Erkenntnisse in der Behandlung schwerer Herzinfarkte

2. November 2012, 17:59
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Deutsche Kardiologen sind überzeugt, dass der Einsatz einer intraaortalen Ballonpumpe im Vergleich zur intensivmedizinischen Standardbehandlung keinen Überlebensvorteil bietet

Greifswald - Der Einsatz einer EKG-gesteuerten Ballonpumpe in der Hauptschlagader (intraaortal) bei Herzinfarkt ist nicht wirkungsvoller als die Standardtherapie. - Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die von Kardiologen der Greifswalder Universitätsmedizin und 36 weiteren deutschen kardiologischen Zentren durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmedium "The New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

"Herzinfarkte können wie viele andere Erkrankungen unterschiedlich schwere Verlaufsformen haben. Trotz wesentlicher Fortschritte in der Versorgung des akuten Herzinfarktes, wie zum Beispiel die akute Eröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mittels Kathetermethoden, ist bei der besonders schweren Verlaufsform des Herzinfarktes, dem Herz-Kreislaufschock, die Prognose der betroffenen Patienten auch heute noch sehr schlecht", erläutert Stephan Felix, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin an der MedUni Greifswald.

Seit über 40 Jahren steht mit dem Einsatz der so genannten intraaortalen Ballonpumpe ein Verfahren zur Verfügung, das die Blutversorgung von Herz und Gehirn im Herz-Kreislaufschock verbessern kann. Die Ballonpumpe wird über die Blutbahn in die Hauptschlagader eingesetzt und verbleibt dort. Zig-fach vertrauten Ärzte weltweit auf die lebensrettende Wirkung des Verfahrens. Ob dieses invasive Verfahren aber mehr Nutzen als Schaden bringt, wurde bislang noch nicht ausreichend geklärt.

Standardbehandlung vs. Ballonverfahren

Aus diesem Grund nahmen die Greifswalder Mediziner an einer multizentrischen bundesweiten Untersuchung (IABP SHOCK) teil, die 600 Patienten, welche entweder mit einer Ballonpumpe oder konventionell ohne Ballonpumpe behandelt wurden, nach dem Zufallsprinzip inkludierte.

"Im Ergebnis wurde deutlich, dass der Einsatz einer intraaortalen Ballonpumpe im Vergleich zur intensivmedizinischen Standardbehandlung ohne Ballonpumpe keinen Überlebensvorteil für die Patienten bietet. Die Zahl der nach 30 Tagen verstorbenen Patienten war mit etwa 40 Prozent in beiden Behandlungsgruppen gleich hoch", so Stephan Felix. Allerdings konnte auch nicht nachgewiesen werden, dass die intraaortale Ballonpumpe zu relevanten Komplikationen führt.

"Somit hat die intraaortale Ballonpumpe bei der Behandlung des akuten Herzinfarktes mit Schocksymptomatik an Bedeutung verloren, obwohl sie bislang als Behandlungsstrategie international empfohlen worden ist. Angesichts der hohen Sterblichkeit der Patienten besteht also auch künftig erheblicher Verbesserungsbedarf bei der Behandlung der betroffenen Patienten", kommentierte der Kardiologe die Studienergebnisse. (red, derStandard.at, 2.11.2012)

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