Das Leiden der Rothaarigen

Forscher machten bei Mausstudie eine ungemütliche Entdeckung: Womöglich besteht auch ohne Sonne erhöhtes Melanomrisiko

London - Bei den Schotten sind 13 Prozent betroffen, damit sind sie weltweit Spitzenreiter. In Österreich gibt es rund zwei Prozent Rothaarige, weltweit ist es rund ein Prozent. Die Betroffenen wissen meist aus eigener Erfahrung, dass sie mit ihrer hellen Haut anfälliger für Sonnenbrände und letztlich auch Hautkrebs sind. Der Grund dafür ist, dass die sogenannten Melanozyten in ihrer Haut zu wenig vom schützenden dunklen Hautfarbstoff Eumelanin erzeugen, der UV-Strahlen auffängt. Stattdessen produziert die Haut rötlich-gelbes Phäomelanin.

Nun behauptet ein US-amerikanisches Forscherteam auf Basis einer Mausstudie, dass Personen mit rötlichem Haar und heller Haut auch ohne den Einfluss von UV-Strahlen eher mit der Bildung von Melanomen rechnen müssen. Das deckt sich mit Befunden, dass bösartige Hauttumoren bei ihnen auch an Körperstellen auftauchen, die kaum der Sonne ausgesetzt sind.

Doch was ist daran schuld? Das Team um Devarati Mitra vom Bostoner Krebszentrum schleuste in Mäuse mit dunklem und rötlichem Fell ein Gen ins Erbgut ein, das die Entstehung von Melanomen befördert. Bei der Hälfte der rötlichen Mäuse bildeten sich nach sehr kurzer Zeit Melanome, wie die Forscher schockiert feststellten - und im Fachblatt "Nature" berichten.

Welche Prozesse bei der Phäomelaninbildung genau dafür verantwortlich sind, bleibt ebenso offen wie Schlüsse auf das genaue Hautkrebsrisiko für rothaarige Menschen. In jedem Fall gilt, dass sich Rothaarige um guten UV-Schutz und sehr regelmäßige Besuche beim Hautarzt kümmern sollten. Zur Vorbeugung könnte womöglich auch eine künstliche Erhöhung der Eumelaninmenge durch Cremes dienen. (tasch/DER STANDARD, 3./4. 11. 2012)

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