Keine Patentlösung gegen Armut

4. November 2012, 17:47
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Wie viele geschenkte Moskitonetze werden in Afrika als Hochzeitsschleier verwendet? Wie die Ökonomen Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo zeigen, ist das der geringste Teil. Sie plädieren für einen Weggang von Klischees über Arme.

Die Autoren analysieren, welche Konzepte für Armutsbekämpfung existieren, warum sie nicht oder nur teilweise funktionieren und wie empirische Studien vor Ort weiterhelfen.

Das Buch wurde von der Financial Times und von Goldman Sachs zum " Business Book of the Year" gewählt. Der Grund dafür ist gut verständlich: Es arbeitet nicht nur Theorie auf, sondern der Leser bekommt auch Einzelschicksale vor Augen geführt. Diese dienen allerdings nicht dazu, Mitleid zu erregen, sondern vor allem dazu, die Beweggründe für Handlungen nachvollziehen zu können, die uns als nicht von Armut Betroffene irrational erscheinen. Die Autoren arbeiteten auch mit lokalen NGOs zusammen und evaluierten die (Miss-)Erfolge, z. B. bei Impfkampagnen.

Das Innovative an diesem Buch ist die Beleuchtung des Themas aus vielen Perspektiven, sodass der Leser eine eventuelle Schwarz-Weiß-Sicht ad acta legen kann. Obwohl viele Defizite im Umgang mit der weltweiten Armut aufgezeigt werden und es keine Patentlösung gibt, sehen die Autoren Licht am Ende des Tunnels: Man müsse auf lokaler Ebene Schritt für Schritt Verbesserungen anbringen. Oder mit den Worten der Autoren: " Kleine Änderungen können große Wirkungen erzielen." (Franziska Bauer, DER STANDARD, 5.11.2012)

  • Abhijit V. Banerjee, Esther Duflo: "Poor Economics. Plädoyer für ein neues Verständnis von Armut".
    foto: knauss

    Abhijit V. Banerjee, Esther Duflo: "Poor Economics. Plädoyer für ein neues Verständnis von Armut".

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