Irans Atomprogramm: Deeskalation

Kommentar4. November 2012, 19:01
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Es geht Teheran um das prinzipielle Recht auf Urananreicherung

Des Längeren hält sich das Gerücht, dass im Streit um das iranische Atomprogramm direkte US-iranische Gespräche bevorstehen könnten. Vor vier Wochen tauchte die Spekulation auf, dass Barack Obamas "October Surprise" vor den Präsidentschaftswahlen darin bestehen könnte, dass der Iran die Suspendierung seiner Urananreicherung auf 20 Prozent bekanntgeben wird. Genau das meldet nun der "Guardian", es bleibt aber bisher unbestätigt.

Wenn es stimmen würde, wäre es in der Tat ein ganzer Sprung vorwärts: Teheran bestand bisher darauf, dass der Stopp nur im Rahmen eines schrittweisen Verhandlungsprozesses stattfinden könne. Und nun soll es eine einseitige "Geste des guten Willens" vor einer neuen Verhandlungsrunde sein? Das ist fast zu schön, um wahr zu sein.

Ins Bild passt aber auch, dass zuletzt aus Israel zu hören war, dass der Iran - wie immer selbst behauptet - das 20-Prozent-Uran tatsächlich für die Produktion von Brennstäben für den harmlosen Forschungsreaktor in Teheran verwendet habe. Also auch von dieser Seite eine Deeskalation.

Ohne Zweifel tun die internationalen Sanktionen dem Iran wirklich weh - aber ihre Aufhebung ist nicht das Einzige, was der Iran erreichen will. Es geht Teheran um das prinzipielle Recht auf Urananreicherung. Und auf der anderen Seite setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass die Kontrolle über die iranische Anreicherung wichtiger ist als ein Totalverbot, das nicht durchsetzbar ist. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 5.11.2012)

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