Einschlägiger Vandalismus bei Saualm-Kunstprojekt

4. November 2012, 18:04
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Hinter der Verschandlung eines Kunstprojekts in Klagenfurt soll eine Neonazi-Gruppe stecken

Klagenfurt - Offenbar Neonazis haben an der Universität Klagenfurt ein Kunstprojekt attackiert, das sich mit den menschenunwürdigen Zuständen in der mittlerweile geschlossenen Sonderanstalt für mutmaßlich straffällige Asylwerber auf der Saualm auseinandersetzt.

Bei dem Projekt des Klagenfurter Universitätskulturzentrums (Unikum) Saualm Reflux wurden auf 50 Fahnen Bilder des umstrittenen Asylheims vom Fotografen Gerhard Maurer mit spontanen Texten österreichischer Schriftsteller wie Josef Winkler, Peter Handke, Peter Turrini, Silke Hassler, Antonio Fian und anderen versehen. Einige dieser Fahnen wurden mit rechtsextremen Aufklebern verunstaltet.

"Unser Problem sind nicht die Asylanten, sind nicht die Ostbanden, ist nicht der Islam sondern der Volkstod. Keine Integration, keine Polizeistreife, kein Asylgesetz kann uns davor retten", ist darauf zu lesen (siehe Bild links). Darunter folgt die Web-Adresse: www.Der-Volkstod-kommt.info. Der Kärntner Verfassungsschutz ermittelt.

Wenige Tage zuvor waren auf drei Fahnen Pickerln des Ringes Freiheitlicher Jugend (RFJ) geklebt worden: "Die Indianer konnten die Einwanderer nicht stoppen -- jetzt leben sie in Reservaten", ist darauf zu lesen. "Über die RFJ-Aufkleber haben wir noch hinweggesehen, aber die vom Volkstod haben uns schockiert", sagt Ausstellungsbetreuerin Barbara Maier. "Es ist beängstigend zu wissen, dass an der Uni und am Campus solche Leute herumlaufen", sagt Maier besorgt.

Die Sorge scheint durchaus berechtigt, denn beim "Volkstod" handelt es sich nach Expertenmeinung um Leute aus der Neonazi-Szene. "Das sind lose Gruppen, die aus Ostdeutschland kommen und nach und nach auch in Österreich infiltrieren", sagt der Rechtsextremismus-Spezialist und Internet-Forensiker Uwe Sailer zum STANDARD.

Die Volkstod-Mitglieder sollen sich sich laut Sailer für spontane Aktionen aus diversen rechtsextremen Vereinigungen wie der AFP oder deren Jugendorganisation Bund freier Jugend (BfJ) rekrutieren.

Der "Volkstod" war verlinkt mit mittlerweile geschlossenen Neonazi-Internetforen wie beispielsweise www.alpen-donau.info und forum. thiazi.net sowie spreelichter.info und auch elblichter.info. Die völkische Ideologie des "Volkstods" richtet sich gegen die Demokratie und gegen Ausländer und fordert deren rigorose Abschiebung.

"Das deutsche Volk stirbt"

Der Kampfbegriff "Volkstod" beschreibt ein düsteres Endzeitszenario, in dem das "deutsche Volk" im Begriff ist auszusterben. Dabei beruft man sich auf den demografischen Wandel, Migrationsthemen, einen Werteverfall und die "Volksgemeinschaft".

Sailer beobachtet Aktivitäten des "Volkstods" in Österreich bereits seit dem Jahr 2010 und hat auch in Kärnten eine Zelle ausgemacht, die offenbar Aktionen vorbereiten soll. Die Attacke auf die Uni-Ausstellung Saualm Reflux könnte erst der Auftakt gewesen sein. Mögliche Verbindungen zum RFJ schließt der Rechtsextremismus-Experte nicht aus.

Inzwischen hat die Saualm-Betreiberin Herta L., deren Vertrag vom Land Kärnten gekündigt wurde, Kritiker zu einer Besichtigung des "renovierten" Asylheims eingeladen. Dadurch erhalten die Gerüchte, wonach die Saualm doch wieder aufgesperrt werden könnte, neue Nahrung. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 5.11.2012)

  • Plakate der Ausstellung an der Uni Klagenfurt wurden 
zerrissen oder Fahnen mit "Volkstod"-Aufklebern verschandelt.
    foto: maurer

    Plakate der Ausstellung an der Uni Klagenfurt wurden zerrissen oder Fahnen mit "Volkstod"-Aufklebern verschandelt.

  • Der 
Kärntner Verfassungsschutz ermittelt. 
    foto: maurer

    Der Kärntner Verfassungsschutz ermittelt. 

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