Frau Vonn und die Männer: Lindsey darf nicht werben

Kommentar |

Der humorlose internationale Skiverband oder: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

Lindsey Vonn wäre bei der Abfahrt der Männer in Lake Louise vermutlich nicht Letzte geworden. Gewonnen hätte sie sicher nicht. Naturgemäß. Im Sport entscheidet nicht nur, aber auch die Muskelkraft - weshalb die Elite nach Geschlechtern getrennt zu sporteln pflegt. Ausnahmen gibt es im Pferde- und im Motorsport. Auf dem Ross, sei es in der Dressur oder beim Springen, spielt ein Mehr an Kraft keine Rolle. Den Beweis liefern viele Siegerinnen. Im Auto sind Frauen an der Weltspitze, wie es weiland etwa Rallye-Pilotin Michele Mouton war, eine Ausnahme.

Vonns Ansuchen, bei der Herrenabfahrt in Lake Louise mitzuwirken, wurde vom humorlosen internationalen Skiverband zurückgewiesen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Niemand ist berechtigt, an Rennen des anderen Geschlechts teilzunehmen. Frau Vonn, die ihre Kolleginnen meistens besiegt, hatte damit argumentiert, dass sie wissen wolle, wo sie wirklich stehe. Die Annahme, dass es sich um einen PR-Gang handelt, wies die US-Amerikanerin, die winters in Tirol daheim und als Red-Bull-Sportlerin hoch dotiert ist, zurück. Das ist unglaubwürdig.

Erstens kann sie den Vergleich im Training haben. Zweitens bemerkte Max Gartner, der österreichische Skipräsident der Kanadier, die wie das US-Team für ein Antreten Vonns votierten, dass man dadurch in Nordamerika das Interesse am Skisport geweckt hätte. Das wäre das bessere, einzig zwingende Argument für den Skiverband gewesen. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 5.11.2012)

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