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Sich selbst einschätzen lernen. Das ist eines der Ziele des "Talente Scans".
Im rechten Eck des Bildschirms dreht sich ein Zahnrad. In wenigen Sekunden wird das Zahnrad ein weiteres, am linken Rand bewegen. Ein 14-jähriger Schüler wird aus fünf Zahnrädern in der unteren Bildschirmhälfte jene auswählen und so auf die angedeuteten Achsen stecken, dass die Kraft des ersten Zahnrades auf das letzte übergeht und dieses in der vorgegebenen Richtung bewegt. Als der Schüler das geschafft hat, wechselt die Aufgabe am Screen. Einfache Multiplikationen und Additionen muss er jetzt lösen.
Er sitzt vor dem neuen Talente-Scan, mit dem man in Wien Schülerinnen und Schülern der 8. Schulstufe "die Chance geben will, die eigenen Fähigkeiten und die Anforderungen der Wirtschaft an künftige Arbeitskräfte besser kennen zu lernen", heißt es aus dem Büro des Stadtschulrates. "Talente-Scan Berufsbildung" ist ein Projekt, das der Wiener Stadtschulrat gemeinsam mit der Wiener Wirtschaftskammer durchführt. Die Ziele der Wiener Wirtschaftskammer liegen dabei auf der Hand. "Wir wollen alle Wiener Pflichtschüler rechtzeitig darüber informieren, was im Berufsleben auf sie zukommt und ob sie dem gewachsen sind", erklärt Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien. Der passende Lehrberuf soll gewählt werden bzw. Talente für weitere Ausbildungsmöglichkeiten erkannt werden. Doch da dürfte auch noch mehr dahinterstecken.
Die Talente-Scans - ein erster Pilot startet an 22 Wiener Mittelschulen, und rund 2.000 Schüler werden teilnehmen, bevor die Scans 2013 fixer Bestandteil des Lehrplans werden - finden über den Computer statt. Und natürlich hat auch die Wirtschaftskammer Zugriff auf die Daten. "Wir anonymisieren die Schülerdaten", erklärt Susanne Schöberl vom Wiener Stadtschulrat, "weisen den Schülern Nummern zu und übermitteln diese Daten an die Wirtschaftskammer Wien, welche die Auswertung vornimmt. Wir bekommen die ausgewerteten Daten zurück und weisen den Nummern wieder Namen zu und geben die Ergebnisse den Schülern weiter."
Ein Problem in der engen Kooperation zwischen Wirtschaftskammer Wien und dem Stadtschulrat erkennt Susanne Schöberl nicht. "Die Talente Scans sind kein wissenschaftlicher Test, sondern ein weiterer Teil der Berufsorientierung." Es gehe darum, sich ein Bild davon zu machen, was die Jugendlichen können und wie das zu dem passt, was die Wirtschaft braucht. Darum hat die Wirtschaftskammer auch aufgrund der Anforderungen der Betriebe diese Tests erstellt. "Wir arbeiten mit allen Sozialpartnern und vielen außerschulischen Organisationen zusammen", sagt Schöberl, "mit der Gewerkschaft, mit der Industriellen Vereinigung, der Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer, dem Arbeitsmarkt Service. Wir haben sehr gute Kooperationen wie Messen oder berufspraktische Tage, an welchen Schüler in Betrieben arbeiten können."
Der "Talente Scan Berufsbildung" ist genau der gleiche Test, den Anwärterinnen und Anwärter auf eine Lehrstelle beim potentiell künftigen Lehrherrn im Bewerbungsverfahren machen. "Das ist ein Startvorteil für die Jugendlichen, weil sie die spätere Bewerbungsanforderungen schon kennen", meint Susanne Schöberl.
Im Grunde geht es aber darum, dass die Schüler selbst erkennen, wie geeignet sie für ihren Wunschberuf sind. Dabei werden sieben Kategorien abgefragt - Rechnen & Zahlengefühl, Deutsch mit Rechtschreibung und Grammatik, Textverständnis, Englisch, Logik, technisches Verständnis, Konzentration und Beobachtungsgabe -, um Lücken zu erkennen, die die Schülerin, der Schüler dann beheben kann, vor allem wenn es dabei um einen wichtigen Bereich für den späteren Beruf geht. "Man kann diesen Test drei Mal machen", erläutert Susanne Schöberl, "hat also die Möglichkeit, sich zu verbessern."
"Der Vorteil dieser Orientierungshilfe für Jugendliche liegt auf der Hand - denn sie können sich durch die Ergebnisse des Scans besser selbst einschätzen lernen. Darüber hinaus hilft ein solches Projekt aber auch unseren Schulen dabei, ihr Profil so zu schärfen, dass wirtschaftliche Entwicklungen und die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes konkret antizipiert werden können", sagt Susanne Brandsteidl, Wiens Stadtschulratspräsidentin.
