Harte Bandagen im Kampf um das Kapitol

3. November 2012, 11:56
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Demokraten und Republikaner versuchen alles, um ihre Positionen in Repräsentantenhaus und Senat auszubauen

Mit von der Partie sind Abtreibungsgegner, Vietnamveteranen, Exgouverneure und schlagkräftige Wrestling-Unternehmerinnen

 

Washington/Wien - Das alles beherrschende Duell um das Weiße Haus mag es überdecken, aber am 6. November findet neben der Präsidentschaftswahl auch jene zum US-Kongress statt. Alle Repräsentanten und ein Drittel der Senatoren werden neu gewählt. Von der Zusammensetzung des Parlamentes hängt es wesentlich ab, wie erfolgreich der neue amerikanische Präsident sein kann - wer immer es auch sein wird.

Analysten gehen davon aus, dass sich die Gewichte am Kapitol in Washington nicht maßgeblich verschieben werden. Die Republikaner, die bereits jetzt eine Mehrheit im Repräsentantenhaus halten, dürften diese behalten. Genauso werde der US-Senat wahrscheinlich unter Kontrolle der Demokraten bleiben (derzeit haben sie dort 51 von 100 Sitzen). Das prognostizierte etwa Bill Schneider vom US-Thinktank Third Way zuletzt im Standard-Interview. Auch der kommende Chef im Weißen Haus wird also wohl mit einem "geteilten Kongress" vorlieb nehmen müssen.

Davor müssen noch einige interessante Wahlkämpfe zu Ende gefochten werden, vor allem jene um die 33 prestigeträchtigen Sitze im Senat, die zur Wahl stehen:

Massachusetts: Der geschichtsträchtigste Sitz ist jener in dem Neuenglandstaat, den Ted Kennedy bis zu seinem Tod im Jahr 2009 innehatte. Ihm folgte der Republikaner Scott Brown - die erste herbe Niederlage für die Demokraten noch nach dem ersten Jahr Barack Obamas im Amt. Gegen Brown tritt nun die Harvard-Professorin Elizabeth Warren an, die sich als Beraterin Obamas in Konsumentenschutzfragen einen Namen gemacht hat.

Indiana: Nach umstrittenen Aussagen des Abtreibungsgegners und republikanischen Kandidaten Richard Mourdock um "gottgewollte Empfängnis nach Vergewaltigungen" hat sich der Fokus auf diesen Sitz im Mittleren Westen gelegt. In Indiana schlug der Tea-Party-Anhänger den liberalen Republikaner Richard Lugar bei den Vorwahlen. Nun hat der demokratische Kongressabgeordnete Joe Donnelly eine realistische Chance, eine republikanische Bank zu knacken.

Missouri: Ähnliche ideologische Auseinandersetzungen gibt es im nahen Missouri. Dort behauptete der republikanische Kongressabgeordnete Todd Akin, dass Frauen nach "gerechtfertigter Vergewaltigung" körpereigene Abwehrmechanismen hätten, um ungewollte Schwangerschaften und so Abtreibungen zu vermeiden. Das erhöhte die Chancen der Demokratin Clair McCaskill auf ihre Wiederwahl.

Arizona: Im Südwesten kämpft der frühere oberste Militärarzt unter George W. Bush, ehemalige Sondereinsatzpolizist und Vietnamveteran Richard Carmona für die Demokraten um einen Sitz im Senat. Sein Gegner: Kongressabgeordneter Jeff Flake.

Virginia: Zwei Exgouverneure bemühen sich um den Sitz - der frühere Chef der demokratischen Partei Tim Kaine und George Allen, der Kaine als Obama-Unterstützer schwarzmalt.

Connecticut: An der Ostküste versucht Linda McMahon, eine Multimillionärin, die ihr Geld mit Wrestlingshows gemacht und einst einen männlichen Mitarbeiter coram publico in die Weichteile getreten hat, erneut einen Sitz für die Republikaner zu bekommen. Ihr Gegner: der junge Abgeordnete Christopher Murphy.

Für das Repräsentantenhaus gibt es mindestens so interessante Rennen. Als sicher gilt, dass mit Joe Kennedy III. in Massachusetts wieder ein Kennedy für die Demokraten in den Kongress einzieht. Eine Erwähnung verdient auch der Republikaner Scott DesJarlais aus Tennessee. Wie herauskam, hatte der Abtreibungsgegner versucht, eine Geliebte zum Schwangerschaftsabbruch zu nötigen. (Christoph Prantner/DER STANDARD, 3.11.2012)

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    Abtreibungsgegner Richard Mourdock aus Indiana.

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    Elizabeth Warren, Professorin in Massachusetts.

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    Todd Akin rührt heftig in Missouri um.

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    Demokrat Tim Kaine tritt in Virginia an.

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    Richard Carmona kämpft in Arizona um einen Sitz.

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    Connecticut: Millionärin Linda McMahon.

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    Abtreibungsgegner Scott DesJarlais aus Tennessee.

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    Joe Kennedy trägt die Standarte der Familie weiter.

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