"Sandy" - Kältewelle bedroht betroffene Regionen

3. November 2012, 14:11
64 Postings

Opferzahl in den USA steigt auf 106 - Heizöl wird knapp - Weltstars spielen Benefizkonzert für die Opfer

Washington/New York/Havanna/Port-au-Prince - Die Zahl der beim Wirbelsturm "Sandy" in den USA ums Leben gekommenen Menschen steigt weiter. Wie der US-Sender CNN in der Nacht auf Samstag berichtet, starben mindestens 106 Menschen. Insgesamt dürfte der Wirbelsturm um die 190 Menschenleben gefordert haben.

Allein in der Stadt New York verloren nach neuen Angaben der Behörden 41 Menschen ihr Leben. Bevor "Sandy" in den USA wütete, hatte der Sturm auch in der Karibik große Schäden angerichtet und in Haiti 67 Menschen in den Tod gerissen. Auf Kuba starben mindestens elf Menschen, in der Dominikanischen Republik zwei Personen. Insgesamt vier Tote gab es auf Jamaika, den Bahamas und in Puerto Rico. 

Heizöl wird knapp

Wer im Nordosten der USA den Wirbelsturm "Sandy" glücklich überstanden hat und noch ein Dach über dem Kopf besitzt, könnte bald schon vor einem neuen Problem stehen: Das Heizöl ist knapp, und die weitverbreiteten Stromausfälle bedeuten für viele Bewohner eisige Wohnungen.  Bis Mitte kommender Woche soll es empfindlich kalt bleiben mit Temperaturen von um die sechs Grad, berichteten US-Medien am Samstag. Danach könnte es sogar noch schlimmer kommen: Ein Kältesturm entwickele sich derzeit über dem Atlantik, der Regen und Wind im Gepäck habe.

Ob der aber auf die Ostküste treffen werde, war Meteorologen zufolge noch nicht klar. In jedem Fall sei er deutlich schwächer als Monstersturm "Sandy". In den betroffenen Gebieten haben immer noch fast drei Millionen Menschen keinen Strom. Viele leben deshalb derzeit in eiskalten Wohnungen.

In einigen Regionen von New York mussten die Heizölhändler die Lieferungen am Freitag bereits rationieren. Wann sie wieder Nachschub erhalten, ist unklar. 5,8 Millionen Haushalte sind im Nordosten vom Heizöl abhängig. Es ist der weltweit größte Heizölmarkt.

Probleme weiterhin bei Stromversorgung

Hinzu kommt, dass fast 3,5 Millionen Haushalte und Geschäfte an der Ostküste am Freitag noch ohne Strom waren. Die Stromversorgung wird sich wohl im Lauf der nächsten Woche verbessern. Zumindest im New Yorker Stadtteil Manhattan konnte aber die Versorgung fast vollständig wiederhergestellt worden. Nur ein paar Gebäude und Grundstücke seien noch vom Strom abgeschnitten, teilte der Anbieter ConEd am Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Einsatzkräfte arbeiteten das Wochenende über daran, die Versorgung in den Schulen sowie in den Wahllokalen wiederherzustellen. Die Schulen sollen am Montag wieder öffnen, am Dienstag finden in den USA Präsidentschaftswahlen statt.

"Im Großen und Ganzen gibt es sicher genug Licht und Leistung, um viele Leute zurück auf die Straßen zu bringen und diese Filmkulisse loszuwerden, als wären wir in einer Art Geisterstadt in einem Horrorfilm", sagte ein ConEd-Sprecher dem örtlichen Fernsehsender NY1. In anderen Bezirken der Millionenmetropole waren aber weiterhin weite Teile vom Stromausfall betroffen. Auch Treibstoffmangel in Folge des Hurrikan war ein schwerwiegendes Problem.

Schlangen vor Tankstellen

Im benachbarten Bundesstaat New Jersey ordnete Gouverneur Chris Christie für einige Gegenden die Rationierung von Benzin an. An einem geraden Datum dürften nur die Wagen, deren Nummernschild mit einer geraden Zahl endet, tanken. An ungeraden Tagen seien die anderen Wagen dran, verfügte Christie. Die Anordnung gilt demnach in zwölf Bezirken, bis sich die Versorgungslage verbessere.

In den vergangenen Tagen hatten sich vor den wenigen geöffneten Tankstellen in New Jersey wie auch in New York lange Schlangen gebildet. Einige Autofahrer in New Jersey berichteten, sie hätten acht Stunden angestanden, um ihren Tank zu füllen.

Strategie gegen Öl-Knappheit

Die US-Regierung versucht, die Öl-Knappheit zu mildern, indem sie strategische Reserven freigibt. Doch das wird kaum ausreichen. Öl-Terminals, wo normalerweise die Tanker entladen werden, können nicht arbeiten, weil sie keinen Strom haben. Und in mindestens zwei wichtigen Raffinerien in New Jersey ruht die Arbeit wegen Überflutung. Zu allem Überfluss kommen Transporte wegen Schäden an Straßen und Brücken nicht zu den Wohnhäusern durch.

Und so berichten viele Heizöl-Händler, die normalerweise die New Yorker beliefern, ihnen sei das Brennmaterial bereits ausgegangen. "Das war das letzte", sagt Nick DeMaria, ein Manager in einem Öllager in Brooklyn. "Ich habe eine ganze Reihe Tanklastwagen da unten stehen und die bekommen kein Öl. Wenn es jetzt kalt wird, müssen die Leute aber heizen können."

Stars helfen mit

Mit einem einstündigen TV-Benefizkonzert haben Stars wie Jon Bon Jovi, Christina Aguilera, Billy Joel, Sting und Bruce Springsteen unterdessen Spenden für die Opfer des Wirbelsturms "Sandy" gesammelt.

"Ich bin in Staten Island geboren, das ist vom Sturm sehr hart getroffen worden", sagte Sängerin Christina Aguilera zum Auftakt der live vom TV-Sender NBC übertragenen Show am Freitagabend (Ortszeit) in New York.

"Aber wir werden die Opfer nicht vergessen. Wir werden machen, was wir können." Dann spielte die in einen lilafarbenen Blazer gekleidete Sängerin ihren Hit "Beautiful". Auf Laufbändern wurden unterdessen Spendenmöglichkeiten eingeblendet.

Die kurzfristig auf die Beine gestellte Show wurde ohne Werbung ausgestrahlt und stattdessen von Unternehmen gesponsert. Alle Spenden gingen an das amerikanische Rote Kreuz. Wie viel Geld zusammenkam, wurde zunächst nicht bekannt. Die Telefone, an denen Spenden abgegeben werden konnten, hätten während der Show aber am laufenden Band geklingelt, betonten die Moderatoren. (APA, 3.11.2012)

Share if you care.