New York und die jährlich drohende Jahrhundertflut

4. November 2012, 18:04
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New York werde künftig öfter von Hochwasser wie jenem nach Hurrikan Sandy betroffen sein, meinen Experten. Nun wird diskutiert, wie sich die Stadt schützen kann. Haiti hat nach dem Sturm den Notstand ausgerufen

New York / Port-au-Prince - Was, wenn Sandy sich wiederholt? Wenn der "Jahrhundertsturm" gar nicht so einmalig war? Allein wegen des steigenden Meeresspiegels könnten Überflutungen wie jene durch den Sturm Sandy in New York bis 2100 zu einem jährlichen Ereignis werden, sagte etwa der Seismologe Klaus Jacob von der Columbia University der New York Times. Man müsse sich darauf einstellen, dass die Gegend künftig öfter überschwemmt werden wird, meinte auch New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.

Die Stadt diskutiert nun, wie verhindert werden kann, dass ein neuer Hurrikan ähnliche Verwüstung anrichtet. Manche Vorschläge lassen sich leicht verwirklichen - etwa die Vorschrift aufzuheben, nach der Tanks für Stromgeneratoren in Häusern im Erdgeschoß untergebracht werden müssen. Weil viele New Yorker auch ihre Boiler und Schaltkästen derzeit im Keller haben, wurden sie von dem Hochwasser besonders hart getroffen.

Weitreichender sind Ansätze, wie sie der Architekt Stephen Cassel präsentierte: Vor der Südspitze Manhattans könnten künstliche Sümpfe angelegt werden, die im Fall eines Hurrikans das angeschwemmte Wasser aufsaugen und dem Sturm Energie nehmen würden. Manche Stadtplaner regen auch an, stark gefährdete Zonen wie manche zerstörte Küstenabschnitte von New Jersey nicht mehr aufzubauen und die Leute von dort abzusiedeln.

Immer noch kein Strom

Am Sonntag hatten noch immer zweieinhalb Millionen Menschen in den betroffenen Gebieten keinen Strom. Auch die Benzinknappheit hatte sich übers Wochenende auch aufgrund der niedrigen Temperaturen verschärft. Die US-Armee hatte fünf Verteilungsstellen eingerichtet, an denen gratis Treibstoff ausgegeben wurde. Sie musste diese allerdings wegen des enormen Andrangs bald wieder schließen. Durch den Hurrikan waren zahlreiche Raffinerien in der Gegend beschädigt worden.

Statt des ursprünglich für Sonntag geplanten New-York-Marathons nahmen hunderte Menschen an einem Benefizlauf für die Hurrikanopfer teil und verteilten dabei Hilfsgüter in der Stadt. Der Marathon war aufgrund von Bürgerprotesten kurzfristig abgesagt worden. Viele Sturmgeschädigte hatten befürchtet, dass die Veranstaltung die Wiederaufbauarbeiten behindert hätte.

Den Veranstaltern drohen nun Schadenersatzklagen von extra angereisten Sportlern, weil nicht "äußere Umstände" schuld an der Absage sind. Bürgermeister Bloomberg hatte nämlich tagelang versichert, der Sturm sei kein Grund, nicht zu laufen. Die Präsidentschaftswahlen am Dienstag sollen in den betroffenen Gebieten planmäßig abgehalten werden. Allerdings könnten stellenweise Zelte als Wahlkabinen aufgebaut werden oder Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, übers Internet ihre Stimme abzugeben.

In Haiti droht Hungersnot

Haiti, das ebenfalls von Hurrikan Sandy betroffen war, hat am Wochenende den Notstand ausgerufen. 52 Menschen starben dort infolge des Sturms. Große Teile der Ernte wurden vernichtet, nun droht eine Hungersnot. Haiti hat sich noch nicht von dem verheerenden Beben von 2010 erholt. (red, DER STANDARD, 5.11.2012)

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    Ein durch die Flut beschädigtes Haus an der Küste New Jerseys. Experten diskutieren, ob manche besonders hochwassergefährdete Gebiete besser nicht mehr aufgebaut werden sollten.

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