Nader verpasst nach Remis den Titel

3. November 2012, 11:32
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Österreichs Boxhoffnung muss sich gegen Santos mit Remis begnügen und darf Gürtel nicht umschnallen

Schwechat - Marcos Nader hat den erhofften ersten Profibox-Titel knapp verpasst. Der 22-jährige Mittelgewichtler aus Österreich erreichte am Freitagabend im Schwechater Multiversum in seinem ersten Zwölfrunden-Kampf gegen den um neun Jahre älteren Roberto Santos zwar ein Remis, damit blieb Nader zwar unbesiegt, der Gürtel aber im Besitz des spanischen Titelverteidigers.

Nader war nach über 100 Amateurkämpfen und einer verpassten Olympia-Qualifikation 2009 ins Profilager gewechselt und hatte bis Freitag alle seine 16 Kämpfe gewonnen. Den letzten am 15. September in Bamberg gegen Damien Bertu. An diesem Abend hatte sich der 31-jährige Santos auch den EU-Titel mit einem technischen K.o. gegen Naders Sauerland-Teamkollegen Dominik Britsch (GER) gesichert.

Technik vs. Ausdauer

Nader hatte sich danach wochenlang mit mehreren Sparringpartnern intensiv auf seinen ersten Meisterschaftskampf vorbereitet. Sein routinierter Gegner hatte hingegen eine relativ schnelle Titelverteidigung angestrebt, weil er sich in der Form seines Lebens gefühlt hatte.

Und damit recht hatte. Nader präsentierte sich im stimmungsvollen und gut gefüllten Multiversum als jüngerer Mann zwar zunächst wie erwartet als technisch versierterer Boxer und brachte immer wieder schöne Kombinationen an. Mit zunehmender Kampfdauer musste sich der wie sein spanischer Gegner in Ibiza geborene Österreicher aber zunehmend auch mit der Verteidigung beschäftigen.

Denn der kampfstarke Santos erwies sich als sehr aktiver Titelverteidiger und machte Österreichs derzeit größtem Boxtalent das Leben immer schwerer. Santos bewegte sich zunehmend im Vorwärtsgang, obwohl sowohl Trainer Otto Ramin den in Niederösterreich lebenden Wiener, der stets an seinen Sieg geglaubt hatte, ebenso anfeuerte wie die Familie und die Freundin Naders.

Turbulentes Finish

Und obwohl auch das Publikum seine Rolle als "dritte Faust" mit Sprechchören wahrnahm, drehte sich das Blatt zunehmend. Zudem zeigte Nader Schlagwirkung und blutete im Finish aus der Nase. Zwar ging er mit knappem Vorsprung in die letzte Runde, nach einem wilden Schlagabtausch war der Ausgang aber für alle in der Halle offen.

Zwar warf Nader nach dem Kampfende beide Fäuste nach oben, das tat aber auch Santos. Zurecht. Zwei Punkterichter hatten 114:114 gewertet, nur einer 115:114 für den Österreicher. Mit dem mehrheitlichen Unentschieden blieb Nader zwar auch in seinem 17. Profikampf unbesiegt, der Titel damit aber bei Santos. Der Ringsprecher rief zunächst Nader als neuen Champion aus, erkannte aber seinen Irrtum schnell und revidierte unter Buhrufen sein Urteil.

Timy Shala schlägt zu

Für den zweiten Höhepunkt aus heimischer Sicht sorgte Timy Shala. Der aus dem Kosovo stammende "Bomber" aus Wien (27) setzte sich im Halbschwergewicht gegen den wild schlagenden Ungarn Attila Baran über sechs Runden einstimmig nach Punkten durch und feierte im 15. Profikampf seinen 15. Sieg.

Naders Sauerland-Teamkollege Henry Weber (24), der heuer einen Titelkampf gegen WBO-Weltmeister Robert Stieglitz nur nach Punkten verloren hatte, setzte sich im Super-Mittelgewicht gegen den bisher ungeschlagenen Litauer Sergej Rozvadovskij in einem Achtrunder nach Punkten durch. 

Reaktionen

"Es tut mir leid, dass ich nicht gewonnen habe. Es war ein guter Kampf, die Punkterichter haben aber so entschieden, damit muss man klarkommen. Ich habe mich als Sieger gefühlt, muss mir aber den Kampf nochmals auf Video anschauen. Ich würde mich über einen Rückkampf freuen. Heute hat es nicht sein sollen", sagte Marcos Nader nach dem Kampf.

Roberto Santos war am Ende zufrieden: "Marcos hat in den ersten Runden deutlich besser begonnen, ich habe die letzten Runden für mich entschieden. Insgesamt habe ich genug getan, um dieses Ergebnis zu erreichen. Ich verstehe, dass die Fans nicht glücklich sind. Aber so ist das Leben." (APA, 02.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nader (re.) schaut durch die Finger.

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