USA bekommen Folgen von "Sandy" nicht in Griff

4. November 2012, 09:27
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Weiterhin Millionen Menschen ohne Strom - Benzinknappheit soll in zwei oder drei Tagen behoben sein - Haiti ruft Notstand aus

New York/Trenton/Port-au-Prince - Knapp eine Woche nach dem verheerenden Wirbelsturm "Sandy" haben die Menschen an der US-Ostküste nach wie vor mit den schweren Folgen zu kämpfen. Zehntausende New Yorker müssen vorübergehend umziehen. Wo die Stromversorgung noch nicht wiederhergestellt sei, seien viele Häuser wegen der herrschenden Niedrigtemperaturen derzeit "unbewohnbar", sagte der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, am Sonntag. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, allein in der Metropole seien bis zu 40.000 Menschen betroffen.

Benzin-Knappheit sorgte vielerorts für chaotische Zustände, und am Samstag waren nach Angaben der Behörden noch immer fast 2,5 Millionen Menschen ohne Strom. Wegen der angespannten Lage wurde der für Sonntag geplante New York Marathon abgesagt.

In der Millionenmetropole New York waren mehr als ein Drittel der Tankstellen geschlossen. Um den Treibstoffmangel zu lindern, wurden fünf Verteilerstellen für Gratis-Benzin geöffnet, doch warteten hunderte Menschen stundenlang vergeblich auf das Eintreffen der Tanklaster.

"Das Schlimmste haben wir hinter uns"

Der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, versicherte, dass die im Hafen der Metropole blockierten Öltanker nun wieder die Pipeline für New York versorgen könnten. "Das Schlimmste haben wir hinter uns", sagte Cuomo. So hätten auch vier Fünftel der New Yorker U-Bahnen ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Bürgermeister Michael Bloomberg äußerte sich ebenfalls optimistisch. Die Benzin-Knappheit werde "in zwei oder drei Tagen behoben sein", sagte er.

Im benachbarten Bundesstaat New Jersey waren nach Berichten lokaler Medien vier Fünftel der Tankstellen geschlossen. Gouverneur Chris Christie ordnete für einige Gegenden die Rationierung von Benzin an. An einem geraden Datum dürften nur die Wagen tanken, deren Nummernschild mit einer geraden Zahl endet. An ungeraden Tagen seien die anderen Wagen dran, verfügte Christie. Einige Autofahrer in New Jersey berichteten, sie hätten acht Stunden angestanden, um ihren Tank zu füllen.

Noch 2,5 Millionen Menschen ohne Strom

New Jersey war auch am stärksten von den Stromausfällen betroffen, die vielerorts durch die Überschwemmungen im Gefolge des Hurrikans ausgelöst wurden. Nach Angaben der Behörden waren dort am Samstag weiterhin 1,2 Millionen Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten. In New York waren mehr als 871.000 Menschen ohne Strom, allerdings konnte in Manhattan die Stromversorgung fast vollständig wiederhergestellt werden. Von den insgesamt 8,5 Millionen Menschen, die unmittelbar nach dem Hereinbrechen von "Sandy" am vergangenen Montag keinen Strom mehr hatten, waren sechs Millionen wieder am Netz.

In Manhattan waren nur noch ein paar Gebäude und Grundstücke ohne Strom, wie der Anbieter ConEd über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Einsatzkräfte arbeiteten das Wochenende über daran, die Versorgung in den Schulen sowie in den Wahllokalen für die Präsidentschaftswahl am Dienstag wiederherzustellen. Dennoch müssen sich einige Bewohner der betroffenen Gebiete wohl darauf einstellen, ihre Stimme in Zelten oder Militärlastwagen abzugeben, wie die New York Times am Samstag berichtete. Auch könnte der Ausfall des Postdienstes das Eintreffen von Briefwahl-Stimmen verzögern. Das Auszählen könnte daher länger dauern, mutmaßt die Zeitung.

Nach langem Zögern sagte Bürgermeister Bloomberg den New York Marathon ab. Mit der Absage des für Sonntag geplanten Großereignisses beugte sich der Bürgermeister am Freitag dem Druck von Bürgern und Kommunalpolitikern. "Wir wollten nicht, dass ein Schatten über dem Rennen oder seinen Teilnehmern liegt", begründete Bloomberg die Absage des Marathons, der erstmals vor 40 Jahren stattfand.

Bloomberg hatte trotz der Sturmschäden zunächst an der Ausrichtung des Marathons festgehalten. Er verwies darauf, dass das Sportereignis auch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 stattfand.

Haiti ruft Notstand aus

Durch "Sandy" waren vor knapp einer Woche allein in New York 42 Menschen ums Leben gekommen, in allen 15 betroffenen US-Bundesstaaten und Kanada waren es mehr als hundert Todesopfer. Schätzungen zufolge verursachte das Unwetter Schäden in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar. Haiti, wo der Hurrikan mindestens 52 Todesopfer forderte, rief am Samstag den Notstand aus. Nach Angaben des Kommunikationsministers Ady Jean Gardy wird das ärmste Land Amerikas vom Hunger bedroht, nachdem die Regenfälle des Wirbelsturmes in weiten Teilen des Landes die Ernten zerstört haben. (APA, 4.11.2012)

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