Für die Wirtschaftskammer ist mit dem "Talente Scan Berufsbildung" aber erst der Anfang gemacht, wie Brigitte Jank erklärt: "Wir setzen einen ersten Schritt - viele weitere müssen folgen, um unser Bildungssystem an die Anforderungen von Beruf und Wirtschaft heranzuführen. Denn eine gute Schulausbildung wird immer die Basis für einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben sein." (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 5.11.2012)
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...das ist wieder mal die bequemlichkeitsnummer: test machen und dann können sich die 14-jährigen eher entscheiden in welche richtung es geht....
was mich dabei am meisten aufregt ist, dass die verantwortlichen, sprich die eltern und die lehrer/innen damit wieder aus der nummer raus sind.
und was mich dabei auch noch aufregt ist, dass erst in dem alter "hingschaut" wird. wo die stärken und interessen des kindes liegen. das offenbart sich doch schon viel früher. das bedeutet natürlich auch, dass väter, mütter und lehrer/innen sich schon einige jahre vor dem 14. geburtstag des kindes mit diesem thema auseinandersetzen und dementsprechende "maßnahmen" setzen.
es ist zeit, dass wir auch zu diesem thema eine langfristige lösung finden.....
das Problem der 14 Jährigen ist nicht, dass sie nicht wüßten was ihnen liegt und was sie können, sie wissen nicht was man damit anfangen könnte.
Sie haben im Normalfall keine Vorstellung von der Vielfalt an Berufsbildern und den damit verbundenen Arbeitssituationen.
Es ist leider immer noch der Eigeninitiative einzelner Lehrer und vor allem der Eltern überlassen, 12-14 jährigen Einblicke in reale Arbeitswelten zu geben.
Ich kenne bisher keinen einzigen umfassenden Ansatz, der wirklich Berufsbilder vermittelt. Da könnte man viel über moderne Medien machen.
sorry, ich habe den artikel nicht gelesen, aber es ist nun wirklich absurd, über ein computerprogramm das potential von 14jährigen ermitteln zu wollen. in diesem alter ist, wenn die bedingungen günstig sind, noch in alle richtungen sehr viel möglich. leider begünstigen computereinsätze die verblödung des lehrpersonals: diese müssen nicht ihre soziokognitiven und persönlichkeitstheoretischen kompetenzen entwickeln (und sich dabei selber kritisch reflektieren lernen), sondern können kompetenz und verantwortung an eine maschine delegieren. das bringt uns hier wirklich weiter! auf diese weise wird ein kollektiv niedriges niveau an selbstreflexionskompetenz dank moderner technologie tradiert. die offiziellen sehen das wieder nicht. warum nur?
es geht ja nicht darum, dass der computer die entscheidung trifft. die reflexion darüber, ob das computerergebnis mit den eigenen interessen und stärken übereinstimmt ist ja noch immer notwendig. die meisten berufseignungstests ergeben nur sehr allgemeine stärken-schwäche-profile. wichtig ist, dass möglichst viele themengebiete abgefragt werden, damit jugendliche darüber nachdenken, was alles bei der berufswahl mitbedacht werden kann und soll. ebenfalls wichtig ist, dass nicht immer frisörin und mechaniker als ergebnis rauskommen, sondern viele verschiedene berufe, damit jugendliche aus einer breiten palette wählen können und nicht dem erstbesten klischeebild nachstreben.
die entscheidung selbst sollte natürlich kein computer treffen.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer finde ich das schon mindestens tragikomisch:
Ein Computer soll die Talente von Kindern herausfinden.
Dann haben wir talentierte Kinder, die von Erwachsenen ausgebildet werden sollen, die offensichtlich selbst keine Talente besitzen oder wenigstens keinen Gebrauch davon machen.
Alles was man bei solchen Dressurübungen lernt, ist: SICH EINFÜGEN ind vorgegebene Schablonen.
Not amused
Franz Josef Neffe
So einen Test hatten wir damals auch, vor gut 20 Jahren war das. Die Fragen waren dämlich, das Ergebnis sowieso, das einzig bemerkenswerte: der Test wurde damals am PC gemacht, vor 20 Jahren ein Novum.
