US-Wahlen sind für Journalisten "absolut erschöpfend"

Interview | Doris Priesching
4. November 2012, 17:50
  • Präsentiert seit 1996 die "BBC World News America": Anchorwoman Katty 
Kay geht dieses Mal in ihre vierten US-Wahlen.
    foto: bbc world

    Präsentiert seit 1996 die "BBC World News America": Anchorwoman Katty Kay geht dieses Mal in ihre vierten US-Wahlen.

Zum vierten Mal ist Anchorwoman Katty Kay dabei, wenn am Dienstag ein US-Präsident gewählt wird - Die Britin präsentiert die "BBC World News America", beobachtet eine gespannte Stimmung und eine gewisse Vorfreude auf das Danach

STANDARD: BBC World wird in rund 230 Ländern gesehen und hat 65 Millionen Zuseher. Bedeutet das etwas für Sie als Journalistin?

Kay: Wenn ich in der Redaktion sitze, denke ich grundsätzlich nicht: " Wow, wir werden von Millionen Zusehern gesehen!" Manchmal hoffe ich, dass mein Ehemann zusieht. Die große Reichweite spielt aber insofern eine Rolle, als ich auf die Internationalität des Publikums achte. Ich versuche die Ereignisse so zu vermitteln, dass es in China, Hongkong, Indien, Brasilien, Frankreich und Österreich gleichermaßen verstanden wird.

STANDARD: Wie sieht das speziell für die Wahlberichterstattung aus?

Kay: Würde ich ausschließlich für ein US-Publikum berichten, würde ich sehr viel stärker auf Details eingehen. Für ein Publikum in Delhi oder in Peking geht es darum, ein breites Bild der Ereignisse zu geben. Was bedeutet das Ergebnis für Amerika und für die Rolle des Landes in der Welt.

STANDARD: Sie sind seit 1996 in Washington. Wie hat sich Wahlberichterstattung verändert?

Kay: Das sind meine vierten Wahlen, und die Stimmung ist dieses Mal wirklich sehr gespannt. Das liegt daran, dass es ein letztlich doch sehr enges Rennen zwischen Obama und Romney geworden ist. Es ist eine sehr stressvolle Zeit, natürlich auch für Journalisten: Über die US-Wahlen zu berichten ist absolut erschöpfend. Viele Reporter sind rund um die Uhr unterwegs. Ich weiß nicht, wie es den Kandidaten geht, aber ich glaube, sagen zu können, zumindest die Journalisten und die Menschen im Land sind froh, wenn die Entscheidung gefallen ist.

STANDARD: Und man kann sich wieder Grundsatzfragen zuwenden, zum Beispiel: Ist es eine gute Zeit, um Journalist zu werden?

Kay: Eine harte Zeit, denn die Möglichkeiten, Geld zu verdienen, werden nicht einfacher. Es ist hart, Geld zu verdienen, wenn alles im Internet gratis ist. Es ist schwer für junge Journalisten, die hochwertigen Content haben wollen, aber für ihre Arbeit nicht bezahlt werden. Umgekehrt erleichtert die Digitalisierung den Job natürlich, mit Videokameras kann ein Journalist alleine fantastische Storys bringen. Es ist leichter, die Geschichten zu bekommen.

STANDARD: Was bringt die Zukunft? Überlegen Sie manchmal, wie Ihr Job in fünf Jahren aussehen wird?

Kay: Nein, ich frage mich höchstens, wie mein Job nächste Woche sein wird. Ich denke nicht so lange voraus, das habe ich nie getan. Seit ich Journalistin bin, plante ich nie länger als sechs Monate. (Doris Priesching, DER STANDARD, 5.11.2012)

Katty Kay ist seit 1996 Nachrichtensprecherin bei BBC World in Washington. Davor berichtete sie aus Simbabwe, London und Tokio. Sie ist Vorstandsmitglied der International Women's Media Foundation für Frauen im Journalismus.

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14 Postings
Obwohl dieses offensichtliche Kabuki-Theater auch das FS3 bereits unsäglich langweilt, findet sich immer doch noch ein "menschlicher" Aspekt in dieser choreographierten Scharade angeblich demokratischer Wahlen…

…Diesmal am Beispiel einer völlig betrunkenen(?) Anchor-Woman bei ABC:

http://www.liveleak.com/view?i=f3... 1352279363

Es scheint, daß der mediale Irrsinn und das ganze Lügengehudel letztendlich auch seine eigenen Kinder frißt. Diane Sawyer in lallender, gar gänzlich sinnentleerter Hochform!

Ich bin froh wenn die Wahl endlich vorbei ist, ich kanns nicht mehr hören/lesen/sehen.

Es ist vor allem fuer das Publikum erschoepfend

Ich hoere an und fuer sich gern des Oe1 Morgenjournal. In den letzten Monaten habe ich aber oefters geschwaenzt bzw. abgedreht, weil mir die US-Wahlberichterstattung schon heraushaengt.
Am schrecklichsten finde ich das anscheinend unvermeidliche hysterische Gekreische. Das verdirbt einem dem Appetit beim Fruehstueck.
Die Berichterstattung ist hoch redundant. Die Journalisten muessen einfach was liefern auch wenn es eigentlich nichts zu berichten gibt.
Es nerven auch die sogenannten Experten wie der Filzmaier, die dann Banalitaeten der Art "nix genaues weiss man nicht" von sich geben.

ich find's an sich richtig, ausführlich über die us-wahlen zu berichten. ich würd mir aber dafür mehr berichterstattung zu wahlen in europa wünschen (also z.b. hätte ich mir bei der französischen präsidentenwahl auch mehr sondersendungen gewünscht).

"Manchmal hoffe ich,dass mein Ehemann zusieht."

der freut sich, dass er abschalten kann.

mir bricht das herz.
anchorwoman kay verdient wahrscheinlich 300.000 euro im jahr. da kann man es sich leisten, "nicht vorausplanen" zu müssen. ich kenne alleinerziehende, berufstätige mütter, für die 20 jahre lang jeden tag "wahlkampf" ist, was die "leistung" betrifft.
die verdienen 10.000 euro im jahr.
frau kay sollte das mal drei monate lang versuchen, um zu verstehen, was "erschöpfend" ist.

was wollen sie damit sagen?!

die frau hat vier kinder! wieso soll sie jetzt 700 euro im monat verdienen?!

ich vermute sie spricht eher über die prekarisierung im journalismusberuf allgemein. was hilft es einem volontär bei einer lokalzeitung, wenn ein cnn-anchormann abertausende verdient?

in vier von fünf antworten spricht sie über sich selbst.

im übrigen ist das bestandteil des systems: neun von zehn leuten müssen wenig verdienen, damit einer übermässig verdienen kann. denn irgendwer muss den einen schliesslich finanzieren.

fussball: 10 von 11 müssen keine tore schiessen, damit einer ein tor schiessen kann

was ist das für eine dämliche aussage?! einer mit herausragender leistung schafft mehr einnahmen und verdient dadurch mehr. das können 0 von 10 oder auch 10 von 10 sein

Hier bekommt man...

...auch einen Einblick in das Journalistenleben während des Wahlkampfes:
Hunter S. Thompson: Angst und Schrecken im Wahlkampf

http://www.amazon.de/Angst-Sch... 954&sr=1-7

230 Länder geht sich nicht aus...

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