitisch weit auseinanderliegende Ausprägungen. Hier der schwarze Aufsteiger und politische Prediger, dort der reiche mormonische Wasp (white anglo-saxon protestant).
In den Umfragen liegen sie seit Wochen "Kopf an Kopf". Die Auseinandersetzung spiele sich "auf des Messers Schneide" ab, beides journalistische Zuspitzungen, um die Leser bei der Lektüre zu halten. Zur Erklärung werden die üblichen Muster herangezogen - wie in Europa die Arbeitsplätze, das Gesundheitssystem, der Umweltschutz und die Angst vor dem Terrorismus.
Der Wahlkampf der letzten Wochen zwischen Obama und Romney war stärker von ganz anderen Aspekten geprägt. Wer liest in den USA die Messe? Wer ist die bessere Führungspersönlichkeit? Wer tritt besser auf, mit den überzeugenderen Argumenten?
Bei der ersten TV-Debatte wirkte der Präsident nicht wie ein Alphatier. Der republikanische Kandidat war ihm überlegen. Prompt geriet Obama bei den Umfragen ins Hintertreffen. In der zweiten TV-Debatte rundete sich Obama wieder zurück. Und erst die dritte ließ in den Medien wieder Vorteile für den amtierenden Präsidenten erkennen. Er war wieder da.
Dann kam Sandy. Katastrophen produzieren markante Unterschiede. Die Amerikaner hatten dieser Tage wohl noch im Kopf, wie kläglich George W. Bush auf den Hurrikan Katrina reagiert hatte. Und wie souverän Barack Obama während des Megasturms Sandy aufgetreten ist. Umso mehr, als sich der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg als schwache Figur gezeigt hat. Zuerst musste er Aussagen korrigieren, es habe in New York keine Toten gegeben. Und dann musste er unter dem Druck der Bevölkerung den New York Marathon absagen, an dem er zunächst aus "wirtschaftlichen Gründen" festgehalten hatte.
Ob sich der Ruf des Nothelfers Obama von der Ostküste bis nach Ohio und in andere "Schlüsselstaaten" ausgewirkt hat, werden die Ergebnisse zeigen. Aber dass es wieder Zeitungstitel gab wie "Zum Schluss findet er zur alten Form zurück", ist weniger seiner Politik geschuldet als viel mehr dem Ruf des schwarzen Engels, der er real nie war. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 5.11.2012)
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Bei der ersten TV-Debatte wirkte der Präsident nicht wie ein Alphatier. Der republikanische Kandidat war ihm überlegen. Prompt geriet Obama bei den Umfragen ins Hintertreffen
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Und mit "ins Hintertreffen" meint Herr Sperl wohl, dass Obama im Schlüsselstaat Ohio mit nur noch 5-6 Prozentpunkten führte statt wie davor mit 9-12.
Ein schwarzes Engerl (ist das die Maria Fekter?) liest einem mormonischen Protestanten die Messe, und irgenwo im Hintergrund rumoren die Habsburger, der katholische Bruno Kreisky und der Julius Raab. Aber vielleicht habe ich was falsch verstanden.
Megastürme, Marathons, Alphatiere, Kopf an Kopf auf Messers Schneide - selten so einen Stuss gelesen.
ethnische Traditionen (aus welcher soll Obama denn kommen - der ist doch ganz klar durch und durch weiß!) und geistliche Grundstimmungen....
das ist nicht einmal mehr Geschwätz, das kann nur die Folge von Drogenmissbrauch sein.
...dieser US-"Wahlen" ist, wie sehr sich die mitteleuropäische Presse bemüht, die "Unterschiede" der "Kandidaten" herbeizufantasieren.
Kein US-Präsident, egal welcher Hautfarbe oder "Religion", wird je gegen Goldman-Sachs regieren.
Mormonen sind eine Psychosekte, die aber zweifellos von einem Protestanten (Puritaner) gegründet wurde. Die "Werte", etwa die Lustfeindlichkeit, Profitgier usw ähneln durchaus einigen Calvinisten; jedenfalls sind das sicher keine Katholiken mit Beichte und Co.
Oder zitieren Sie vielleicht aus einer Quelle, deren Authentizität Sie nicht geprüft haben?
Das, was Sie hier schreiben, stimmt nicht mit dem überein, was die Mormonen, die ich kenne, repräsentieren.
http://espn.go.com/espn/stor... nson-boys.
Beste Wünsche!
Nicht nur dieser, auch dein Beitrag weiter oben lässt berfürchten, dass du in dieser Sache zu wenig an authentischer Information besitzt bzw. eingeholt hast, bevor du dich ans Schreiben gessetzt hast.
Der "11-time National Sportswriter of the Year" Rick Reilly kann doch sicher auch Lesenswertes schreiben, oder?
Lies doch bitte den Artikel aufmerksam und bis zum Schluss durch. Dann ist es leichter, so zu antworten, dass die Spontanreaktion deines Lesers nicht so lauten muss: Si tacuisses, philosophus mansisses.
Und vielleicht gibt dir dieser Beitrag von Rick Reilly sogas persönlich etwas.
Danke!
In diesem Fall hat der vielfach prämierte Sportreporter eine weinerliche Feel-Good-Story ohne jede echte Info über die Mormonensekte produziert.
Dir und anderen Sportheftl-Fans sei ans Herz gelegt: Relevante Info holt man nicht von einem Sportjournalisten, und sei er noch so prämiert.
Wikipedia ist dir ein Begriff?
Zudem hatte ich übrigens ausgiebig Gelegenheit, mit diesen Sektierern zu sprechen: Ich hab mich von einer Studienkollegin zum "Barbecue mit Freunden aus den USA" einladen lassen, und wurde dann erst stundenlang mit den Ergüssen eines miesen Scifi-Phantasten niedergebombt und dann aufgewärmten Macdonald's-Burgern endgültig vertrieben.
Zuerst einmal danke! Du hast die Geschichte über den beeindruckenden jungen Mormonen Carson Jones offenbar gelesen. Das freut mich!
Jetzt würde mich nur noch freuen, wenn dir an einem etwas seriöseren Gedankenaustausch gelegen wäre, in dem Fakten und nicht Polemik zählen (und auch keine "Gespenstergeschichten" oder "Fischerei-Lügen" erzählt werden; die führen nämlich auch nicht zu hilfreichen Interaktionen.).
Zum Abschluss:
Würden wir mehr Mitmenschen wie Carson Jones haben, dann wäre das Leben für uns alle deutlich schöner (und zudem noch viel lehrreicher, sogar lehrreicher als viel auf Wikipedia ;-) - Primärliteratur nutzend ...).
Auch solche Interaktionen übrigens!
Ich verstehe nicht warum hier alle so mitfiebern. Egal wer's wird es werden außenpolitisch beinhart us interessen verfolgt. Dass Obama konzilianter auftritt, ändert gar nix. Alles andere ist us innenpolitik; krankenversicherung, steuern.... Was betrifft uns das? Wir haben eigene Probleme, die kein us präsident für uns lösen wird, ganz im Gegenteil...
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