Ich glaube das sich Kinder und Jugendliche tatsächlich Orientierung bei der Berufswahl wünschen, aber heute wie vor 20 Jahren ist davon an den Schulen nichts zu merken. Hauptsache ein dummer Test, nur das heutzutage die Schüler Computer wohl schon von anderswo kennen werden.
die menschlichen fähigkeiten und interessen sind jenseits von dem was ein computer oder gar computerlulutest auch nur im ansatz fassen kann.
ebenso ändern sich interessen, fähigkeiten und vorstellungen nach dem 14 lebensjahr weit öfter als das sie gleichbleiben.
sowas wie esoterisches wie talent gibt es nicht. alles ist knochenharte arbeit und mit 14 hat man noch nichtmal im ansatz damit begonnen. 14 jährige sollen 14 jährige bleiben und wenn sie von sich aus noch nicht wissen wer sie sind und wo sie hinwollen ist es nicht möglich etwas aus ihnen herauszukitzeln. das ist nichts als ein in eine richtung pressen die unterm strich niemanden was bringt.
Die Fragen sind schon so eindeutig, dass man beim Antworten schon weiß, wie sich die Antwort auf das Ergebnis auswirkt.
Hinsetzen und bisschen nachdenken reicht da auch (heutzutage sagt man wohl "über sich selbst refelktieren").
Es fehlt irgendwie das "Inserat" Zeichen rund um den Artikel?
Solche tests gabs schon wie ich 14 war (also vor gut 17 Jahren) und da standen einfach irgendwo beim Wifi.. oder AMS irgendwelche PCS rum und jeder hat was reingeklopft und es kam auf eleganten Nadeldruckern für jeden was raus. Was man da jetzt anonymisiert, institutionalisisert und mit Stempelmarke aufführt ist ja dummfug hoch 10.
2 unabhängig (!) gemachte Tests ergaben
"hervorragendes räumliches Vorstellungsvermögen ..."
Der Berufsberater war aber unschlüssig was er mir raten soll, mit "Nicht Genügend" im Zeugnis bei Darstellender Geometrie sowie Technisch Zeichnen.
Na, es hat mich 10 Jahre gekostet herauszufinden das man mit meinen Fähigkeiten in der Medienwelt gut arbeiten kann.
Dafür hast du 10 Jahre gebraucht? Wenn du nichtmal selbst weisst was du willst, wie soll das ein Berater einschätzen können?
90% der Schüler wollen etwas mit "Medien" machen. Daher wollten auch alle Publizistik studieren und die Abbruchsrate lag bei 90%.
berater sollen helfen, wenn jemand alleine nicht weiter kommt .. "wissen" tut keiner was, ausser denen die das wissen an den lieben gott delegieren, da ist dann keine hilfe mehr möglich
und wenn jemand nach 10 jahren seinen idealen beruf, seine aufgabe, gefunden hat dann ist das wunderbar manche finden das nie und gehen jeden tag "auf die arbeit" um sich ab 17:30 vom frust zu erholen...
dasist viel schlimmer
Ich kann mich dran erinnern wie wir in der Hauptschule zu so einer art "Talente-Scan" gekarrt wurden. Mir wurde dort erzählt ich wär der geborene Schweißer und sollte doch am besten gleich die Lehre anfangen. Das meine Augen eh schon übermäßig lichtempfindlich sind hat keinen gekümmert. Na, letzten Endes wurde es dann ganz was anderes...
vor allem die sozialkompetenz wird mit dem test nicht einmal gestreift! es hat sich scheinbar in der wirtschaft noch immer nicht rumgesprochen, dass menschen am werk sind. die sollten im übrigen nicht zur wirtschaft passen, sondern die wirtschaft zu uns menschen.
ein idiotentest der wieder einmal bestätigt, dass wir uns in einem ausbildungssystem und keinesfalls in einem bildungssystem befinden.
soll man denn mittels eines tests die soziale kometenz erheben?
mit fragen wie: sind sie gerne unter leuten oder meiden sie sozialen kontakt? gehen ihnen die kollegen auf die nerven? nehmen sie rücksicht auf andere oder benützen sie lieber ihren ellenbogen?
hab ich irgendwo behauptet, dass ich das mit einem test abfragen will. wer sinnerfassend liest, kann meinem posting eine kritik an tests entnehmen und ganz generell der einseitigen ausrichtung an qualifikationen, die der wirtschaft genehm sind.
ist aber nicht jedermanns sache, das mit dem sinnerfassenden lesen.
aber ganz generell: man versucht bei eignungstests seit vielen jahren sozialkompetenz abzufragen. mit so plumpen fragen wie in ihrem posting wird es allerdings nicht funktionieren!
Jetzt gehen wir her und raten auch noch die 14 Jahre alten Kinder nach dem was sie mal am Computer machen und sagen ihnen dann was sie werden sollten und somit auch was sie verdienen sollten.
Finde eine sinnvolle Berufsorientierung sehr swichtig..jedoch nicht über einen Test.
Besuche bei Betrieben oder Tage an denen man sich verscheidenste Tätigkeiten anschaun kann wären da mMn sinnvoller!- gibts zwar schon: mehr davon ist aber wünschenswert!
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